Überraschungskandidat Andreas Overkämping will Bürgermeister werden

dzKommunalwahl 2020

Er ist der Überraschungskandidat im Wahlkampf: Andreas Overkämping will Bürgermeister werden - ohne politische Erfahrung und ohne Partei. Wie das klappen soll, verrät er im Interview.

Raesfeld

, 15.08.2020, 11:30 Uhr / Lesedauer: 3 min

Der 56-Jährige wuchs als ältester Sohn mit vier Geschwistern in Erle auf. Nach der Schule wurde er staatlich geprüfter Landwirt. 1997 übernahm er den elterlichen Hof. Er ist verheiratet, hat vier Kinder. „Ich habe die Landwirtschaft runtergefahren und bin jetzt bei einer Tiefbau-Firma und einem Entsorger nebenbei tätig“, sagt Overkämping über seine jetzige berufliche Situation.

Video
Drei Fragen an Andreas Overkämping

Herr Overkämping, mit Ihrer Entscheidung, für das Bürgermeisteramt zu kandidieren, haben Sie in Raesfeld viele überrascht. Wann und warum haben Sie sich dazu entschlossen?

Wir standen mit vier Leuten auf dem Hof, zwei Raesfelder und zwei Erler. Das war, bevor Andreas Grotendorst gesagt hat, dass er aufhört. Irgendwie kamen wir im Gespräch auf den Bürgermeister, hatten viel Spaß im Gespräch und haben viel gelacht. Für drei war es Spaß, einer hat es ernst gemeint. Als Andreas Grotendorst sagte, dass er aufhört, war für mich klar, dass ich mich bewerbe.

Wie hat Ihr Umfeld auf Ihre Entscheidung reagiert?

Die Familie, Frau und Kinder, und die Nachbarn stehen alle voll dahinter.

Waren Sie zuvor in irgendeiner Form politisch aktiv?

Nein, ich hatte nicht die Zeit dafür.

Der normale Weg ins Bürgermeisteramt wäre der Eintritt in eine Partei, jahrelange Arbeit in politischen Gremien und dann die Kandidatur. Warum glauben Sie, können Sie die Abkürzung nehmen?

Der Bürgermeister muss kein Verwaltungsfachmann sein, dazu gibt es gut ausgebildete Leute in den Rathäusern und in der Republik, die in Zusammenarbeit mit dem Bürgermeister die Geschicke lenken. Es sollte jemand aus der Bevölkerung sein, der dadurch ihre Interessen verstehen und vertreten kann. Und nicht in den Schienen der Verwaltung festgefahren ist, wie es scheinbar leider in vielen Verwaltungen ist. Dort arbeiten viele Eigengewächse, also Leute, die dort ihre Ausbildung gemacht haben und sich fortgebildet haben, aber nie die Möglichkeit hatten, etwas anderes zu sehen.

Die Funktionen des hauptamtlichen Gemeindedirektors und des Bürgermeisters sind seit Mitte der 90er-Jahre zusammengelegt. Die Verwaltungsleitung ist eine der wesentlichen Aufgaben des Bürgermeisters. Was befähigt Sie dazu?

Verwaltungsfachleute haben wir in der Gemeinde Raesfeld genug. Uns fehlt ein Mensch. Und ich kann auch Mensch. Ich bin einer von uns Raesfeldern und motivierter als einer von außerhalb, da meine Familie und ich hier leben. Unsere Verwaltung soll offener werden. Ich möchte als Verwaltungsfremder frische, neue, bürgernahe Ideen einbringen und umsetzen. Einem neutralen Bürgermeister liegt es besonders am Herzen, dass es zu einer von Vertrauen geprägten, offenen, parteiübergreifenden Zusammenarbeit im Rat der Gemeinde kommt. Ich bin offen für Vorschläge und Sorgen und Nöte der Bürger.

Jetzt lesen

Wo sollte Raesfeld Ihrer Meinung nach in fünf Jahren stehen? Was muss jetzt gemacht werden?

Ich möchte gerne das dörfliche Erscheinungsbild bewahren. Die
Nahversorgungssituation will ich so erhalten, wie sie ist, vielleicht noch verstärken. Die Frauen möchten etwa noch unbedingt einen Drogeriemarkt haben. Es gibt geeignete Gebäude, dann muss man noch den passenden Betreiber suchen.

Ein Bürgermeister braucht bei wichtigen Entscheidungen die Rückendeckung der Politik. Wie wollen Sie ohne Partei im Rücken Mehrheiten im Rat organisieren?

Gute Frage. In den Ratssitzungen muss man abwägen, wo die Interessen der Mitglieder sind und so halt Mehrheiten finden.

Aber Sie wollen ja vielleicht nicht nur die Interessen der Ratsmitglieder umsetzen, sondern auch Ihre Ideen?

Da werden Mehrheiten gesucht und gefunden. Und dann wird das umgesetzt.

Obwohl Sie ein Erler Urgestein sind, gelten Sie im Wahlkampf als „Außenseiter“. Wie wollen Sie im Wahlkampf die Menschen überzeugen?

Ich bin dabei, die örtlichen Vereine einzuladen, damit man auf ein Gespräch zusammenkommt. Ich hatte die Erler Landjugend schon da.

Wie wollen Sie die Leute erreichen, die nicht in einem Verein oder in der Landwirtschaft tätig sind?

Wir gucken mal - das klappt! Am 14.9. kann ich Ihnen mehr sagen.

Die meisten Parteien und Kandidaten setzen immer mehr auf Online-Wahlkampf. Von Ihnen finde ich im Netz keine eigene Internet-Seite, keinen Facebook-Auftritt. Ist Ihnen das Internet egal?

Nein, aber ich gehöre zur älteren Generation. Ich habe mein erstes Handy mit 36 Jahren bekommen. Meine Kinder können heute keinen Tag mehr ohne. Ich stelle das aber auch gerne mal ab.

Was kritisieren Sie an der derzeitigen Arbeit im Rathaus?

Ich trete an, weil vieles im Rathaus zusammenrührt und fertig serviert wird. Wie beim Karpfenteich: Da fingen die an, wie wild die Bäume umzusägen, und keiner wusste Bescheid. Was da genau gemacht wurde, wusste keiner. Das muss offener werden.

Eine dynamische Entwicklung soll der Erler Dorfkern in den nächsten Jahren nehmen. Andreas Overkämping sieht aber noch Bedarf für einen Feinschliff.

Eine dynamische Entwicklung soll der Erler Dorfkern in den nächsten Jahren nehmen. Andreas Overkämping sieht aber noch Bedarf für einen Feinschliff. © Gemeinde Raesfeld

Darüber wurde schon im Vorfeld berichtet. Und es gab eine Bürgerbeteiligung beim Dorfentwicklungskonzept. Haben Sie sich damals beteiligt?

Nein, da war ich noch nicht so weit. Die Dorfentwicklungsprojekte finde ich ja ganz gut. Das hat Impulse gebracht. Erle braucht ein Bürgerhaus. Ob so etwas genau neben einer Wohnbebauung stehen muss, was dann auch Ärger geben wird, weiß ich nicht. Den letzten Feinschliff muss man vielleicht noch ausdiskutieren. Wir sind in Raesfeld gut aufgestellt. Bei der Breitband-Versorgung hat sich Andreas Grotendorst früh auf den Weg gemacht. Den Tiergarten hätte er aber eher anpacken müssen. Die Gemeinde sollte den Tiergarten kaufen, damit der Bürger ihn weiter nutzen kann.

Lesen Sie jetzt