Coronavirus

Außengastronomie, Konzerte, Freibad: Mehrere NRW-Modellkommunen lockern Corona-Regeln

Endlich mal wieder etwas trinken im Café, ins Freibad gehen, ein Konzert besuchen: In manchen NRW-Kommunen ist das möglich. Eine andere Stadt zieht sich aus dem Projekt „Modellkommune“ zurück.
Erstmals seit mehr als einem halben Jahr können in NRW wieder Menschen in Cafés und Restaurants Platz nehmen, um zu trinken und zu essen. (Symbolbild) © picture alliance/dpa

Erstmals seit mehr als einem halben Jahr können in Nordrhein-Westfalen wieder Menschen in Cafés und Restaurants Platz nehmen, um zu trinken und zu essen. Diese Möglichkeit gilt allerdings nur für den Außenbereich und vorerst nur für zwei Städte: Lippstadt und Soest gaben am Freitag bekannt, dass sie die Außengastronomie in ihren Innenstädten ab kommendem Mittwoch wieder öffnen werden.

Ursprünglicher Start der Modellkommunen wurde verschoben

Dies ist möglich, weil sie zu Corona-Modellkommunen gehören. Die hatte das Wirtschaftsministerium ausgewählt, um ein öffentliches Leben in Pandemiezeiten zu erproben und um daraus Erkenntnisse für ganz NRW zu gewinnen. Zuletzt wurde in NRW am 1. November 2020 Speis und Trank am Platz serviert, seither ist der Gastronomie wegen Corona-Einschränkungen nur der Außerhausverkauf erlaubt.

Der ursprüngliche Start der Modellkommunen war für den 19. April vorgesehen, dann sollten sechs Kommunen – darunter Lippstadt und Soest in einem gemeinsamen Modellprojekt – loslegen, eine Woche später sollten acht weitere Kommunen starten. Doch damals stiegen die Infektionszahlen in der Pandemie deutlich. Die Mindestvorgabe, der zufolge nur Kommunen mit einer zweistelligen Corona-Wocheninzidenz öffnen dürfen, konnte in fast allen ausgewählten Städten nicht eingehalten werden.

Freibad Billerbeck im Kreis Coesfeld öffnet

Inzwischen sind immerhin drei Modellkommunen deutlich unter 100, der Landkreis Soest lag am Freitag bei 69,6. Dadurch sind nun Öffnungen wieder möglich. Der Kreis Coesfeld (69,4) hat dies im kleinen Stil schon getan, so ist dort zum Beispiel ein Fitnessstudio wieder auf. Erstmals seit über einem halben Jahr öffnet dort an diesem Samstag zudem ein Schwimmbad für die breite Öffentlichkeit. Im Rahmen eines Modellversuchs können Bürgerinnen und Bürger ab 10.00 Uhr das Freibad Billerbeck besuchen. Seit Anfang November waren alle Schwimmbäder in NRW wegen der Corona-Pandemie für den Publikumsverkehr geschlossen.

In dem münsterländischen Kreis ist am Samstagabend im Rahmen des Modellprojekts auch eine Kulturveranstaltung geplant: Im Innenhof der Vorburg der Burg Vischering in Lüdinghausen soll es ein Open Air-Gitarrenkonzert geben. Die aus Nottuln stammenden Zwillingsbrüder und Gitarristen Michael und Thomas Hoene spielen Jazz, Flamenco und Latin. 100 Karten wurden verkauft.

Weiteres Freibad soll bald öffnen

Der Kreis Coesfeld ist eine von mehreren Modellkommunen in NRW, in denen unterhalb einer beständigen Wocheninzidenz von 100 bestimmte Öffnungen erlaubt sind. Den Anfang machte am vergangenen Montag ein Fitness- und Rehastudio in Havixbeck. Ein weiteres Freibad, das Klutenseebad in Lüdinghausen, will am Montag öffnen. In Coesfeld liegt die Inzidenz seit dem Jahresende 2020 unter 100.

Im Freibad Billerbeck sind maximal 500 Besucher zugelassen. Wer das Bad betreten will, muss einen negativen Coronatest mitbringen, der nicht älter als 24 Stunden sein darf. Dem gleichgestellt sind vollständig Geimpfte oder Genesene, wie das Bad auf seiner Internetseite mitteilt. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Auf dem Gelände des Freibades herrscht Maskenpflicht. Lediglich auf dem Weg zum Wasser und im Wasser darf die Maske abgelegt werden. Im Becken dürfen sich höchstens 155 Menschen gleichzeitig aufhalten. Sie müssen Abstand halten. Ein Einbahnstraßensystem, bei dem alle im Kreis schwimmen müssen, soll es nicht geben.

