Die Zahl der neuen Infektionen mit dem Coronavirus ist ebenso gefallen wie die Zahl der Corona-Toten. Allerdings braut sich an anderer Stelle eine höchst gefährliche Entwicklung zusammen. © picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild
Corona-Wochenbilanz

Coronavirus: Neuinfektionen abgebremst – aber es gibt eine brandgefährliche Entwicklung

Eigentlich könnte man sich über die Corona-Wochenbilanz freuen. Die Zahl neuer Fälle ist gesunken, allerdings: Bei anderen Daten zeichnet sich eine höchst gefährliche, tödliche Entwicklung ab.

Seit Mitte Februar ist die Zahl der neuen Corona-Infektionen in immer schnellerem Tempo gestiegen. Es entwickelte sich ein exponentielles Wachstum. Die Pandemie drohte völlig außer Kontrolle zu geraten. Bei aller Vorsicht, die man wegen der Meldeverzögerungen und geringerer Zahl von Testungen an den Tag legen muss, kann man sich dennoch freuen: Dieses exponentielle Wachstum ist offenbar gebrochen.

Die Zahlen zeigen sogar einen leichten Rückgang der Infektionsfälle. So registrierte das Robert-Koch-Institut (RKI) in der Woche vom 29. März bis 5. April. 111.610 neue Fälle, 3.438 weniger als in der Woche zuvor. Am vergangenen Montag gab s noch einen Anstieg der Fallzahlen um 23.672. Selbst wenn es noch Nachmeldungen geben sollte, ist kaum eine Fehlerquote in dieser Größenordnung zu erwarten. Genaueres wird man allerdings erst in der kommenden Wochenbilanz sehen.

Der bisherige Höchststand war in der Woche zwischen dem 14. und 21. Dezember mit 173.574 Neuinfektionen erreicht worden, bevor die Zahl bis Mitte Februar kontinuierlich gesunken war (8. bis 15. Februar: 50.442).

Die neue Entwicklung schlägt sich auch in der 7-Tages-Inzidenz nieder. Vor einer Woche lag sie noch bei 134,4 Neuinfektionen innerhalb von sieben Tagen pro 100.000 Einwohner, jetzt ist sie auf 128,0 gefallen. In drei Bundesländern liegt sie aktuell unter 100: Saarland. Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein.

Weiterhin bestätigt wurde in den vergangenen sieben Tagen auch der Rückwärtstrend bei der Zahl der Menschen, die an oder mit einer Corona-Infektion gestorbenen sind. In der Woche zwischen dem 29. und 5. April zählte das RKI genau 1.100 Corona-Tote. Das sind noch einmal 99 weniger als in der Vorwoche und es ist der geringste Wert seit der Woche zwischen dem 2. und 9. November, als das RKI 822 Corona-Tote zählte.

Dass die zurückgehende Zahl von Todesopfern trotz steigender Infektionszahlen bereits ein Erfolg der Impfungen ist, die seit Weihnachten – wenn auch schleppend und mit teils chaotischen Begleitumständen – angelaufenen sind, liegt nahe. Andererseits besteht für eine Entwarnung kein Anlass. Denn bei steigenden Fallzahlen und der sich rasant ausbreitenden Mutation B1.1.7, die als deutlich aggressiver und tödlicher als das Ursprungs-Virus gilt, dürfte sich auch die absolute Zahl der jüngeren Menschen erhöhen, die schwer an Covid-19 erkranken. Allerdings treten schwere Verläufe in dieser Personengruppe prozentual nicht so oft auf.

Tödliche Entwicklung auf den Intensivstationen

Diese Entwicklung spiegelt sich auch auf den Intensivstationen wider. Hier bahnt sich eine extrem gefährliche, tödliche Entwicklung an. Inzwischen droht in der Tat eine Überlastung der Intensivstationen, vor der Experten seit Wochen warnen. Am 5. April werden in Deutschland auf den Intensivstationen 4.113 Corona-Patienten auf einer Intensivstation behandelt. Das sind 637 mehr als am vergangenen Montag. Vor einer Woche betrug der Anstieg zur Vorwoche noch 421. Die Zunahme beschleunigt sich also. Das gilt auch für den Anteil der Patienten, die beatmet werden müssen. Das sind jetzt 2.283 – 367 mehr als vor einer Woche. Am vergangenen Montag lag die Zunahme noch bei 253.

Noch liegen diese Werte unter den Höchstwerten, die Anfang Januar festgestellt wurden. Am 4. Januar, dem bisher schlimmsten Tag in dieser Hinsicht, wurden auf den Intensivstationen 5.744 Corona-Patienten behandelt, von denen 3.211 Menschen beatmet werden mussten.

Ein Vergleich mit dem vergangenen Frühling, als die erste Infektionswelle über unser Land schwappte, macht deutlich, wie ernst die Lage nach wie vor ist. Damals gab es innerhalb von sieben Tagen die meisten Neuinfektionen zwischen dem 30. März und 6. April, nämlich 38.093. Jetzt, Anfang April, gibt es fast drei Mal so viele Fälle. Bei den Corona-Toten gab es die meisten Opfer zwischen dem 13. und 20 April: genau 1.605. Hier liegen wir aktuell zum Glück wieder unter dieser Höchstmarke.

Noch ein Blick auf die Impfungen. Bis einschließlich Freitag (2. April) wurden in Deutschland 10.046.898 Menschen gegen das Virus geimpft. Das heißt: Innerhalb einer Woche erhielten rund 1,4 Millionen Menschen eine erste Corona-Impfung. 4.334.170 Menschen sind bereits zweimal geimpft, rund 600.000 mehr als eine Woche zuvor.

Über den Autor
Redakteur
Ulrich Breulmann, Jahrgang 1962, ist Diplom-Theologe. Nach seinem Volontariat arbeitete er zunächst sechseinhalb Jahre in der Stadtredaktion Dortmund der Ruhr Nachrichten, bevor er als Redaktionsleiter in verschiedenen Städten des Münsterlandes und in Dortmund eingesetzt war. Seit Dezember 2019 ist er als Investigativ-Reporter im Einsatz.
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