Vier Strategien gegen die Ausbreitung der Eichenprozessionsspinner

dzEichenprozessionsspinner

Mit vier Strategien soll die Ausbreitung der Eichenprozessionsspinnerraupen in diesem Jahr gestoppt werden. Bernd Roters steht dabei gerade vor einem Rätsel.

Raesfeld

, 19.05.2020, 16:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Leiter der Raesfelder Bauverwaltung informierte am Montagabend im Bau- und Umweltausschuss über den derzeitigen Stand bei den Eichenprozessionsspinnerraupen (EPS), die mit ihren feinen Brennhaaren eine Gefahr für die Gesundheit sein können und ein lästiges Jucken auslösen. In den vergangenen Jahren schien die Belästigung für die Bevölkerung mehr und mehr zuzunehmen.

„Unser erster Eindruck in diesem Jahr ist, dass es weniger gibt“, sagte Roters. „Warum auch immer.“ Dagegen spräche eigentlich, dass der milde Winter nicht geeignet gewesen sei, die Larven zu vernichten. „War es die eine kalte Nacht?“, so Roters über einen kürzlichen Kälteeinbruch, zog aber als Fazit: „Wir wissen es nicht!“

Der Bauamts-Chef erklärte, was die Gemeinde derzeit gegen die EPS tut: Eine Spezialfirma und der Bauhof seien derzeit unterwegs, um Eichen zu spritzen. „Da, wo es geht.“ Also in Randbereichen und im Außenbereich. Im Innenbereich sei dies meistens nicht möglich. „Die verspritzen das Gift vom Trecker zehn bis zwölf Meter hoch - das wäre im Innenbereich nicht sinnvoll.“ Das Spritzen geschehe vorsorglich: „Wenn wir es jetzt verpassen und sich die Raupen verpuppen und Härchen haben, ist es zu spät“, so Roters.

„Es wirkt auch auf andere Raupen“

Ob dieses Gift nur auf EPS Auswirkungen habe, fragte Johannes Lülf (UWG). „Ein rein auf EPS wirkendes Gift gibt es nicht. Das muss man ehrlicherweise sagen - es wirkt auch auf andere Raupen“, so Roters.

Im Innenbereich werden Raupen abgesaugt. Ein eigenes Gerät dafür anzuschaffen - ein Bürger hatte dies vor der Ausschusssitzung gefragt -, komme für die Verwaltung nicht infrage: „Aus Kapazitätsgründen sind wir nicht in der Lage, mit unserem Bauhof Nester abzusaugen“, so Roters. Deshalb arbeite man mit einem EPS-Bekämpfer zusammen.

50 EPS-Fallen bestellt - 25 wurden geliefert

Die dritte Strategie ist das Aufhängen von Fallen. 50 Fallen hatte die Gemeinde bestellt - 25 wurden bislang nur geliefert. Das hänge mit der Coronakrise zusammen, so Roters. Denn die Fallen würden von sozialen Einrichtungen hergestellt, die derzeit „stark runtergefahren“ seien. „Wir werden die, die wir haben, aufhängen und unsere Erfahrungen damit sammeln“, so Roters.

Hans Brune und Fritz Pelikan vom Heimatverein sowie Bernhard Kösters und Christoph Nattefort von der Gemeinde Raesfeld brachten im Sommer 2019 bereits die ersten Nistkästen gegen EPS an.

Hans Brune und Fritz Pelikan vom Heimatverein sowie Bernhard Kösters und Christoph Nattefort von der Gemeinde Raesfeld brachten im Sommer 2019 bereits die ersten Nistkästen gegen EPS an. © privat

Viele Nistkästen wurden zudem aufgehängt, auch in Zusammenarbeit mit dem Heimatverein. Meisen sollen die EPS fressen. Ob dies das Allheilmittel sei? „Wir wissen es nicht“, so Roters. „Wir tasten uns wie alle Verbände vor, um das richtige Mittel zu finden.“

Johannes Lülf kritisierte die Informationspolitik: Er habe sich einen ausführlichen Bericht gewünscht, den er im Vorfeld mit seiner Fraktion hätte besprechen können, um Vorschläge machen zu können. „Wo wird bekämpft? Wo sind Schwerpunkte im letzten Jahr gewesen? Wo, glaubt die Verwaltung, kann man jetzt sicher mit Hunden spazieren gehen?“ Was die Verwaltung präsentiere, sei „ein bisschen armselig“.

„Da ist auch viel Glauben dabei“

Eine Antwort, wo gespritzt wurde, könne man nachreichen, so Roters. Bürgermeister Andreas Grotendorst sagte, dass man in Bürgermeisterkonferenzen, Fachzeitschriften und in Zusammenarbeit über das Vital.NRW-Projekt mit Dorsten auf diese vier Maßnahmen komme. „Mehr gibt es im Moment nicht, da muss man schon ehrlich sein.“ Bei den Fallen verwende man die, „wo man Ringe klebt“ - andere Versuche mit „Frischhaltefolie“ kommentierte Grotendorst mit: „Da ist auch viel Glauben dabei.“

Die Verwaltung sei „nicht zu blöd, ein Konzept zu schreiben“, so Grotendorst. „Aber wir haben auch Corona.“ Zur Frage, wo Hundebesitzer gefahrlos gehen könnten, sagte er: „Es gibt keine hundertprozentige Sicherheit.“ Hans-Jochen Welsing (CDU) pflichtete bei, dass etwa Schulwegsicherung wichtiger sei: „Hundebesitzer können da gehen, wo keine Eichen sind. Die Bevölkerung zu schützen, ist wichtiger als die Hunde.“

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