Im Impfzentrum startet m 1. März der Zweischicht-Betrieb. © Josef Barnekamp
Coronavirus

Verwaltungsmitarbeiter geimpft, obwohl sie eigentlich nicht dran waren

Raesfelder Verwaltungsmitarbeiter wurden im Impfzentrum geimpft - obwohl sie nach Prioritätseinteilung noch nicht dran waren. Laut der Leiterin des Impfzentrums gab es dafür einige Gründe.

Dr. Elisabeth Schwenzow sagt, es gebe klare Anweisungen, „wie wir priorisieren“. Ausgelegt ist das Impfzentrum für 1.600 Impflinge pro Tag: „2.700 Impfungen waren es in der Spitze“, sagt Schwenzow: „Das ist bei uns ein Taubenschlag.“

Ärgerlich ist es da, wenn viele Menschen ihren Termin nicht wahrnehmen und auch nicht absagen. 0 bis 10 Prozent seien das – in der Spitze „manchmal 250 am Tag“, so Schwenzow: „Immer wenn das mehr werden, haben wir Biontech-Impfstoff gehabt, der eigentlich abläuft.“

Haltbarkeit könnte verlängert werden

Das will man aus verständlichen Gründen im Impfzentrum aber auf jeden Fall vermeiden. Schwenzow hofft, dass demnächst die Haltbarkeit von Biontech-Impfstoff auf 30 Tage verlängert wird – was weniger Stress im Impfzentrum erzeugen würde, schnell reagieren zu müssen.

Der Kreis entschied, nach Rettungsdienst, Polizei und Feuerwehr nun auch Verwaltungsmitarbeiter oder Mitarbeiter von Schlachthöfen zu impfen – letztere hatten im vergangenen Jahr immer wieder eine große Rolle bei lokalen Ausbrüchen gespielt. Ganze Gruppen seien einbestellt worden, die sich in den Vormittags- und Mittagsstunden bereit erklären müssten und dann geimpft würden, so Schwenzow. „Wir haben das nicht groß an die Presse weitergegeben, weil wir untergehen in einer Neid-Diskussion.“

Was ist mit der Reste-Impfbörse?

Aber was ist mit den Bürgern, die sich in der Reste-Impfbörse des Kreises registriert hatten? 50.000 Bürgerinnen und Bürger waren das, die auf Rest-Impfstoff hofften. Warum hat man nicht die zuerst geimpft? „Am Anfang hat das gut geklappt“, sagt Schwenzow. Mit einer Push-Nachricht kontaktierte man die Impfwilligen, die dann schnell reagieren mussten und geimpft wurden.

Schwenzow sagt aber auch: „Jetzt klappt das gar nicht mehr.“ Zum Teil pushe das Impfzentrum 500 Nachrichten am Tag, „und dann kommt manchmal nur einer“. Mehr Pushs wolle man aber nicht absetzen, damit es keine Schlangen gebe oder Impfwillige umsonst die Fahrt zum Impfzentrum auf sich nehmen könnten.

Viele in der Priorisierungsgruppe seien mittlerweile geimpft, stellt Schwenzow fest – auch durch den Einsatz der Hausärzte. Sie erwartet nun die Aufgabe der Priorisierung durch das Land.

„Mehr als 44 Prozent haben ihre Erstimpfung“

Schwenzow attestiert: „Mehr als 44 Prozent im Kreis haben ihre Erstimpfung.“ An guten Tagen impfe man ein Prozent der Bewohner des Kreises Borken. Ihre Prognose: „Mitte Juli müssten wir mit der Impfung der Impfwilligen durch sein.“ Versprechen will sie aber nichts – auch stehe noch die Impfung der Kinder an. Zur Stimmung im Impfzentrum sagt Schwenzow: „Wir sind im Endspurt – man ist einfach müde.“

Über den Autor
Redaktion Dorsten
Berthold Fehmer (Jahrgang 1974) stammt aus Kirchhellen (damals noch ohne Bottrop) und wohnt in Dorsten. Seit 2009 ist der dreifache Familienvater Redakteur in der Lokalredaktion Dorsten und dort vor allem mit Themen beschäftigt, die Schermbeck, Raesfeld und Erle bewegen.
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