Bürgermeister-Entschluss überrascht die Politik - Kandidat für 2020 gesucht

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Mit der Entscheidung, 2020 nicht anzutreten, hat Bürgermeister Andreas Grotendorst den Fraktionen eine Nachfolge-Debatte aufgehalst. Ein Vorsitzender kündigt seinen Rückzug an.

Raesfeld

, 28.10.2019, 16:45 Uhr / Lesedauer: 2 min

Grotendorst hatte am Freitag angekündigt, nicht mehr bei der Kommunalwahl 2020 als Bürgermeisterkandidat anzutreten. Damit werden die Karten für die Kommunalwahl völlig neu gemischt, denn nun gilt es, einen Nachfolgekandidaten zu finden.

„Große Fußspuren“ werde Grotendorst seinem Nachfolger hinterlassen, prophezeit Bernhard Bölker, Fraktionsvorsitzender der CDU, die die absolute Mehrheit im Rat hat. Auch er sei überrascht worden von Grotendorsts Entscheidung, gibt er zu und lobt das Wirken des parteilosen Bürgermeisters.

„So schnell können wir das auch nicht“

Jetzt einen Bürgermeisterkandidaten aus dem Hut zu zaubern? Bölker: „So schnell können wir das auch nicht.“ Die CDU werde sich nun zusammensetzen und in den nächsten Tagen erklären, wie man sich ein Verfahren für eine Nachfolgesuche vorstellen könne. Jemand „mit Verwaltungserfahrung wäre schon gut“, sagt Bölker. Er weist auf das gute Team hin, das sich Grotendorst im Laufe der Jahre im Rathaus aufgebaut habe. „Das Team muss zusammenbleiben“, wünscht sich Bölker.

Hat der CDU-Fraktionsvorsitzende vielleicht selbst Ambitionen? Bölker lacht und sagt: „Sie können nicht einen Bauern vom Trecker ziehen und ins Rathaus stecken. Das funktioniert nicht.“

„Oh Schreck, schade!“

„Oh Schreck, schade!“ Das habe er gedacht, als er von der Entscheidung Grotendorsts hörte, sagt Holger Lordieck (Grüne). Grotendorsts Motivation, mehr Zeit mit der Familie zu haben, sei für ihn nachvollziehbar, sagt Lordieck. Für die Gemeinde empfinde er diesen Entschluss aber als „bedauerlich“, sagt er und lobt die konstruktive Zusammenarbeit mit Grotendorst, den er als Menschen zu schätzen gelernt habe.

Weder einen eigenen Kandidaten für das Bürgermeisteramt noch eine Wahlempfehlung hatten die Grünen bei der Kommunalwahl 2014. Wäre jetzt vielleicht der Zeitpunkt, selbst einen Kandidaten aufzubauen? Auch angesichts guter Umfragewerte im Bund und eines Fraktionsvorsitzenden Lordiecks, der bei der Bundestagswahl 2017 Wahlkampferfahrung sammelte?

Wahlkampf und Oppositionsarbeit sei kräftezehrend und machten „wahnsinnig viel Arbeit“, sagt Lordieck. Er habe für sich eigentlich schon die Entscheidung getroffen, sich nach zwei Jahrzehnten aus der Politik zurückzuziehen.

Respekt vor dem Bürgermeisteramt

Er habe Respekt vor dem Bürgermeisteramt, so Lordieck, der einen Verwaltungsexperten als prädestiniert für das Amt empfände. Angesichts der Mehrheitsverhältnisse im Rat habe er aber auch immer Respekt vor den Bürgermeisterkandidaten gehabt, die sich für Oppositionsparteien aufstellen ließen - ohne echte Aussicht auf Erfolg. Das sei aber wichtig in einer Demokratie, so Lordieck.

Die Grünen würden sich zeitnah zur Kandidatenfrage zusammensetzen, sagt Lordieck, der sich auch eine überparteiliche Zusammenarbeit in der Frage vorstellen kann „Vielleicht müssen wir uns auch alle zusammensetzen.“

„Raesfeld verliert einen sehr kompetenten Mann“

Ganz überraschend sei Grotendorsts Entscheidung für ihn nicht gewesen, sagt Wolfgang Warschewski, Fraktionsvorsitzender der UWG. „Raesfeld verliert einen sehr kompetenten Mann.“ Beim Bürgermeisteramt bleibe privat viel auf der Strecke.

Gibt es bei der UWG Interessenten? „Aus den eigenen Reihen wüsste ich im Moment niemanden, der da einsteigen möchte“, sagt Warschewski, will aber das Thema noch intern besprechen. Das Problem beim Bürgermeisteramt sei, dass es nicht mehr nur repräsentativ sei, sondern auch die Verwaltungsführung beinhalte. Ein parteiloser Bürgermeister „würde mir gefallen“, sagt Warschewski, aber dieser müsse ein Verwaltungsfachmann sein.

Klaus Rybarczyk (SPD) sagt, dass die SPD sich zum Thema Bürgermeisterkandidat bereits Gedanken gemacht habe. „Aber da geben wir jetzt noch keine Auskunft drüber.“

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