Bürgermeister sieht "große Chance"

"Niewerther Hof"

"Ich bin froh, dass es so gekommen ist", sagt Bürgermeister Andreas Grotendorst zum Kauf des "Niewerther Hofs" durch die St.-Martin-Gemeinde. Dadurch ergebe sich eine „große Chance“ an diesem Standort. Auch die Bürgerinitiative "Rettet Aelkes" bezog Stellung.

18.08.2017, 17:37 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wie bereits berichtet, hatte die katholischen Kirchengemeinde das zuvor als Gaststätte und Hotel betriebene Gebäude direkt neben der Kirche gekauft, um dort ein neues Pfarrheim zu errichten. Andernfalls, so Grotendorst auf Anfrage unserer Zeitung, „wären die Bagger gekommen“. Der Besitzer hatte bereits die Abrissgenehmigung und den Plan, ein Wohnhaus mit Stellplätzen dort zu bauen. Die Gemeinde hätte dagegen nichts unternehmen können: „Dann hätten wir eine aufsichtsrechtliche Aufforderung bekommen und womöglich eine Schadensersatzklage.“ Jetzt gebe es „die Option für eine gute Lösung“.

Öffentliche Nutzung

Die Abrissgenehmigung gehe nun auf die Kirchengemeinde über, sagte Grotendorst. Diese habe bereits signalisiert, dass das dort geplante Pfarrheim auch eine öffentliche Nutzung erfahren könne, wie es bereits in Erle, Heiden oder Coesfeld praktiziert werde: „Das liegt mit den Interessen der Bürgerinitiative nicht so weit auseinander.“ Deren Emotionen und Zielsetzung, den Niewerther Hof (Aelkeshof) zu erhalten, könne er sehr gut nachvollziehen. Fakt sei aber auch, dass es zuvor „eine Abstimmung der Raesfelder mit den Füßen“ gegeben habe, sprich, die Frequentierung des „Niewerther Hofes“ sich in Grenzen gehalten hatte. Ideen der BI, die politische Gemeinde hätte daa Gebäude kaufen und zu einer günstigeren Pacht an einen Gastronomen vermieten sollen, musste Grotendorst eine Absage erteilen. Als Haushaltssicherungsgemeinde könne man nicht einen gastronomischen Betrieb subventionieren und damit anderen Gastronomen im Umfeld Konkurrenz machen. „Das geht wettbewerbsrechtlich und haushaltsrechtlich nicht.“

Architekten-Wettbewerb

Der Bürgerinitiative „Rettet Aelkes“ geht es auch um das ortsbildprägende Gebäude. „Ein neues Gebäude kann auch ortsbildprägend sein“, gibt Grotendorst zu bedenken. Ob man Teile des Gebäudes erhalten kann – für diese Frage sei es zu früh. Kirchenvorstand Georg Badurczyk hatte gegenüber unserer Zeitung gesagt, dass man sich einen Architekten-Wettbewerb vorstellen könne. Die Fassade zu erhalten, so Grotendorst, könne schwierig werden, weil man Holzdecken durch Betondecken ersetzen und auch energetische Vorhaben umsetzen müsse. Der „Niewerther Hof“ sei aber auch „kein Denkmal“, so Grotendorst. Das sei von Fachleuten im Vorfeld so festgestellt worden, ansonsten hätte es keine Abrissgenehmigung gegeben.

Ein schwieriger Prozess stehe nun bevor, in dem die Pläne konkretisiert werden müssten – etwa über die Größe des geplanten Pfarrheims oder des Saals und deren Nutzung. Grotendorst: „Wir werden uns mit der Kirchengemeinde an einen Tisch setzen und wollen gemeinsam arbeiten, nicht nebeneinander.“

Bürgerinitiative bezieht Stellung

Die Bürgerinitiative „Rettet Aelkes“ bezog am Freitag in einer Mitteilung Stellung. Man freue sich, „dass es der Kirchengemeinde Raesfeld zumindest vorerst gelungen ist, den ‚Aelkeshof‘ vor dem Abriss zu bewahren“. Angeregt wird eine Überprüfung, ob das Gebäude unter Denkmalschutz gestellt werden kann. Dies könne zusätzliche Fördermittel für die Kirchengemeinde bedeuten. „Denkmalschutz bedeutet nicht konservieren, sondern entwickeln und bewahren. Daher gibt es sicherlich zahlreiche Möglichkeiten, hinter der historischen Fassade einen Pfarrsaal bzw. einen Ort der Begegnung für Raesfelder Bürger zu schaffen“, so die BI. Das neue Pfarrheim könne etwa unter Erhalt des historischen Gebäudeteiles entstehen. Auch ein „Kolpinghotel“ mit einem neuen Pfarrheim in einem anzubauenden Gebäudeteil „als Ersatz für den unschönen 60er-Jahre-Anbau“ sei möglich oder ein Bürgerzentrum mit einem Pfarrheim als offenes Haus. Der „Aelkeshof“ dürfe „keinesfalls durch ein neuartiges Gebäude ersetzt werden, weil er wichtiger Bestandteil unseres Dorfes ist“.