Raesfelds Bürgermeister Andreas Grotendorst tritt bei der Kommunalwahl 2020 nicht mehr an. Das sind seine Beweggründe.

Raesfeld

, 25.10.2019, 19:30 Uhr / Lesedauer: 3 min

Ein „wahnsinnig tolles Amt“ habe er, sagt der 49-Jährige. „Ich habe mich aber entschieden, nächstes Jahr was Neues zu machen.“ Was das sein wird? Das weiß er selbst noch nicht.

Nach der Kommunalwahl am 13. September 2020 endet am 31. Oktober Grotendorsts Beamtenverhältnis auf Zeit. „Dann bin ich seit 14 Jahren in Raesfeld, davon zehn Jahre als Bürgermeister.“ Es sei eine schwierige Entscheidung gewesen, sagt er am Freitag. Doch das Amt bedeute „immer wieder Verzicht auf das Privatleben“. Auf der anderen Seite habe er die Gestaltungsmöglichkeiten geschätzt. „Eine Gratwanderung.“

„Ein guter Moment für die Gemeinde“

Im Sommer dieses Jahres habe er abgewogen: „Jetzt oder in fünf Jahren?“ Der Entschluss: „Jetzt ist aus meiner Sicht ein guter Moment für die Gemeinde.“ Man habe das Dorfentwicklungskonzept beschlossen und wisse nun, was man in den kommenden Jahre tun müsse. Neue Baugebiete, neue Gewerbegebiete, zum Jahresende eine flächendeckende Versorgung mit Glasfaser - all das zählt Grotendorst auf.

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Einige Stationen von Bürgermeister Andreas Grotendorst in Bildern

Bürgermeister Andreas Grotendorst will 2020 nicht mehr bei der Kommunalwahl kandidieren. Hier einige Stationen seiner Raesfelder Zeit in Bildern.
25.10.2019
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Bürgermeister Udo Rößing und der Erste Beigeordnete Andreas Grotendorst mit dem Ortseingangsschild, dass der Bund der Steuerzahler der Gemeinde 1994 geschenkt hat.© privat
Claudia Wiemer und Jörg Heselhaus überreichen deem neuen Bürgermeister Andreas Grotendorst ein T-Shirt mit der Aufschrift "Bürger-King".-egg© Foto Rüdiger Eggert
Andreas Grotendorst leitet als Bürbermeister seine erste Ratssitzung im Rittersaal Schloss Raesfeld.-Eggert© Foto: Rüdiger Eggert
Martin Tesing wird ab Januar oder Februar 2010 als Erster Beigeordneter den alten Job von Bürgermeister Andreas Grotendorst übernehmen.© Foto Berthold Fehmer
Bürgermeister Andreas Grotendorst wollte es wissen und schoss fleißig mit.© Petra Bosse
O´zapft is...Bürgermeister Andreas Grotendorst holte zum entscheidenden Schlag aus© Petra Bosse
Bürgermeister Andreas Grotendorst äußerte in der Ratssitzung seine Gedanken zur geplanten Dorfentwicklung. Die Schlagzeile einer Boulevardzeitung "Die bittere Wahrheit über das Leben auf dem Land" hatte er ergänzt mit dem Zusatz: "Aber nicht in Raesfeld".© Berthold Fehmer

Die Gemeinde sei schuldenfrei, man habe „fast 10 Millionen auf der hohen Kante“. Das sei aber Geld, „dass wir unbedingt brauchen“, sagt Grotendorst angesichts kommender Investitionen. „Im Moment ist die Zeit günstig, einen Nachfolger ins Fahrwasser zu lassen, das nicht eiskalt, sondern vorgewärmt ist“, sagt Grotendorst.

„Der schwerste Gang meines Lebens“

Ein hervorragendes Team im Rathaus zählt Grotendorst ebenfalls zur Stützung dieser These auf. Er informierte am Freitagmorgen die Fraktionsspitzen, doch der „schwerste Gang meines Lebens“ sei gewesen, den Mitarbeitern im Rathaus seinen Entschluss zu erklären, sagt Grotendorst, was man ihm eine Stunde später im Gesicht noch deutlich ansieht. „Ich weiß, was ich hier für Leute habe.“

Die, denen Grotendorst seinen Entschluss mitteilte, seien „überrascht“ gewesen. Eine zweiseitige Liste von Namen zeigt er, die er noch am Freitagnachmittag persönlich unterrichten wolle.

