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Cannabis-Plantage auf dem Dachboden raubte 83-jähriger Nachbarin den Schlaf

dzLandgericht

Der Betrieb einer Cannabis-Plantage in Raesfeld hatte offenbar auch massive Auswirkungen auf das Leben der Nachbarn. Eine 83-jährige Rentnerin ist noch immer völlig verbittert.

Raesfeld/Münster

, 02.12.2018 / Lesedauer: 3 min

Alles begann mit nächtlichem Getrappel auf dem Dachboden. Dazu kamen Stimmen und ein ständiges Brummen. „Ich habe die Angeklagten angefleht, dass das aufhören muss“, sagte die 83-Jährige am Freitag als Zeugin vor dem Landgericht Münster. „Ich habe keinen Schlaf mehr gekriegt.“

Rund anderthalb Jahre lang habe sie nur noch auf der Couch im Wohnzimmer geschlafen. Weil es dort am ruhigsten gewesen sei. Außerdem habe sie Medikamente nehmen müssen, um überhaupt noch zur Ruhe zu kommen. Wenn sie den 45-jährigen Angeklagten angesprochen habe, habe der nur geantwortet: „Ich muss halt meine Brötchen verdienen. Deshalb muss ich auch nachts arbeiten.“

Überall Kameras in der Wohnung

Was genau auf dem Dachboden passiert ist, hat die 83-Jährige erst bei der Durchsuchung im Mai 2018 erfahren. Doch auch schon vorher hatte sie Verdächtiges beobachtet. Die vielen Kameras in der Wohnung der Angeklagten zum Beispiel, die alle nach draußen gerichtet gewesen seien. Eine sei sogar im Hausflur installiert gewesen.

„Manchmal wurden auch Säcke nach oben geschleppt, die waren so schwer, dass man richtig das Stöhnen hören konnte. Blumenerde zum Beispiel. Außerdem hat es immer fürchterlich gestunken.“

Gebäude mit Hubschrauber überflogen

Die Drogenfahnder hatten das landwirtschaftliche Gebäude an der Dorstener Straße in Raesfeld kurz vor der Durchsuchung mit einem Hubschrauber überfliegen lassen, an dem eine Wärmekamera installiert war. Zuvor war ein anonymer Hinweis eingegangen. „Wir wollten wissen, ob sich der Verdacht erhärten lässt“, sagte einer der Kripobeamten den Richtern. Und genau das war offenbar der Fall. Die Auswertung der Bilder habe deutliche Wärmefelder auf den Dachpfannen und an den Giebelfenstern erkennen lassen.

Wie sich später herausstellte, stammten sie von Wärmelampen und Lüftungsanlagen, die Teil einer Cannabis-Plantage waren. Laut Polizei gab es eine Schaltzentrale, einen Aufzuchtbereich und bereits abgeerntete Pflanzen. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der 45-jährige Schlosser und seine ebenfalls angeklagte Lebensgefährtin rund 15 Kilo Marihuana angebaut haben. Außerdem waren bei der Durchsuchung Waffen gefunden worden - unter anderem ein Revolver mit scharfer Munition.

Urteil voraussichtlich nächste Woche

Zum Prozessauftakt hatte der Hauptangeklagte den Betrieb der Plantage zwar gestanden, jegliche Verkaufsabsichten aber bestritten. Das Rauschgift sei vielmehr für ihn selbst bestimmt gewesen, um seine Schmerzen zu lindern – und zwar auf Jahre hinaus.

Seine mitangeklagte Partnerin hatte zugegeben, von der Plantage gewusst zu haben. Sie will damit aber nichts zu tun gehabt haben. Mit einem Urteil ist voraussichtlich nächste Woche zu rechnen. Für die 83-jährige Ex-Nachbarin der Angeklagten steht allerdings schon jetzt fest: „Das sind gewissenlose und herzlose Personen, die den jungen Menschen das Leben kaputt machen, indem sie ihnen Drogen verkaufen."

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