Junge (2) an Herta-Würstchen erstickt - noch kein Gerichtsurteil

Prozess in Frankreich

Wegen des Vorwurfs der fahrlässigen Tötung steht der in Herten ansässige Wurstkonzern Herta in Frankreich vor Gericht. Jetzt fordert das Gericht in Frankreich ein Gutachten.

Herten

von Frank Bergmannshoff

, 09.02.2021, 19:00 Uhr / Lesedauer: 1 min
Packungen mit Knacki-Würstchen des Herstellers Herta: Auf der Rückseite ist ein Hinweis aufgedruckt, der vor der Gefahr des Verschluckens warnt.

Packungen mit Knacki-Würstchen des Herstellers Herta: Auf der Rückseite ist ein Hinweis aufgedruckt, der vor der Gefahr des Verschluckens warnt. © Frank Bergmannshoff

In dem Gerichtsprozess um ein zweijähriges Kind, das im August 2014 an einem Stückchen „Knacki“-Wurst von Herta erstickt war, sollte eigentlich am Montag, 8. Februar, das Urteil gesprochen werden. Doch stattdessen forderte das Gericht in der südwestfranzösischen Stadt Pax ein Gutachten an.

Herta muss sich in Frankreich seit dem 25. Januar vor Gericht verantworten. „Fahrlässige Tötung“ lautet der Vorwurf, nachdem sich der damals knapp dreijährige Lilian Lerbey im August 2014 an einem Knacki-Stückchen verschluckt hatte und erstickt war. Die deutsche Herta GmbH mit Hauptsitz in Herten hat ihr großes Bedauern ausgedrückt. In dem Prozess fordert Herta Frankreich einen Freispruch.

Prozess wird erst im Oktober fortgesetzt

Wie das französische Wirtschaftsmagazin Capital berichtet, hat das Gericht im französischen Pax jetzt zunächst ein Gutachten bestellt. Erst im Oktober wird der Prozess fortgesetzt. Ein Lebensmittel-Experte soll bis dahin die Zusammensetzung der Wurst und mögliche Zusammenhänge mit dem Tod des Jungen untersuchen. Des Weiteren soll das Gutachten Aufschluss darüber geben, ob - über die heute bestehenden Warnhinweise auf den Knacki-Packungen hinaus - weitere Warnungen nötig sind.

Forderungen der Eltern des verstorbenen Jungen

Die Eltern des verstorbenen Jungen fordern, dass nicht auf der Rückseite, sondern auf der Vorderseite der Packungen deutliche Hinweise angebracht werden. Allerdings hatte die Staatsanwaltschaft bereits angemerkt, dass es keine gesetzliche Pflicht gebe, Warnungen auf Verpackungen zu drucken.

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