Kunst am Schloss Raesfeld: Anfassen ausdrücklich erlaubt

dzKunst

Am Sonntag wurde im Innenhof von Schloss Raesfeld feierlich der neue Skulpturenweg eröffnet. Zwei Kunstwerke werden auch nach dem Ausstellungsjahr der Gemeinde erhalten bleiben.

Raesfeld

, 28.09.2020, 13:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Kunst zum Anfassen hat Ludwig Maria Vongries geschaffen. Bis zu acht Meter hohe Skulpturen können ab sofort in Raesfeld bestaunt werden. Und das, so betonte Kunsthistorikerin Gabriele Hovestadt bei der Ausstellungseröffnung im Innenhof von Schloss Raesfeld am vergangenen Sonntagnachmittag (27.9.), „unabhängig von Öffnungszeiten“, an die man sich sonst halten müsse. „Die Kunst erwartet Sie Tag und Nacht“, gab sie dem Publikum mit auf den Weg.

Jetzt lesen

Erst Grund zur Diskussion, dann Wahrzeichen

Die acht Skulpturen stehen an markanten Orten Raesfelds: Am Schloss, auf dem Friedhof, dem Rathausplatz. Letztgenannter Ort stand besonders im Fokus der Öffentlichkeit. In den sozialen Netzwerken und auch am Ausstellungsort selbst, so erzählte der scheidende Bürgermeister Andreas Grotendorst, gab „One Plate“ Anlass zu Diskussion. Wie eine Wippe, die nicht funktioniere, sehe das Kunstwerk aus. Oder „ein Stehtisch, der noch eingegraben werden muss“, so hörte der Bürgermeister von seinem Büro aus.

Gabriele Hovestadt nahm indirekt Bezug auf die ersten Reaktionen der Bürger. Sie erinnerte an die Giant Pool Balls am Aasee. Heute ein Wahrzeichen seien sie anfangs argwöhnisch betrachtet worden; zu fremd, zu ungewohnt sei der Anblick der drei überdimensionalen Kugeln gewesen. Die Kunsthistorikerin appellierte an die Besucher der Eröffnung: „Verschließen Sie sich nicht, lassen Sie die Skulpturen einfach mal auf sich wirken.“

Der Cube auf dem Schloss-Innenhof war das erste Kunstwerk, das die Besucher der Ausstellungseröffnung wahrnahmen.

Der Cube auf dem Schloss-Innenhof war das erste Kunstwerk, das die Besucher der Ausstellungseröffnung wahrnahmen. © Lydia Heuser

Rundweg verbindet Schloss mit Ortskern

Die acht Skulpturen bilden einen 3,5 Kilometer langen Rundweg. „Auf Immer und Ewig“ verbindet den Ortskern mit dem Schloss. Zwei der acht Skulpturen konnte die Stadt bereits käuflich erwerben. Five big Strings – „meine Lieblingsskulptur“, wie Grotendorst verriet – steht auf der Bleichinsel am Wasserschloss sowie „Large Column“ am Karpfenteich an der Schlossfreiheit.

Ob im Laufe des Ausstellungsjahres beziehungsweise danach noch weitere Kunstwerke gekauft werden und damit am Standort verbleiben, stehe noch nicht fest.

Kunsthistorikern Hovestadt machte außerdem auf den unverwechselbaren Materialstil von Ludwig Maria Vongries aufmerksam. Aus Eichenholz und Stahl bestehen seine Skulpturen; teilweise werden sie durch eine neue Komponente, Kunstharz in poppigen Farben, ergänzt. „Sie dürfen das alle ertasten“, erklärte sie.

Vom Schloss-Innenhof aus fällt der Blick auf die Two Seats am Bauhof der Akademie.

Vom Schloss-Innenhof aus fällt der Blick auf die Two Seats am Bauhof der Akademie. © Lydia Heuser

Die raue, kühle Patina des Stahls und das warme Eichenholz seien gegensätzlich und würden als Skulptur im Kontext ihres Ausstellungsortes reagieren. Der Künstler selbst wünschte sich von den Besuchern und allen zukünftigen: „Begreift die Kunstwerke mit allen Sinnen, die ihr habt.“

Schlagworte:
Lesen Sie jetzt