Für Plexiglasscheiben wie in dieser Klasse in Hessen spricht sich die UWG in Raesfeld aus. Vielleicht könne man so das Tragen des Mund-Nasen-Schutzes reduzieren. © picture alliance/dpa | Arne Dedert
Coronavirus

Corona: Plexiglas statt Mund-Nasen-Schutz? Schulleiter ist skeptisch

Wie können Grundschulen zum Präsenzunterricht zurückkehren? Politikerin Sabrina Warschewski schlägt Plexiglas in Klassenräumen vor. Sie mache sich „Sorgen um die psychische Gesundheit“.

Im Schulausschuss der Gemeinde Raesfeld schlug die UWG-Vertreterin vor, dass geprüft werden solle, ob in Zeiten der Corona-Pandemie Plexiglasscheiben in Klassen das Tragen des Mund-Nasen-Schutzes reduzieren könne. Es sei ein Problem, dass sich Schüler und Lehrkräfte nicht mehr richtig sehen könnten.

Boris Hudournik (Grüne) berichtete aus seiner Erfahrung als Lehrer einer Schule in Gladbeck, wo solche Plexiglasscheiben eingeführt wurden, dass sie kaum noch genutzt würden. Zunächst seien die Scheiben nicht richtig befestigt gewesen, was die Lehrkräfte auf eigene Faust behoben hätten.

Dann habe er immer wieder beobachtet, dass die Schüler selbst die Scheiben zur Seite genommen hätten, um sich zu unterhalten. „Ich kann das nicht empfehlen aus meiner persönlichen Erfahrung“, so Boris Hudournik.

Die meisten halten sich an den Appell der Schule

Schulleiter Thomas Schlüter von der Sebastian- und der Silvesterschule sagte, dass der Appell zum Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes an beiden Schulen nur von etwa einem halben Dutzend Eltern nicht befolgt worden sei. „Wir haben dann individuelle Lösungen vereinbart.“ So sei beispielsweise der Abstand zu den Mitschülern vergrößert worden.

Welche Effekte die Schutzmaßnahmen hätten, sei in der Pandemiezeit „immer schwer messbar“, so Schlüter. Bislang habe es an beiden Schulen jeweils zwei Coronafälle gegeben. „In keinem Fall ist die Infektion auf Sitznachbarn übergegangen.“ Das spreche für ihn dafür, „dass es nicht schädlich ist, einen Mund-Nasen-Schutz zu tragen in dieser Situation“.

Den Gedanken der UWG-Fraktion zur psychischen Stabilität der Kinder könne er nachvollziehen, sagte Schlüter, doch er halte es für sinnvoll, „die Situation beizubehalten“. Bei der Plexiglas-Lösung bestehe immer noch das Problem der Aerosole, die man mit einer guten Durchlüftung angehe. Wenn man Infektionen in der Klasse habe, hätte man bei einer Plexiglas-Lösung womöglich „große Teile der Klasse in Quarantäne versetzen müssen“.

Pflegebedürftige Angehörige

Und noch ein Grund spricht laut Schlüter für das Tragen des MNS: Beide Schulen seien derzeit personell unterbesetzt. „Dies wird durch Mehrarbeit aller Kollegen und Kolleginnen kompensiert.“ Teilweise hätten diese pflegebedürftige Angehörige. Für Schlüter sei es auch Solidarität, „wenn man die schützt, die pflegebedürftige Angehörige haben.“

Laut Bürgermeister Martin Tesing will die Verwaltung nun prüfen, ob ein Plexiglas-Schutz installiert werden soll.

Über den Autor
Redaktion Dorsten
Berthold Fehmer (Jahrgang 1974) stammt aus Kirchhellen (damals noch ohne Bottrop) und wohnt in Dorsten. Seit 2009 ist der dreifache Familienvater Redakteur in der Lokalredaktion Dorsten und dort vor allem mit Themen beschäftigt, die Schermbeck, Raesfeld und Erle bewegen.
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