Kontinuität gewünscht

Zwölf Monate sei er jetzt noch Bürgermeister und die wolle er „voll ausschöpfen“, sagt Grotendorst. Was oder wer dann kommt? „Mir wäre wichtig, dass eine Kontinuität da ist“, sagt er, will sich aber nicht in eine Kandidatenspekulation einlassen. „Das ist nicht meine Aufgabe.“

Am 1. Juli 2007 startete Grotendorst nach seiner Arbeit im Kreis Borken als Erster Beigeordneter im Raesfelder Rathaus, damals noch unter Bürgermeister Udo Rößing. Der war 34 Jahre Gemeindeoberhaupt – 20 Jahre als Verwaltungschef, 14 als hauptamtlicher Bürgermeister.

Sparsamkeit

Als Rößing aus dem Amt schied, übernahm Grotendorst nach der Kommunalwahl 2009 - mit 90,8 Prozent der abgegebenen Stimmen! Eigentlich hätte er bis 2015 mit der nächsten Wahl warten können, trat aber bereits 2014 wieder an, um den Bürgern eine separate Wahl zu ersparen. „So eine Bürgermeisterwahl kostet zwischen 10.000 und 20.000 Euro“, sagt er. Sparsamkeit war schon immer eine Tugend, die in Raesfeld hochgehalten wurde, was die Gemeinde zeitweise zur einzigen schuldenfreien Kommune in NRW machte. Bei der Wahl 2014 erhielt er 82,1 Prozent der Stimmen.

Eine so lange Karriere wie die von Udo Rößing sei in der heutigen Zeit und Gesellschaft nicht mehr gewünscht, ist Grotendorst überzeugt. Als er das Bürgermeisteramt übernommen habe, habe er auch Bücher über Macht gelesen. Die Gefahr, dass mit Macht oft auch Arroganz einhergeht, war Grotendorst bewusst. Dass Grotendorst die Bürgernähe immer wichtig war - daran gibt es in Raesfeld wohl nur wenige Zweifler.

„Ich werde der Region treu bleiben“

„Ich habe noch nie so lange an einem Stück irgendwo gearbeitet“, sagt Grotendorst, der im kommenden Jahr nach 14 Jahren im Raesfelder Rathaus seine letzte Schicht absolvieren wird. „Ich werde der Region treu bleiben“, sagt Grotendorst, aber auch, dass es wahrscheinlich keine Arbeitsstelle in Raesfeld sein werde, wo man ihn ab 2021 finden könne. Sich in den Vorruhestand verabschieden, käme für ihn nicht in Frage: „Ich werde weiter arbeiten - ich muss was machen.“

„Irgendwas mit Verwaltung“

Eine Karriere in der Politik? Das kann sich Grotendorst überhaupt nicht vorstellen. Der parteilose Bürgermeister sagt: „Das Politische ist überhaupt nicht meine Welt.“ Stattdessen könnte er sich „irgendwas mit Verwaltung“ in der Region vorstellen: „Das macht mir Spaß.“

Mit seiner Familie will Grotendorst in Raesfeld bleiben. „Ich mag das Leben auf dem Dorf“, sagt er. Aufgewachsen auf einem Bauernhof in Erle findet man auf seinem Schreibtisch im Bürgermeisterbüro auch heute noch das „Landwirtschaftliche Wochenblatt“. Und Grotendorst erinnert sich noch an seine Jugend, als er auf dem Markt verkaufte. „Da lernt man viel fürs Leben.“

Grotendorst dankt seinen Kollegen, den Ratsmitgliedern, den Ehrenamtlichen, die ihn unterstützt haben: „Raesfeld wird mir immer weiter am Herzen liegen. Das kann man nicht abschütteln.“

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