Neuer Dorfplatz mit Gastronomie für Erle geplant

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„Erle wird sich in Richtung Musterdorf entwickeln“, prognostiziert Bürgermeister Andreas Grotendorst. Kern vieler Pläne ist ein neuer Dorfplatz mit Gastronomie auf dem Böckenhoff-Gelände.

Raesfeld

, 16.06.2020, 16:30 Uhr / Lesedauer: 3 min

Es sei ein „Moment für die Geschichtsbücher“ gewesen, berichtete Grotendorst am Dienstag aus dem nicht-öffentlichen Teil der Ratssitzung vom Montag. Johannes Böckenhoff, ehemaliger Betreiber der Brennerei Böckenhoff, verkaufte einen Teil seiner Flächen (fast 1800 Quadratmeter) im Dorfkern an die Gemeinde, „um etwas zu verwirklichen, das in Deutschland ziemlich einmalig ist“.

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Auslöser war Gastwirt Arno Brömmel von der gegenüberliegenden Seite der Schermbecker Straße. Das Gebäude seiner Gastwirtschaft zu sanieren, sei zu teuer, sagt er. Ohne Nachkommen und kurz vor der Rente habe das auch keinen Sinn mehr gemacht. Erle ohne die Gaststätte „Brömmel-Wilms“? Dadurch gerieten Überlegungen ins Rollen, deren Ergebnisse am Dienstag im Saal der Gaststätte präsentiert wurden. Grotendorst betont: „Es gibt keinen Plan B.“

Der Gemeinde Raesfeld will er die Fläche per Erbbaurecht an eine zu gründende Bürgergenossenschaft übergeben, aber Besitzerin bleiben. Die Genossenschaft soll mit dem Geld ihrer Mitglieder die zwei Millionen Euro teure Gastronomie bauen, die anschließend von André Wachtmeister gepachtet und mit Hilfe von Arno Brömmel betrieben wird.

So soll die neue Gastronomie mit Festsaal in Erle aussehen. Orientiert habe man sich dabei, so Martin Tesing, an einer Scheunen-Optik.

So soll die neue Gastronomie mit Festsaal in Erle aussehen. Orientiert habe man sich dabei, so Martin Tesing, an einer Scheunen-Optik. © Thieken+Partner

Wachtmeister stellte die Pläne des Dorstener Büros „Thieken+Partner“ vor. Wo jetzt noch das Lager der Kornbrennerei ist, soll nach einem Abriss eine Gaststätte mit dem Aussehen einer Scheune mit Theke, Biergarten, Saal (bis zu 200 Personen) und Bühne entstehen. Der Saal soll, in der Größe anpassbar, für Feiern, Vereine, Theatergruppen genutzt werden. Im separaten Gesellschaftsraum im ersten Geschoss könnten etwa Führungen durch die Kornbrennerei Dirk Böckenhoffs noch einen gemütlichen Ausklang beim Essen finden: „Mit schöner Aussicht auf Kirchturm und Dorf“, so Wachtmeister.

Bis zum 30. August sind Erler, aber auch Auswärtige aufgefordert, eine Absichtserklärung zu unterschreiben, dass sie mit mindestens 300 Euro in die Genossenschaft einsteigen. „Gerne mehr“, sagt Michael Weddeling von der Volksbank. Denn es gelte, möglichst nah an die geplanten Baukosten von 2 Millionen Euro für die Gastronomie zu kommen, damit möglichst wenig per Darlehen finanziert werden muss. Dieses Darlehen würde aus den Pachteinnahmen getilgt.

„Das Geld ist ja nicht weg“

Man habe schon einige Bürger angesprochen. Einige hätten schon signalisiert, mit wesentlich höheren Beträgen in die Genossenschaft einzusteigen, sagen Weddeling und Grotendorst: „Das Geld ist ja nicht weg.“ Weddeling sagt, dass nach einer Mindestlaufzeit von drei Jahren jedes Mitglied kündigen und sein Geld zurückerhalten könne.

