Wolfhelmschule ist jetzt Zweitzeugen-Schule: Projekt zum Gedenken an Opfer des Holocaust

dzZweitzeugen-Projekt

Lange wird es sie nicht mehr geben: Zeitzeugen, die darüber berichten, was ihnen während der NS-Zeit angetan wurde. Damit sie dennoch nicht verstummen, gibt es in Olfen das Zweitzeugen-Projekt.

Olfen

, 27.01.2020, 18:09 Uhr / Lesedauer: 2 min

Viele von ihnen haben lange geschwiegen. Weil das, was ihnen angetan wurde, so unsagbar ist. So unsagbar schlimm, unsagbar demütigend, unsagbar schmerzhaft - unsagbar traumatisierend. „Es wäre sehr leicht, diese Opfer zu vergessen. Denn sie machen ja keinen Lärm“, sagt Vanessa Eisenhardt von dem Verein Heimatsucher am 27. Januar 2020 im Forum der Gesamtschule Olfen. Auf den Tag genau 75 Jahre ist es da her, dass das Konzentrationslager Ausschwitz-Birkenau befreit wurde und die ganze Tragweite dessen, was später als Holocaust in die Geschichte Deutschlands eingehen wird, nach und nach bekannt wurde.

Gegen das Vergessen, als Mahnung und als Zeichen der Verantwortung gibt es in Deutschland seit 1996 immer am 27. Januar, dem Jahrestag der Befreiung, den Holocaust-Gedenktag. Auch in Olfen. An der Gesamtschule begehen ihn Schüler und Lehrer jedes Jahr - das wurde bei der Veranstaltung am Montag deutlich - sehr gewissenhaft. Genau deshalb ist Vanessa Eisenhardt zu Gast.

Heimatsucher sprechen mit Zeitzeugen und bilden Zweitzeugen aus

Der Verein Heimatsucher, den sie vertritt, bemüht sich seit 2010, auch denjenigen Opfern des Holocausts, die eben keinen Lärm machen oder gemacht haben, Gehör zu verschaffen. 35 Zeitzeugen hat der Verein bisher befragt, 35 Geschichten festgehalten. Für die Geschichtsschreibung. Und gegen das Vergessen.

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Mit dem Projekt Zweitzeugen geht der Verein - und mit ihm die Gesamtschule Olfen - aber noch einen Schritt weiter. „Zeitzeugen und Zeitzeuginnen werden nicht mehr lange sprechen können. Damit sie zukünftig nicht verstummen, erzählen wir als Zweitzeugen ihre Geschichten über das Leben vor, während und nach dem Holocaust in Ausstellungen, Workshops und Magazinen sowie unserem Ausstellungskatalog weiter“, erklärt der Verein den Grundgedanken des Projekts.

An drei Projekttagen haben sich 20 Schülerinnen und Schüler der Q1 der Gesamtschule jetzt zu solchen Zweitzeugen und Zweitzeuginnen ausbilden lassen - am Montag haben sie dazu eine Ausstellung in der Schule eröffnet. Sie erzählen dabei eindrücklich etwa die Geschichte von Leon Weintraum, der 1926 geboren wurde und erzählt, dass er sich während seiner Gefangenschaft im KZ Groß-Rosen mehr tot als lebendig fühlte. Oder die von Djordje Alpar, der in Ungarn als Widerstandskämpfer gegen die Nazis aktiv war.

Plakette für die Wolfhelmschule

„Die Schüler sind hier mega engagiert“, hob Tobias Horstmann hervor, der das Projekt als Lehrer gemeinsam mit seiner Kollegin Ricarda Bildheim betreut. Die Wolfhelm-Schule darf sich seit Montag auch ganz offiziell Zweitzeugen-Schule nennen: Vanessa Eisenhardt überreichte der Schülerin (und Zweitzeugin) Nette Woidtke und Schulleiter Dr. Jerome Biehle eine entsprechende Plakette.

Für die nächsten drei Jahre ist die Finanzierung des Projekts durch die Hilfe des Fördervereins und eine Spende der Sparkasse Westmünsterland gesichert.

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