Distanzunterricht

Ansturm auf Lernplattformen – Ministerin: keine Probleme bekannt

Distanzunterricht lautet das Zauberwort der Schulschließungen. Für reibungsloses Homeschooling bedarf es funktionierender Lernplattformen. Viele Dienste sind zum Schulstart überfordert - und brechen zusammen.
An den Selmer Grundschulen läuft der Unterricht auf Distanz digital über die Kommunikationsplattform IServe. Nicht alle Schüler können daran teilnehmen. Zudem gab es am Montag, 11. Januar, Probleme, sich einzuloggen. © picture alliance/dpa

Der Schulstart nach den verlängerten Weihnachtsferien hat für die meisten Schüler in Nordrhein-Westfalen vor dem Computer begonnen. Mancherorts verlief der erste Unterrichtstag offenbar holprig, denn zahlreiche Schüler und Eltern beschwerten sich am Montag in den sozialen Medien über instabile oder überlastete Lernplattformen.

Andere Nutzer berichteten aber auch über gute Erfahrungen mit dem Start des Digitalunterrichts. Viele Schüler müssen unterdessen noch auf digitale Endgeräte warten, weil es Lieferprobleme gibt.

Hauseigene Plattform des Ministeriums hat keine Probleme

NRW-Bildungsministerin Yvonne Gebauer (FDP) sagte im Schulausschuss des Landtags, dass zunächst keine entsprechenden Probleme beim Moodle-basierten System Logineo des Landes bekannt geworden seien. Die vorliegenden Daten wiesen auf einen stabilen Betrieb hin, hieß es aus dem Ministerium.

Die Anzahl der angemeldeten Schulen sei zu Wochenbeginn nochmals deutlich angestiegen. Grundlegende technische Probleme seien aktuell jedoch nicht bekannt. Bei der hohen Anzahl angemeldeter Schulen könnten Probleme in Einzelfällen aber nicht gänzlich ausgeschlossen werden.

2230 Schulen nutzen Plattform des NRW-Schulministeriums

Auf der NRW-Lernplattform Logineo können Lehrer Texte, Videos und andere Unterrichtsmaterialien online bereitstellen. Die Schülerinnen und Schüler bearbeiten die Aufgaben und laden ihre Ergebnisse hoch.

Logineo NRW LMS nutze Server mit hohen Kapazitäten, heißt es auf der Internetseite des NRW-Schulministeriums. Deshalb sei die digitale Plattform „selbst zu Spitzenzeiten“ zuverlässig und schnell für den Unterricht verfügbar. Mittlerweile sind nach Ministeriumsangaben bei Logineo NRW LMS 2230 Schulen angemeldet.

Moodle-Systeme sind überlastet

Die Schulen in NRW nutzen verschiedene Lernplattformen. Moodle-Systeme werden für viele NRW-Schulen vom Kommunalen Rechenzentrum Niederrhein bereitgestellt. Dort war die Nutzung höher als in der letzten Woche vor den Weihnachtsferien, wie ein Sprecher mitteilte. „Infolge der starken Auslastung ist es bei einigen Moodle-Diensten zu erhöhten Wartezeiten gekommen.“

Um die Mittagszeit hätten zudem einige Nutzer Fehler und auch Verbindungsabbrüche gemeldet. Seit dem frühen Nachmittag seien die Systeme wieder besser erreichbar. Es werde mit Hochdruck an Lösungen und Verbesserungen gearbeitet.

Kommunen beklagen Lieferengpässe von digitalen Endgeräten

Zudem hatte die Schulplattform Iserv am Montagmorgen „allgemeine Probleme“ bei Videokonferenzen gemeldet. Die NRW-Vorsitzende der Lehrergewerkschaft GEW, Maike Finnern, rechnet auch weiterhin mit Problemen beim Zugang zu den Lernplattformen. „Das ist ein Problem und wird auch in den nächsten drei Wochen nicht vollständig behoben werden können.“

Viele Kommunen berichteten unterdessen von Lieferengpässen bei der Anschaffung von digitalen Endgeräten. „Deshalb können nicht alle Bestellungen zügig abgewickelt werden und es kommt zu längeren Wartezeiten, teilweise über mehrere Wochen bei der Auslieferung der Geräte an die Schulen“, sagte der Geschäftsführer des Städtetags NRW, Helmut Dedy.

Der Umgang mit Digitalgeräten ist nicht ausreichend trainiert

Viele Schulen haben aber nicht die Mitarbeiter, um die Geräte einsatzfähig zu machen. „Es ist weder geklärt, wer für die Administration der IT-Netze verantwortlich ist, noch wer die Geräte wartet und womit sie auszustatten sind„, kritisierte der Hauptgeschäftsführer des Städte- und Gemeindebunds NRW, Christof Sommer. Hier stehe das Land in der Verantwortung.

GEW-Landeschefin Finnern betonte, die Auslieferung an die Schulen sei nicht das einzige Problem. Es habe vielerorts die Zeit gefehlt, ihren Einsatz zu trainieren. „Ein Gerät zu haben, heißt noch lange nicht, dass es auf beiden Seiten gut funktioniert.“ Während an Gymnasien und berufsbildenden Schulen die Voraussetzungen für den Distanzunterricht gut seien, sehe es an Grund- und Hauptschulen schlechter aus.

dpa

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