Seit einigen Tagen werden an den Grund- und Förderschulen in NRW die Schülerinnen und Schüler mit dem Lollitest auf eine Corona-Infektion getestet. Das erfordert ein extrem aufwendiges Verfahren. Das Land lässt sich das viele Millionen Euro kosten. © picture alliance/dpa
Coronavirus

Die Lollitests an den Schulen in NRW kosten bis zu den Sommerferien 64,8 Millionen Euro

Seit einigen Tagen werden Grund- und Förderschüler in NRW zweimal in der Woche per Lollitest auf Corona getestet. Das klingt klein und niedlich, ist aber extrem teuer und sehr kompliziert.

Das 30 Sekunden lange Lutschen auf einem Wattestäbchen hat seit dem 10. Mai in Nordrhein-Westfalens Grund- und Förderschulen das unangenehme Bohren in der Nase ersetzt. Lollitest nennt sich das Verfahren. Dafür wird nicht nur eine extrem anspruchsvolle Logistik benötigt, sondern es ist auch teuer.

Wie das Schulministerium auf Anfrage unserer Redaktion berichtete, belaufen sich die Kosten für die Lollitests auf 8,1 Millionen Euro pro Woche. Bis zum Beginn der Ferien werden auf diese Weise 64,8 Millionen Euro für diese Tests ausgegeben werden.

Die Lollitests haben in den Grund- und Förderschulen zumindest bei den Schülerinnen und Schülern die Antigen-Schnelltests abgelöst. Die sind seit dem 12. April für alle Schüler in NRW zweimal in der Woche verpflichtend. Insgesamt, so berichtet das Innenministerium, rechne das Land für die Beschaffung von Corona-Tests für dieses Jahr bis Ende Juli mit Gesamtkosten von 371 Millionen Euro. Der Großteil, nämlich 319 Millionen Euro, entfällt dabei auf den Schul- und Bildungsbereich.

Lollitests müssen in einem Labor ausgewertet werden

Vom Verfahren her unterscheiden sich die Lollitests ganz erheblich von den Antigen-Schnelltests. Bei den Lollitests handelt es sich nämlich um deutlich zuverlässigere PCR-Tests, deren Auswertung in einem Labor erfolgt. Dafür ist ein extrem aufwendiges Verfahren entwickelt worden.

In einem ersten Schritt entnehmen alle Schülerinnen und Schüler einer Lerngruppe – also etwa einer Klasse – morgens zwischen 8 und 9 Uhr in der Schule eine Speichelprobe, indem sie 30 Sekunden auf dem Wattestäbchen lutschen. Diese Proben einer Lerngruppe, die vom Ministerium als „Poolgruppe“ bezeichnet wird, kommen zusammen in eine Tüte. Dann werden sie im Verlauf des Vormittags abgeholt und in eines von zwölf beteiligten Labore in NRW gefahren.

Diesen Transport müssen die beteiligten Kommunen organisieren – entweder durch eigene Kräfte oder durch ein beauftragtes Unternehmen. Viele Kommunen arbeiten dabei stadt- und gemeindeübergreifend zusammen, so dass 220 der 396 Städte und Kreise in NRW hierfür zuständig sind. Auf 403 Routen, an denen jeweils acht bis zehn Schulen liegen, werden die Proben eingesammelt. Im ländlichen Raum gibt es vier Knotenpunkte verschiedener Routen, damit die Proben von dort aus gemeinsam ins Labor kommen und nicht alle weite Wege fahren müssen.

Bis 14 Uhr sollen die Proben in den Laboren sein. Dann werden sie ausgewertet und spätestens am nächsten Morgen um 6 Uhr haben alle Schulen das Ergebnis. Jede Schule hat einen Ansprechpartner beziehungsweise eine Ansprechpartnerin, der oder die über das Resultat informiert wird.

Das Verfahren bei einem positiven Ergebnis

Sind die Tests einer Pool-Probe negativ, braucht nichts weiter unternommen zu werden. Bei einem positiven Test allerdings muss die Schule alle betroffenen Schülerinnen und Schüler beziehungsweise deren Eltern umgehend informieren. Auf welchem Weg das geschieht – ob der SMS, WhatsApp oder Mail – wird zuvor abgesprochen. Dann müssen alle Schülerinnen und Schüler dieses Pools zu Hause den Test noch einmal wiederholen. Dazu haben sie jeweils ein weiteres Wattestäbchen in einem Röhrchen für die Probe mit nach Hause bekommen.

Diesmal werden nicht alle Proben eines Pools in einer Tüte gesammelt, sondern jede Probe wird einzeln ausgewertet. Je nach Ergebnis wird dann über die notwendigen Maßnahmen wie Quarantäne oder Schließung von Klassen oder ganzen Schulen entschieden.

Da in den Grund- und Förderschulen der Wechsel zwischen Präsenzunterricht und Homeschooling tageweise erfolgt, ist sichergestellt, dass am Tag, an dem ein positives Testergebnis in einem Pool vorliegt, der betreffende Schüler nicht in der Schule ist. Er hat ja grundsätzlich am Tag nach dem Test in der Schule Zuhause Unterricht. So wird verhindert, dass ein Schüler nach einem positiven Test in die Schule kommt.

3758 Schulen beteiligen sich in NRW an dem Verfahren, das sind mehr als 99 Prozent. Für die Lehrerinnen, Lehrer und andere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Schule bleibt es beim Antigen-Schnelltest.

Das Land trägt sämtliche Kosten

35.000 Pooltests werden pro Woche benötigt. Insgesamt werden 730.000 Schülerinnen und Schüler zweimal pro Woche getestet. Ein einzelner Pooltest mit mehreren Wattestäbchen für eine Lerngruppe kostet rund 50 Euro. Die Kosten sind nach Angaben des Schulministeriums mit den Kosten der Schnelltests vergleichbar. Einen Antigen-Schnelltest berechnet das Innenministerium mit rund 4 Euro plus Mehrwertsteuer. Das Land trägt für alle Tests die kompletten Kosten, inklusive der Transport-Logistik.

Über den Autor
Redakteur
Ulrich Breulmann, Jahrgang 1962, ist Diplom-Theologe. Nach seinem Volontariat arbeitete er zunächst sechseinhalb Jahre in der Stadtredaktion Dortmund der Ruhr Nachrichten, bevor er als Redaktionsleiter in verschiedenen Städten des Münsterlandes und in Dortmund eingesetzt war. Seit Dezember 2019 ist er als Investigativ-Reporter im Einsatz.
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