Windräder im Olfener Windpark stehen manchmal still, obwohl es windig ist

dzErneuerbare Energien

Sabine, Victoria und Co.: Mehrere Stürme sind in den vergangenen Wochen über Deutschland hinweggefegt. Ist so viel Wind für den Olfener Bürgerwindpark gut - oder gar ein Problem?

Olfen

, 03.03.2020, 14:38 Uhr / Lesedauer: 2 min

Menschen eilen in Schals und Kapuzen gehüllt durch die Straßen, Bäume biegen sich bedrohlich im tosenden Wind, die Wetterdienste warnen fleißig vor Sturm und Gefahren von herunterfallenden Ästen.

Bei zu großer Belastung müssen Windanlagen ausgeschaltet werden

Doch wie wirken sich größere Stürme wie Sabine und Victoria zum Beispiel auf Windparks aus? Profitieren die Windparks vom stürmischen Wetter? „Das kommt ganz drauf an, ob die Windanlagen noch nutzbar sind, oder abgeschaltet werden müssen“, gibt Heidrun Becker, Pressesprecherin bei Gelsenwasser, zu bedenken.

Wann diese Grenze erreicht ist, sei von Anlage zu Anlage unterschiedlich. Ab diesem Wert wäre es dann schlichtweg zu gefährlich, die Windräder weiter in Betrieb zu lassen.

Olfener Windräder blieben am Netz

Ihr Kollege André Ziegert, weiß, wie die Lage in Olfen ist: „Die Windräder in Olfen haben bis zu einer Orkanstärke keinerlei Probleme“, sagt Ziegert. Das heißt bis 130 Kilometer die Stunde. Sabine erreichte in NRW bis zu 137 Stundenkilometer, Victoria nur 100. Bei keinem der beiden Stürme mussten allerdings die Windräder in Olfen abgestellt werden.

Ab 130 Km/h drehen sich dann die Flügel selbstständig aus dem Wind - sodass sie dem Wind eine möglichst kleine Angriffsfläche bieten, erklärt Ziegert. „Bei wenig Wind hingegen stellen sich die Flügel so, dass sie dem Wind viel Fläche bieten“, erklärt Ziegert. Diese Technik sei inzwischen bei neueren Windrädern Standard.

Warum Windräder manchmal vom Netz genommen werden

Die beiden Windräder, die zum Bürgerwindpark gehören, sind seit Sommer 2018 in Betrieb und werden von der Genreo - der Gesellschaft zur generativen Energien der Stadt Olfen, betrieben. Genreo gehört der Stadt Olfen sowie Gelsenwasser.

„Es kommt aber trotzdem mal vor, dass die Windräder stehen. Das ist sicherlich dem ein oder anderem Olfener mal aufgefallen“, sagt André Ziegert. Nicht unbedingt habe dass dann mit zu wenig Wind zu tun. Manchmal schon, aber es komme auch vor, dass die Windräder bei Wind mal stehen würden. „Das passiert, wenn zu wenig Strom gezogen wird“, sagt Ziegert.

Also wenn mehr Strom in den Energiekreislauf zur Verfügung gestellt wird, als nachgefragt wird. Dann müssten die Anbieter draufzahlen. Ziegert erklärt: „Bei einer Überproduktion sind Windkrafträder die ersten, die vom Netz genommen werden.“

Bürgerwindpark Olfen absolviert erstes Geschäftsjahr erfolgreich

Für den Windpark, der sein erstes Betriebsjahr feiern konnte, gibt es laut Gelsenwasser erfreuliche Zahlen: „Der Windertrag liegt sechs Prozent über dem Plan, dementsprechend sind wir zufrieden“, kommentiert Dr. Berthold Hambach, Geschäftsführer des Bürgerwindparks.

Man habe über 16 Millionen Kilowattstunden produziert, damit wäre rein rechnerisch der gesamte Jahresstrombedarf der Olfener Haushalte gedeckt.

Damit habe man im Vergleich zur konventionellen Stromerzeugung über siebeneinhalb Tonnen CO2 einsparen können, was in etwa der CO2-Aufnahmekapazität von 600 Bäumen entspricht.

Windradbau fördert verschiedene Aspekte des Umweltschutzes

Zudem genieße der Bürgerwindpark durch die Einbindung der Bevölkerung eine hohe Akzeptanz. Außerdem habe sich die Windparkgesellschaft im Rahmen des Windradbaus für die Anlage eines Blühstreifens, einer Vogelschutzfläche und mehrer Aufforstungsflächen stark gemacht.

Olfens Bürgermeister Wilhelm Sendermann sieht den Bürgerwindpark Olfen als beispielhaft für bundesweite Ziele: „In der Bundesrepublik werden aktuell viele Maßnahmen diskutiert, um die Akzeptanz von Windrädern in der Bevölkerung zu erhöhen. In Olfen haben wir genau das auch ohne gesetzliche Regelungen umgesetzt, und gezeigt, was möglich ist.“

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