Erles Schützenkönig: „Ich bin nicht schuld am Virus“

Interview

Eigentlich wäre am Montag in Erle ein neuer Schützenkönig gekürt worden. Doch ausgerechnet das Jubiläumsfest musste abgesagt werden. Ewald Grotendorst macht also weiter - ein Interview.

Erle

, 06.06.2020, 17:32 Uhr / Lesedauer: 3 min
Die Erleichterung war Ewald Grotendorst im vergangenen Jahr anzusehen, als er endlich Schützenkönig von Erle wurde.

Neun Versuche, endlich am Ziel: Die Erleichterung war Ewald Grotendorst im vergangenen Jahr anzusehen, als er endlich Schützenkönig von Erle wurde. © Berthold Fehmer

Treffer um Treffer landeten Ewald Grotendorst, Reinhard Hörnemann und Berthold Heisterkamp beim Schützenfest 2019 des Allgemeinen Bürgerschützenvereins Erle. Um 14.27 Uhr hatte das lange Warten dann endlich ein Ende: Ewald Grotendorst riss die Hände nach oben – und das Volk jubelte.

Zur Königin wählte er Birgit Kuhmann. Da ahnte noch niemand, dass die Amtszeit länger als ein Jahr dauern würde.

Herr Grotendorst, seit wann haben Sie schon probiert, Schützenkönig zu werden?

Ich bin jetzt bereits seit über 25 Jahre aktiver Offizier und war dadurch immer in den vorderen Reihen mit dabei. Natürlich ist man da nah am Thron und so ist der Wunsch entstanden, auch mal König zu werden. Im Jahr 2012 habe ich dann das erste Mal bis zum Schluss auf den Schützenvogel angelegt – und danach jedes Jahr aufs Neue mitgeschossen. Der Erfolg stellte sich dann aber erst 2019 ein.

Nach so vielen Jahren muss die Freude ja groß gewesen sein!

Auf jeden Fall! Das Ganze hatte sich in den letzten Jahren schwieriger gestaltet, als gedacht. Und meine Frau hat irgendwann das Putzen der Haustür aufgeben, da sie nicht mehr damit rechnete, dass der Königskranz in absehbarer Zeit dort hängen würde. Auch meine potenzielle Königin habe ich natürlich jedes Mal wieder gefragt, ob sie noch mit dabei wäre, ebenso wie die Thronpaare. Aber all die Jahre standen alle hinter mir und die Besetzung ist heute noch die gleiche wie 2012.

Wie war denn der entscheidende Moment für Sie?

Bei den vorangegangenen Schützenfesten hatte ich viermal den vorletzten Schuss abgegeben. Im Dorf nannte man mich schon aus Spaß „den ewigen Vizekönig“. Daher war meine Erleichterung umso größer, als die Reste des Vogels tatsächlich bei meinem Schuss fielen. Mir war zwar vorher klar, dass es der letzte Schuss sein könnte, aber als es dann tatsächlich passierte, war das ein tolles Gefühl. Plötzlich hörte ich den Jubel hinter mir – und ich wusste, was mich jetzt erwartet, was jetzt auf mich zukommt.

Was ist der Höhepunkt Ihrer bisherigen Amtszeit?

Es gab bislang viele schöne Höhepunkte für uns alle, ich persönlich habe die Kutschfahrt bei der Parade letztes Jahr sehr genossen. Das war wirklich schön bei dem tollen Wetter, Sonne und Zaungäste strahlten um die Wette.

Wie finden Sie es, dass Sie nun ein Jahr länger König bleiben dürfen?

Zum einen hatte ich mich natürlich sehr auf das Schützenfest gefreut und es ist schon sehr schade, dass es ausfällt. Die Tatsache, dass wir zeitgleich unser 125-jähriges Jubiläum des Vereins feiern wollten, macht die Enttäuschung natürlich nochmal größer. Ich selber habe das Fest mit vorbereitet und musste die Gastverein und Musikzüge, die wir im letzten Jahr schon eingeladen hatten, nun wieder ausladen, das war schon ein komisches Gefühl.
Zum anderen mussten aber einige Aktivitäten aufgrund der Situation ausfallen, die wir unbedingt noch erleben möchten – wie etwa die Generalversammlung, die Weinprobe, die Vorparade und natürlich unseren Thronball. Das alles nachzuholen, darauf freuen wir uns nun im nächsten Jahr nun umso mehr.

Der Erler Thron bleibt noch ein Jahr länger im Amt.

Der Erler Thron bleibt noch ein Jahr länger im Amt. © privat

Wie enttäuscht war das Schützenvolk?

Die Dorfbewohner und auch unsere Gäste und Freunde sind enttäuscht. Aber wir brauchen uns nichts vormachen: Selbst wenn wir hätten feiern dürfen, wären bestimmt viele zu Hause geblieben, um kein Risiko einzugehen. Und dann wäre es auch kein schönes Fest geworden. Im Übrigen sehen viele die Absage auch mit Humor. Ich wurde schon spaßeshalber darauf angesprochen, ob ich nicht schuld an diesem Virus sei: Denn immerhin habe ich solange darauf warten müssen, König zu werden, da wäre eine verlängerte Amtszeit nur fair.
Aber jetzt mal ganz ehrlich: Ich mache gerne weiter, aber es wäre mir lieber gewesen, wenn alles nach Plan gelaufen wäre. Hier wird uns allen ein Schützenfest genommen, was wir sicherlich sehr gerne gefeiert hätten.


Aber die Vorfreude auf nächstes Jahr wird sicherlich weiter wachsen, oder?

Das bestimmt – aber die Zeit bis dahin wird lang werden. Aber auch diese Durststrecke schaffen wir noch!

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