Arbeitsmarkt hat den zweiten Corona-Lockdown besser verkraftet

Coronavirus

Der zweite Lockdown hat bislang nicht zu Verwerfungen auf dem Arbeitsmarkt im Vest geführt. Bei Einstellungen sind Arbeitgeber allerdings zurückhaltend.

Kreis Recklinghausen

von Michael Wallkötter

, 06.01.2021, 11:39 Uhr / Lesedauer: 2 min
Die Arbeitslosenzahlen im Kreis Recklinghausen variieren stark. (Symbolbild)

Die Arbeitslosenzahlen im Kreis Recklinghausen variieren stark. (Symbolbild) © picture alliance/dpa

Der Arbeitsmarkt im Kreis Recklinghausen hat den zweiten Corona-Lockdown bislang wesentlich besser verkraftet als den ersten im Frühjahr. Damals sind Arbeitslosen- und Kurzarbeiterzahlen rasant in die Höhe geschossen.

Die Arbeitslosenquote, die 2019 noch ein Rekordtief von 7,6 Prozent erreicht hatte, kletterte bis zum Sommer auf 9,5 Prozent. Im Dezember 2020 ist die Zahl der erwerbslos gemeldeten Männer und Frauen hingegen nur um 91 Personen angestiegen (auf insgesamt 28.989).

Arbeitslosenquote stagniert bei 8,9 Prozent

Die Arbeitslosenquote stagniert bei 8,9 Prozent. Im Dezember 2019 betrug sie noch 7,7 Prozent. Allerdings geht die Arbeitsagentur in Recklinghausen davon aus, dass sich die Folgen des harten Lockdowns (seit dem 16. Dezember) erst im Januar zeigen werden.

Haben Arbeitgeber bei der ersten Corona-Welle teilweise noch panikartig mit Entlassungen reagiert, stellt die Arbeitsagentur mittlerweile eine gewisse Souveränität im Umgang mit der Krise fest. Deshalb seien zum Jahresende größere Verwerfungen am Arbeitsmarkt ausgeblieben. Eine Zunahme von Entlassungen gebe es derzeit noch nicht, erläutert Agenturleiter Frank Benölken.

Vorsicht beim Thema Einstellungen

Aber zu spüren sei, wie vorsichtig die Unternehmen reagierten, wenn es um das Thema Einstellungen gehe. Wie schon im Frühjahr sinken dadurch die Chancen von Arbeitslosen, eine neue Beschäftigung zu finden. Eine Fortsetzung des Lockdowns (möglicherweise weit über den Januar hinaus) sowie das Winterwetter verheißen für den Arbeitsmarkt nichts Gutes.

„Wir müssen von steigenden Arbeitslosenzahlen in den ersten Monaten des neuen Jahres ausgehen“, sagt Benölken. Auch das Instrument der Kurzarbeit ist von den Arbeitgebern im zweiten Lockdown weniger genutzt worden als im Frühjahr/Sommer 2020. Bislang sind nach Angaben der Arbeitsagentur seit Anfang März insgesamt 5.807 Anzeigen auf Kurzarbeit für rund 53.800 Beschäftigte eingegangen. Lediglich 447 Anzeigen für 3.800 Beschäftigte entfallen davon auf den Dezember.

Betriebe wollen ihr Personal halten

Die Dimensionen sind dennoch gewaltig, wenn man die Zahlen mit 2009 vergleicht. Damals, im Jahr der Wirtschafts- und Finanzkrise, sahen sich lediglich 680 Betriebe gezwungen, Kurzarbeit für 9.100 Menschen anzuzeigen. „Das Instrument der Kurzarbeit ist in der jetzigen Situation ein Segen“, betont Agentursprecherin Cordula Cebulla. „Das hat uns eine Menge Sorgen genommen.“

Wirtschaftszweige, wie der Einzelhandel oder das Beherbergungs- und Gastronomiegewerbe, sind auch vom zweiten Lockdown hart getroffen. Daneben gibt es Branchen, die von der Krise profitieren. In der Logistik zum Beispiel würden händeringend Mitarbeiter gesucht, so Agentursprecherin Cordula Cebulla.

Viele Unternehmen seien darauf bedacht, ihr Personal zu halten, weil sich das Problem des Fachkräftemangels durch Corona ja nicht in Luft auflöse.

Auf der anderen Seite habe die Arbeitsagentur noch 3.425 offene Stellen im Bestand, die Betriebe gerne besetzt hätten. So ganz chancenlos sind Arbeitsuchende in der Krise also doch nicht.

Die Arbeitslosenquoten im Kreis Recklinghausen variieren zwischen 3,8 (Haltern) und 11,8 Prozent (Gladbeck): Gladbeck: 11,8 (+/- 0); Recklinghausen: 10,2 (+/- 0); Marl: 10,2 (+ 0,2); Herten: 9,8 (- 0,1); Datteln: 9,1 (+/- 0); Oer-Erkenschwick: 8,3 (+/- 0); Castrop-Rauxel: 8,1 (- 0,1); Dorsten: 6,9 (+/- 0); Waltrop: 5,6 (+ 0,2); Haltern: 3,8 (+ 0,2)
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