Anfragen zur Öffnung sind von weither gekommen

Der Deutsche Wetterdienst rechnet für den Vormittag mit etwa elf Grad Lufttemperatur. Leicht regnen soll es erst am Nachmittag. Die Wassertemperatur liegt bei 23 Grad. Jürgen Maas vom Fachbereich Sport und Kultur der Stadt Billerbeck geht wegen des Wetters davon aus, dass der Andrang am Samstag noch nicht so groß sein wird. „Es kommen diejenigen, die wirklich schwimmen wollen“, sagte er im Vorfeld.

Anfragen zur Öffnung seien von weither gekommen, etwa aus dem Ruhrgebiet, dem Raum Osnabrück und sogar aus dem Raum Hannover. In den kommenden Tagen soll ein Ampelsystem auf der Internetseite des Freibads Besuchern anzeigen, ob noch Platz ist.

Soest und Lippstadt öffnen Außengastronomie

Mit Soest und Lippstadt geht es nun im Rahmen der Modellkommunen erstmals im Gastrobereich los. Es gelten strenge Auflagen: Die Besucher müssen sich vorher angemeldet und einen Tisch reserviert haben und sie müssen ein negatives Corona-Testergebnis mitbringen. Maximal fünf Personen aus zwei Haushalten dürfen an einem Tisch sitzen. Mitmachen dürfen 25 Betriebe mit 1.800 Sitzplätzen in Soest und neun Betriebe mit 530 Plätzen in Lippstadt. Das Ordnungsamt will verstärkt kontrollieren, ob die Regeln eingehalten werden.

Ahaus will sich aus Modellprojekt zurückziehen

Eine Absage für eine Modellöffnung kam hingegen aus Ahaus. Die Stadt liegt im Kreis Borken, der am Freitag noch bei einer Wocheninzidenz von 105 lag – Ahaus musste also noch warten. Aber selbst bei einer zweistelligen Inzidenz wird es dort keine Modellöffnung geben. Denn die Stadt teilte mit, dass man sich aus dem Projekt zurückziehen werde.

Die Idee sei es gewesen, die komplette Innenstadt mit Einzelhandel und Gastronomie als klar umgrenzte Zone einzubinden, die nur zum Beispiel mit einem tagesaktuell negativen Testergebnis betreten werden dürfte. Das sollte mit einer App überwacht werden. Das Land habe aber unter anderem Kontrolleure an den Fußgängerzonen verlangt. „Und auch die angedachten Freiheiten wurden mit dem Hinweis auf die Einhaltung infektiologischer Gesichtspunkte weitestgehend eingestampft“, so die Stadt.

„Ich bedauere es sehr, dass wir als Stadt Ahaus nicht beweisen konnten, wie Bürgerinnen und Bürger durch den selbstverständlichen Umgang mit den digitalen Möglichkeiten per Smartphone einen echten Beitrag zur Bekämpfung der Pandemie geleistet hätten“, erklärte Bürgermeisterin Karola Voß (parteilos).

Ministerium bedauert Entscheidung

Das Wirtschaftsministerium teilte zum Ausstieg von Ahaus mit: „Maßgeblich für diese Entscheidung war insbesondere, dass kein gemeinsamer Standpunkt zu den Anforderungen an die begleitenden präventiven Maßgaben erreicht werden konnte.“ Das Ministerium bedauere die Entscheidung „vor allem vor dem Hintergrund, dass die Voraussetzungen für ein digitales Pandemiemanagement in Ahaus besonders vielversprechend sind“. Insgesamt wertete das Ministerium es positiv, dass immer mehr ausgewählte Modellkommunen eine 7-Tage-Inzidenz von unter 100 erreichten. Vorbereitungen liefen auf Hochtouren.

Mit Münster liegt eine weitere Modellkommune unter der 100er Schwelle, die westfälische Stadt kam am Freitag auf eine Wocheninzidenz von 60,3. Die Stadtverwaltung hat aber noch nicht entschieden, wann es als Modellkommune womit losgeht.

Deutscher Hotel- und Gaststättenverband fordert Öffnungsperspektive für gesamte Gastrobranche

Der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) NRW begrüßte die Öffnung in Soest und Lippstadt. Es sei gut, dass Restaurants und Cafés dort öffnen dürften. Es seien aber viel weitreichendere Schritte nötig, sagte ein Sprecher. Die ganze Gastrobranche in dem Bundesland müsse schnell eine klare Öffnungsperspektive bekommen.

Publikumsverkehr in den Cafés und Restaurants sei auch aus infektiologischer Sicht vertretbar und bedenkenlos möglich, weil die Branche noch nie Pandemietreiber gewesen sei und immer mehr Impfungen und Tests die Sicherheit zusätzlich erhöhten.

dpa/mia

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