Neues Geschäft „Colle“ am Kirchplatz sorgt für Diskussionsstoff

dzNeues Geschäft

„Colle“ – so wird das Geschäft heißen, das Anfang April am Kirchplatz in Erle eröffnet wird. Eine Eisdiele oder gar ein Apple Store, wie auf den abgeklebten Scheiben zu lesen ist?

Raesfeld

, 08.03.2020, 15:30 Uhr / Lesedauer: 3 min

Weder noch. Auch kein Kino, keine Reithalle, keine Disco oder ein Schalke-Fanshop. Um Neugier zu erzeugen, hatte der neue Betreiber Hans-Jürgen Bräuer seine Kinder unter dem Stichwort „Hier entsteht in Kürze“ kreativ werden lassen. Diese schrieben viele, auch lustige Ideen („Flughafen Bärlin“) auf die abgeklebten Scheiben, was im Dorf wochenlang für Diskussionsstoff sorgte.

Nur ein kleines Guckloch ("Erle TV") lässt einen Blick ins Ladenlokal zu.

Nur ein kleines Guckloch ("Erle TV") lässt einen Blick ins Ladenlokal zu. © Berthold Fehmer

Doch jetzt lässt Hans-Jürgen Bräuer die Katze aus dem Sack: Es wird ein Fahrradgeschäft in das Ladenlokal kommen, in dem schon eine Metzgerei und eine Bücherei waren. Allerdings ein besonderes Fahrradgeschäft. Warum heißt es „Colle“? „Das ist mein Spitzname“, sagt der 53-Jährige. Sein älterer Bruder habe ihn irgendwann so genannt, nach der Hauptfigur des Kinderbuchs „Kleiner König Kalle Wirsch“, das auch von der Augsburger Puppenkiste verfilmt wurde. „Es gab sogar Lehrer, die Colle zu mir gesagt haben.“

Radrennen gefahren

Schon in seiner Jugend ist Bräuer semiprofessionell Radrennen gefahren. „Ich war einer der ersten in unserem Dorf, der ein BMX-Rad hatte.“ Und er habe immer an Rädern und Mofas rumgeschraubt. Nach seiner Ausbildung zum Groß- und Außenhandelskaufmann startete Bräuer in der Fahrradbranche und arbeitete dort im Vertrieb.

Vor 25 Jahren machte er sich als freier Handelsvertreter selbstständig und arbeitet für die Firmen „Cosmic Sports“, „Orbea“ und „Basso Bikes“. Im Außendienst ist Bräuer das Bindeglied zwischen Fahrradhändlern und Firmen in einem recht großen Gebiet, das unter anderem Postleitzahlen umfasst, die mit 4 und 5 beginnen. Rund 1500 hochpreise Räder vermittelt er pro Jahr sowie viele Fahrradteile.

Kinder- und Jugendfahrräder will Hans-Jürgen Bräuer anbieten.

Kinder- und Jugendfahrräder will Hans-Jürgen Bräuer auf 116 Quadratmetern im „Colle“ anbieten. © Berthold Fehmer

In seinem neuen Laden in Raesfeld-Erle will Bräuer, der mit seiner Frau Kerstin Martinez und vier Kindern („Wir sind eine Patchwork-Familie“) in Erle wohnt, den Schwerpunkt auf Kinder- und Jugendräder legen. Immer wieder sei er von Bekannten angesprochen worden, ob er nicht ein Rad besorgen könne. Wenn sich Bräuer die Räder anschaut, die von den meisten Kindern und Jugendlichen gefahren werden, „sind die sehr schwer und unsportlich“.

Sportliche Räder

Mit sportlicheren Rädern will Bräuer Kindern und Jugendlichen mehr Spaß am Fahrrad geben und sie vielleicht auch ein bisschen vom Computer oder Handy weglocken. Dass mittlerweile, wie Bräuer in einem Bericht sah, angeblich mehr als jedes zweite Kind durch die Radfahrprüfung fällt, findet er ziemlich erschreckend.

Seine Räder, die preislich bei 309 Euro beginnen, seien natürlich auch geeignet, um zur Schule zu fahren, und sie sind verkehrssicher. Bräuer kann sich vorstellen, in Zukunft auch geführte Touren anzubieten oder auch Technik-Seminare. Kerstins neunjährige Tochter Leni habe beispielsweise neulich beim Rad eines Klassenkameraden die abgesprungene Kette gerichtet.

Ausschließlich Räder der Firma „Orbea“ wird es bei „Colle – Fahrräder und mehr“ geben. Früher habe die spanische Firma Waffen produziert, erzählt Bräuer, später Kinderwagen und dann Fahrräder. Als die Firma in wirtschaftliche Schwierigkeiten geriet, hätten die Mitarbeiter sie selbst übernommen. Die Räder seien zwar etwas hochpreisiger, hätten aber auch einen höheren Wiederverkaufswert.

Fahrräder selbst am Bildschirm zusammenstellen

Noch ist das Ladenlokal fast leer – rund 30 Räder will Bräuer auf den 116 Quadratmetern Ladenfläche ausstellen. Als besonderen Service bietet er auf einem großen Bildschirm einen „Konfigurator“ an, auf dem man sich ein Rad selbst zusammenstellen kann, also etwa die Farbe bestimmen kann oder die Laufradgröße.

Selbstverständlich können die Kinder und Jugendlichen die Räder zur Probe fahren – den Eltern bietet Bräuer dann ein City-Rad mit Elektromotor an, um ihren Nachwuchs dabei zu begleiten. Stichwort E-Antrieb: Gibt es so etwas mittlerweile auch für Kinder- und Jugendräder? „Ich werde eines hier ausstellen“, sagt Bräuer, wobei er zugibt, dass er als Radsportler vom Elektroantrieb nicht ganz so viel halte. Vorteilhaft sei er vor allem, um die Reichweite bei Radtouren zu erhöhen.

„Büdchen“ für Kinder

Neben Rädern wird es im neuen Laden auch Handschuhe, Helme, Protektoren, Pedale, Griffe, Klingeln, Trinkflaschen, Sättel und Fahrradbeleuchtung geben. Für Kinder auch interessant ist das „Büdchen“, für das Kerstin Martinez-Engel die Idee hatte. Bräuer: „In einem Regal gibt es Gummibärchen und Süßigkeiten – so ein Büdchen, wo Kinder mit 50 Cent Taschengeld Süßigkeiten kaufen können, gibt es hier in Erle nicht.“

An einem Service-Tag in der Woche werden kleinere Einstellarbeiten und Reparaturen an den Rädern durchgeführt. Da Bräuer seine Vertriebstätigkeit nicht aufgeben will, wird das Fahrradgeschäft nur an drei Tagen in der Woche geöffnet sein. Montags und freitags von 15 bis 19 Uhr, samstags von 10 bis 18 Uhr. „Andere Termine können nach Vereinbarung gemacht werden.“

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