Der Angeklagte mit seinem Verteidiger. © Jörn Hartwich

43-Jähriger quält Ex-Freundin bis zum Tod – und sucht aus Gefängnis heraus nächstes Opfer

Eine Frau kommt völlig abgemagert und mit schweren Verletzungen ins Krankenhaus. Sie stirbt. Jetzt ist ihr Ex-Partner verurteilt worden. Und der sucht schon nach seiner nächsten Freundin.

Eine Frau aus Essen hat sich in einen Mann verliebt, lässt ihn bei sich einziehen, teilt alles, was sie hat. Doch dann beginnt ein monatelanges Martyrium. Am Ende bricht die 36-Jährige zusammen und stirbt. Jetzt ist ihr Ex-Partner verurteilt worden.

Opfer kam völlig abgemagert ins Krankenhaus

Die 36-Jährige war auf etwas über 30 Kilo abgemagert, die Haut war leichenblass. Fast das gesamte Blut hatte sich aufgrund von inneren Verletzungen im Bauchraum gesammelt. Die Ohren waren entstellt, der Rücken von Liegegeschwüren überzogen.

Die Richter am Essener Schwurgericht hatten am Ende keinen Zweifel, dass es der Angeklagte war, der seine Partnerin misshandelt und zu Tode gequält hat. Der 43-Jährige habe seit Jahren einen „parasitären Lebensstil“ gepflegt, so Richter Jörg Schmitt bei der Urteilsbegründung. Er habe Frauen über das Internet kennengelernt, sich dann bei ihnen eingenistet. Anschließend habe er damit begonnen, seine Partnerinnen finanziell auszunehmen, sie sozial zu isolieren und zu misshandeln.

Angeklagter während des Prozesses festgenommen

Gleich mehrere Ex-Partnerinnen hatten dem Gericht von ähnlichen Erfahrungen berichtet. Auch als der Angeklagte während des laufenden Prozesses festgenommen wurde, war schon wieder eine offenbar leicht behinderte, junge Frau bei ihm. Im Gefängnis hatte er später Portogeld beantragt, um in einem Magazin Kontaktanzeigen aufgeben zu können.

Richter Schmitt bezeichnete den 43-Jährigen als „völlig empathielos“. Eine Tötungsabsicht wurde dem Angeklagten nicht unterstellt. Er habe schließlich auf Kosten seiner Partnerin leben wollen.

Angeklagter hat Vorwürfe bestritten

Der Angeklagte selbst hatte die Misshandlungsvorwürfe im Prozess bestritten. Er habe auch keine Verletzungen bei seiner Partnerin gesehen. Die aufgrund von Gewaltanwendungen völlig entstellten Ohren seien ihm nicht aufgefallen. Worte des Bedauerns über das Schicksal der 36-Jährigen fand er nicht.

Die Richter des Essener Schwurgerichts bezeichneten diese Schilderungen als „dreist“. Selbst Verteidiger Volker Schröder hat den Angeklagten am Ende gewarnt. Wenn er so weitermache, werde beim nächsten Mal wohl auch die zeitlich unbefristete Sicherungsverwahrung angeordnet – zum Schutz der Frauen.

Die Strafe lautete letztlich: zehn Jahre Haft wegen Körperverletzung mit Todesfolge.

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Gerichtsreporter

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