Eine Dividende werde man in den ersten Jahren vermutlich nicht zahlen können, dies aber ändern, sobald die wirtschaftliche Lage das zulasse, so Weddeling. Grotendorst kündigte an, dass auch die Gemeinde Raesfeld sich mit einem höheren Betrag, „durchaus auch 50.000 oder 100.000 Euro“, an der Bürgergenossenschaft beteiligen wolle. „Auf der Bank gibt es ja auch keine Zinsen“, sagt Grotendorst - manche seien derzeit sogar in der Gefahr, Strafzinsen zu zahlen.

„Gründergeist“ aus der Brennerei

Gründungsmitglieder der neuen Bürgergenossenschaft, die im Internet unter wir-in-erle.de zu finden ist, sollen neben einem Erler Sixpack, einer Mitgliedsnadel, Mitgliedsurkunde sowie einem Fläschchen „Gründergeist“ aus der Kornbrennerei Stimmrecht in der Mitgliederversammlung erhalten. Flüssige Dividende in Form von Freibier kündigt Weddeling für diese Versammlungen an.

Eine dynamische Entwicklung soll der Erler Dorfkern in den nächsten Jahren nehmen.

Eine dynamische Entwicklung soll der Erler Dorfkern in den nächsten Jahren nehmen. © Gemeinde Raesfeld

An der Frage, ob dieses Projekt gelingt, hängen teilweise viele andere Projekte der Dorfentwicklung in Erle. Der Erste Beigeordnete Martin Tesing stellte die Pläne vor, von denen Grotendorst sagt: „Das ist ein eigenes Konjunkturprogramm für Erle.“

  • Kirchplatz: Die Umbaumaßnahmen sollen im November beendet sein.
  • Betreutes Wohnen und Demenz-Wohngruppe: Im Herbst sollen die Baumaßnahmen am Kirchplatz laut Tesing starten.
  • Kornbrennerei Böckenhoff: Dirk Böckenhoff plant die Schaffung von 12 Betten. Fast so viel, wie der Ort durch den Abriss von Brömmel-Wilms verlieren wird. Außerdem soll die Fassade der Brennerei erneuert werden.
  • Wohnhaus: Auf dem Böckenhoff-Gelände wird gegenüber der geplanten Gastronomie am Dorfplatz ein Wohnhaus mit elf Mietwohnungen gebaut. In Sachen Lärm sind die Pläne abgestimmt. Die Lage der Schlafzimmer, Bau-akustische Maßnahmen, Lüftungstechnik, Verglasung und Ausgänge nannte Tesing als Beispiele.
  • Das Lager der Kornbrennerei wird in eine Remise auf dem Gelände verlagert, die Ende des Jahres fertig sein soll.
  • Neuer Parkplatz: Hinter der Volksbank soll auf einer Apfelwiese, die der Gemeinde gehört, ein Parkplatz mit 40 Plätzen errichtet werden. Das helfe der zugeparkten Silvesterstraße, der Schule sowie dem Ärztehaus, so Tesing. An der Volksbank vorbei wird die Zuwegung zur Silvesterstraße verlaufen.
  • Dorfplatz: Hierfür gebe es laut Tesing eine Landesförderung in Höhe von 250.000 Euro. Als zentraler Veranstaltungsplatz sei dieser geplant oder auch für kleine Märkte.
  • Verkehrsberuhigung: Die Höchstgeschwindigkeit auf der Schermbecker Straße will die Gemeinde im Bereich des neuen Dorfplatzes auf 30 km/h absenken lassen.
  • Femeichengelände: Auch hier erwartet Tesing Fördergelder, die man 2021 beantragen wolle zur Aufwertung der sich im „Dornröschen-Schlaf“ befindlichen Fläche. Geplanter Baubeginn: 2022.
  • Wohnhaus: Wenn die neue Gastronomie fertig ist, soll „Brömmel-Wilms“ voraussichtlich abgerissen werden und Platz für ein neues Wohnhaus entstehen.
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