Verkehr

A45-Talbrücke: NRW-Verkehrsministerium geht Neubau nicht schnell genug

Während die Sperrung der maroden Rahmedetalbrücke bei Lüdenscheid Anwohner, Pendler und Wirtschaft belastet, geraten bei der Diskussion um den Neubau zwei Minister aneinander.
Bundesverkehrsminister Volker Wissing (l., FDP), und Sebastian Wagemeyer (M.), Bürgerbeauftragter und Bürgermeister von Lüdenscheid, besuchen die gesperrte Talbrücke Rahmede.
Bundesverkehrsminister Volker Wissing (l., FDP), und Sebastian Wagemeyer (M.), Bürgerbeauftragter und Bürgermeister von Lüdenscheid, besuchen die gesperrte Talbrücke Rahmede. Wissing wies Kritik am Neubau-Tempo aus NRW zurück. © picture alliance/dpa

Geht es schnell genug voran oder nicht? In der Diskussion um den Neubau der gesperrten A45-Autobahnbrücke Rahmede kracht es zwischen Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP) und seinem NRW-Ressortkollegen Oliver Krischer (Grüne). Dessen Ministerium hatte am Donnerstagmorgen, vor einem Ortstermin an der Brücke in Lüdenscheid, für die anderen Beteiligten offenbar überraschend einen Forderungskatalog mit Kritik an angeblichen Verzögerungen vorgelegt. „Ich finde, alle sollten bei der Wahrheit bleiben“, wies Wissing die Vorwürfe zurück. Der Brückenneubau werde mit „maximaler Beschleunigung“ vorangetrieben.

Sieben-Punkte-Papier des NRW-Verkehrsministeriums

In dem Sieben-Punkte-Papier, das der Deutschen Presse-Agentur vorliegt, fordert das NRW-Verkehrsministerium etwa einen verbindlichen Zeitplan für den Neubau der Brücke sowie ein Beschleunigungskonzept und schnellere Entscheidungen. „Es ist nicht erkennbar, dass das Vorhaben „Rahmede-Talbrücke“ als ein „Sonderfall“ vom Bundesverkehrsministerium mit Nachdruck verfolgt wird“, heißt es.

Die Wahrheit ist laut Wissing: „Hier wird schnell gearbeitet, hier wird mit besonderem Engagement gearbeitet, und es gibt keinerlei Verzögerungen.“ Es gehöre zum Respekt gegenüber der Bevölkerung vor Ort, mit Wahrhaftigkeit und Fakten zu argumentieren und nicht die Unwahrheit zu sagen.

Nach dem Spitzengespräch zwischen den beiden Ministern und weiteren Verantwortlichen sagte Wissing: „Ich habe Herrn Kollegen Krischer gebeten, mir auf dem Dienstweg substanziiert mitzuteilen, welche Informationen vorliegen, dass hier nicht mit maximaler Beschleunigung gearbeitet wird.“ Krischer teilte seinerseits mit, in der Sache habe es vom Bundesverkehrsminister keine substanziell neuen Erkenntnisse gegeben. „Die Defizite, deren Lösung auch vor Ort immer wieder angemahnt wird, bleiben.“

Auch Lüdenscheids Bürgermeister Sebastian Wagemeyer, der als Bürgerbeauftragter bei dem Bau die Interessen der Region vertritt, zeigte sich irritiert. „Ich kann nicht nachvollziehen, dass man sagt, es geht nicht schnell genug.“ Er finde es gut, wenn man ungeduldig sei, sagte er. Er halte es aber „für wenig zielführend, wenn man das jetzt zur parteipolitischen Auseinandersetzung macht“.

Viele Menschen in Lüdenscheid klagen über schwere Belastungen

„Wir werden noch vor Weihnachten diese Brücke sprengen“, kündigte Wissing am Donnerstag an. Dann solle möglichst schnell der Ersatzneubau in Angriff genommen worden.

Bei der Vergabe wolle man den Wettbewerb zwischen Baufirmen entfachen. Das früheste Fertigstellungsdatum in den Angeboten werde eine bedeutende Rolle bei der Entscheidung spielen. Einen schnelleren Ablauf soll außerdem eine „funktionale Ausschreibung“ bringen. Dabei bleiben Planung und Bau in einer Hand – bei so einem großen Bauwerk ist das laut Wissing ein neuer Schritt.

