Symbolbild: In Herne kam ein Baby auf tragische Weise zu Tode. © picture alliance / Carsten Rehder/dpa
Schwurgericht Bochum

Baby stirbt qualvoll an Rippenbrüchen und inneren Blutungen: Eltern gehen nicht zum Arzt

Ein zehn Wochen altes Baby litt unter gebrochenen Rippen, wurde aber nicht zur Folgeuntersuchung gebracht. Später starb das Kind an inneren Blutungen - Schuld daran ist wahrscheinlich der Vater.

Im Prozess um die Ermordung eines nur zehn Wochen alten Säuglings sind die Richter überzeugt, dass die Mutter ihren schon drei Wochen vor dem Tod schwerverletzten Jungen schwer vernachlässigt hat. Elf Tage vor dem qualvollen Tod des Säuglings war die 27-Jährige mit dem Baby zuletzt bei einer Kinderärztin gewesen und hatte dort berichtet, dass sie „ein Knacken beim Atmen“ höre. Die Staatsanwaltschaft ist sich sicher, dass der Vater kurz zuvor bereits erstmals handgreiflich geworden war, seinem Sohn vier Rippenbrüche zugefügt hat, die Mutter das wusste, aber verschwiegen hat.

Eltern gingen nicht zu Behandlungsterminen

Dringend angeratene Folgebehandlungs-Termine sowie einen bereits fest vereinbarten fachärztlichen Untersuchungstermine in der Kinderchirurgie Witten hatten die Eltern anschließend aber ausgelassen beziehungsweise wieder abgesagt. Laut Anklage wurde der verletzte Säugling dadurch „seinem schmerzhaften Schicksal“ überlassen.

Die Mutter hat im Prozess die gegen sie erhobenen Vorwürfe bestritten. Angeblich sei ihr die Dringlichkeit der fachärztlichen Untersuchung nicht ausreichend klargemacht worden. Die Bochumer Richter sahen diese Behauptung unter anderem aufgrund von Handy-Chats widerlegt.

Baby starb an inneren Blutungen

Der wegen Mordes angeklagte Vater schweigt vor Gericht. Einem Notarzt gegenüber hatte der 26-Jährige spontan einen Unfall geschildert. Angeblich will er sich versehentlich auf den auf der Couch liegenden Säugling gesetzt haben. Angesichts des doch recht punktuellen Verletzungsbildes im Rumpfbereich des Babys sollen zwei Rechtsmediziner diese Ursache als Auslöser praktisch sicher ausgeschlossen haben.

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der Säugling am 19. Juni 2020 in Abwesenheit der Mutter von seinem Vater in der Familienwohnung in Herne-Mitte entweder „mit der Faust oder mit einem stumpfen Gegenstand derart heftig in den Magen“ geschlagen wurde, so dass es zu letztlich tödlichen inneren Blutungen gekommen ist. Zum Motiv heißt es in der Mordanklage: „Weil er mit dessen weinerlichen Wesen nicht mehr zurechtkam.“

Das Bochumer Schwurgericht hat nun ein erstes Urteil gefällt: Gegen die mitangeklagte Mutter (27) des Babys wurden wegen Misshandlung von Schutzbefohlenen durch Unterlassen 14 Monate Haft auf Bewährung verhängt. Der Mordprozess gegen den 26-jährigen Kindsvater aus Herne läuft weiter. Das Urteil gegen den Vater soll voraussichtlich am 24. Februar fallen.

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