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Virtual Reality ist nicht nur eine Spielerei

dzVirtual Reality

Wie realistisch virtuelle Welten mittlerweile erlebt werden können, konnten Besucher der Raesfelder Bücherei ausprobieren. Manche Besucher erlebten einige Schrecksekunden.

Raesfeld

, 04.04.2019 / Lesedauer: 4 min

Etwas klobig ist die Brille, die Jugendhausleiter Philipp Hatkämper mir in die Hand drückt. Doch immerhin verstecken sich darin auch zwei Bildschirme, einer für jedes Auge, sowie Sensoren, die meine Kopfbewegung erfassen. Wo ich gerade im realen Raum bin, „sieht“ eine Kamera unter dem großen Fernseher, der nur den Außenstehenden ansatzweise vermittelt, was ich gleich zu sehen bekomme.

„Ich bin ja eher so ein Fossil“

„Ich bin ja eher so ein Fossil“, sagt Büchereileiterin Jutta Weber (53), die den technischen Part des VR-Ausprobiertags gern an Hatkämper und Praktikant David Bankstahl übergibt. Das Jugendhaus habe aufgrund einer Förderung des Landschaftsverbands Westfalen die VR-Geräte anschaffen können, die insgesamt etwa 1000 Euro kosten, sagt Hatkämper. „Für die meisten ist das schon extrem teuer.“ Hinzu kommen Spiele für 20 bis 80 Euro.

Mit der Brille auf dem Kopf sehe ich zunächst alles unscharf. Hatkämper hilft bei der Einstellung und übernimmt auch die Einstellung am Controller. Als ich diesen aus der Hand gebe, taucht er plötzlich vor mir auf, ohne jemanden, der ihn bedient. Kurz unter der Brille durchgelinst: Hatkämper steht mit dem Controller genau vor mir.

Nach einem Knopfdruck von ihm finde ich mich plötzlich unter Wasser in einem Haikäfig wieder. Mit Stahlstangen, auf denen man kleine Rostflecken sieht. Und technischen Geräte, die man mit einer Handbewegung scheinbar anfassen kann. Ein Blick nach oben, da schimmert die Sonne durchs Wasser und man sieht das Boot, an dessen Winde der Käfig hängt. Eine weibliche Stimme erklärt, scheinbar über Funk, dass man mich gleich nach unten lassen wird.

Mantas unter den Füßen

Mantas tauchen unter meinen Füßen durch, kleine leuchtende Quallen erhellen die immer dunkler werdende Unterwasser-Szene. Dass auf meinem Kopf scheinbar ein Helm mit montiertem Scheinwerfer ist, führt dazu, dass ich mich immer wieder umsehe, um alles erkennen zu können.

Ziemlich weit unten wartet er dann auf mich: der Hai. Er lauert auf seine Beute. Als er angreift, und ich direkt ins eindrucksvoll aufgerissene Maul voller Zähne blicke, hilft schon der Gedanke, dass das alles hier nicht echt ist. Der Hai schwimmt noch einmal um mich herum und verschwindet schließlich.

Ich gebe die Brille weiter an die nächste Besucherin. Für mich der perfekte Zeitpunkt, für sie nicht. Denn in diesem Moment greift der Hai wieder an und zerlegt den Käfig in seine Einzelteile. „Boah!“ ruft sie und weicht entsetzt zurück. Das auf dem Fernseher zu sehen oder dreidimensional durch die Brille, macht einen Riesenunterschied. „Das ist ja cool“, sagt sie, als sie die Brille ablegt.

Nur eine Spielerei?

Jugendliche wie Jan, die nach uns dran sind, spielen hingegen lieber Rennspiele. Oder steuern einen kleinen Roboter. Ist VR nur Spielerei? Hatkämper sieht die Zukunft für diese Technologie wesentlich breiter. In der Medizin gebe es dafür viele Anwendungsmöglichkeiten oder auch für Ingenieure. Auch ein virtuelles Treffen, quasi der Nachfolger von Skype, könne damit möglich werden.

Eine halbe Stunde allein, zu zweit eine Stunde können die Besucher des Jugendhauses die VR-Gerätschaften nutzen. Besteht da auch ein Suchtfaktor? Hatkämper: „Der entsteht eher bei Spielen mit vielen kleinen Belohnungen.“ Dieses Problem habe man beim Jugendhaus aber im Auge. Aber auch Eltern müssten „Grenzen setzen, Zeiten setzen“. Hatkämper empfiehlt zudem Eltern, sich für die Spiele zu interessieren, die ihre Kinder spielen. Doch die VR-Brille wollen an diesem Tag nur die jüngeren Besucher aufsetzen.

Weiterer Ausprobiertag in Erle

Ein ähnlicher VR-Ausprobiertag wird am 16. April (Dienstag) ab 14.30 Uhr im Jugendhaus Erle angeboten. Für Jutta Weber sind solche Veranstaltungen ein Mittel, mit der Zeit zu gehen. Moderne Medien seien gefragt. Auch im Buchbereich. „Wir sind kein Archiv“, sagt Weber, was sich schon darin zeigt, dass fünf bis acht Prozent aller Medien pro Jahr ausgetauscht werden. 18.000 bis 20.000 Medien werden pro Jahr verliehen.

Wie es mit der Bücherei in Raesfeld weitergeht, soll eine Bibliotheksstrategie zeigen, die Weber derzeit unter dem Stichwort „Der rote Faden“ mitentwickelt. Dabei werden der Ist-Zustand ermittelt, eine Bedarfsanalyse angefertigt und schließlich Vorschläge für Änderungen unterbreitet.

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