Der genaue Fertigstellungstermin steht noch nicht fest. Laut Autobahn GmbH soll die neue Brücke spätestens fünf Jahre nach der Sperrung – das wäre Ende 2026 – fertig sein. Über jeden Monat, den es letztendlich schneller ginge, wäre man vor Ort glücklich, sagte der Bürgerbeauftragte Wagemeyer.

Die Sperrung der maroden Talbrücke sorgt seit acht Monaten für überlastete Ausweichstrecken. Die Brücke auf der A45 – der wichtigsten Verbindung zwischen dem Ruhrgebiet und Frankfurt am Main – soll im Dezember gesprengt und dann neu gebaut werden.

Auch am Donnerstag quälten sich viele Auto- und Lastwagenfahrer bei stockenden Verkehr über Straßen in und bei Lüdenscheid. „Die Leute an den Bedarfsumleitungen leiden richtig“, berichtete Wagemeyer. „Wir haben immer noch viel zu viel Schwerlastverkehr, der einfach transitmäßig durchfährt.“ Die Umleitungen bedeuteten psychische Belastung für die Anwohner und einen erheblichen Verlust von Lebensqualität, Immobilien würden an Wert verlieren. „Es muss jetzt etwas passieren.“

Straßen sollen vertieft werden, um Lkw unter Brücken durchzulassen

Auch Wissing stellte fest, die jetzige Umleitungssituation sei nicht zufriedenstellend. Es sei bereits veranlasst worden, dass Strecken ertüchtigt werden, die derzeit noch nicht für den Umleitungsverkehr geeignet seien. So sollen etwa Straßen vertieft werden, damit auch Lkw unter Brücken hindurchpassen. Damit könne man die Anwohner, „die heute sehr leiden“, etwas entlasten. Man habe außerdem mit einer Änderung des Bundesfernstraßengesetzes geholfen, nach der Anwohner Geld für den Lärmschutz beantragen könnten.

„Lärm macht krank!“ steht bei einer Demonstration gegen die Belastung durch die Sperrung Talbrücke Rahmede auf einem Plakat.
Wegen der Sperrung der A45 werden Lkw durch die Innenstadt umgeleitet. Ein Bürgerbündnis demonstriert gegen den innerörtlichen Lkw-Durchgangsverkehr. © picture alliance/dpa

Die Autobahn GmbH des Bundes geht bislang davon aus, dass der Neubau etwa fünf Jahre dauert. Das kritische Papier aus dem Düsseldorfer Verkehrsministerium enthält laut Überschrift „Vorschläge zum Spitzengespräch“. Unter anderem fordert NRW Entlastungsmaßnahmen, damit der Fern- und Schwerverkehr Lüdenscheid weiträumig umfährt.

Neubau der Brücke: Erheblicher Baustellenverkehr erwartet

So könne als Anreiz für den Umweg und die damit verbundene längere Wegstrecke etwa die streckenabhängige Lkw-Maut für die zusätzliche Wegstrecke ausgesetzt werden. Der Lkw-Anteil auf der Umleitung durch Lüdenscheid habe sich fast verzehnfacht, heißt es weiter. Nach aktuellen Angaben der Stadt werden 5200 bis 6200 Lastwagen pro Tag gezählt, vor der Sperrung seien es rund 600 gewesen. Das Ministerium forderte auch Verschärfungen der Lkw-Durchfahrverbote.

Für die Sprengung der Rahmede-Talbrücke und den Neubau werde ein erheblicher Baustellenverkehr erwartet. Dieser dürfe nicht über das nachgeordnete Straßennetz erfolgen, die Autobahn GmbH müsse ihn vielmehr etwa durch Baustraßen ohne zusätzliche Belastungen der Region abwickeln.

Nicht nur durch die Sperrung der A45, sondern auch noch durch die Flut sei die Region stark betroffen, heißt es weiter. So ist die Volmebrücke im nahe gelegenen Brügge wegen gravierender Schäden bis auf Weiteres gesperrt. Über sie fahren zwei Regionalbahnen. Das NRW-Verkehrsministerium forderte „größere Kraftanstrengungen“ der Deutschen Bahn DB AG bei den Sanierungsarbeiten.

dpa

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