Wie hat Olfen in den vergangenen Jahrzehnten gewählt?

dzKommunalwahlen

Das Rathaus in Olfen ist seit Jahrzehnten fest in CDU-Hand. Eine Gruppe ist zuletzt allerdings bedenklich gewachsen.

Olfen

, 17.07.2020, 20:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Im Süden grüßt das Ruhrgebiet, im Norden weites Land. Wer Ferien vor der Haustür verbringen will, ist in Olfen richtig: Floßfahren auf der Stever, Ausruhen am Steverstrand oder in den Steverauen Esel streicheln: Entschleunigung pur. Auch in der Politik geht es in Olfen weniger hektisch zu als andernorts, wie ein Blick auf die Kommunalwahlergebnisse der zurückliegenden 45 Jahre seit der kommunalen Neugliederung zeigt.

In dieser Zeit hat sich die CDU als starke Konstante erwiesen. 1975 hatte sie mit 73 Prozent der Wählerstimmen ihr bestes Ergebnis, 1994 ihr schlechtestes - mit immerhin noch 57,1 Prozent der Stimmen: genug für die absolute Mehrheit im Stadtrat. Durchschnittlich konnten die Christdemokraten in den zurückliegenden neun Wahlperioden über 63 Prozent der gültigen Wählerstimmen auf sich vereinen. 2014 waren es 64,7 Prozent.

Die SPD erzielte in Olfen ihre besten Ergebnisse Ende der 1970er-Jahre und in den 1980er-Jahren mit Ergebnissen zwischen 30 und 35 Prozent. Als dritte Kraft im Stadtrat sind die Liberalen im 45 Jahre währenden Betrachtungszeitraum seit 1979 kontinuierlich dabei - bei den vorletzten beiden Wahlen sogar mit Ergebnissen von mehr als 9 Prozent.

Grüne sind zweimal in den Rat eingezogen

Die Grünen durften bislang nur zwei Mal - 1984 und 1999 - Vertreter in den Rat der Stadt entsenden. Mit der Jahrtausendwende trat noch eine vierte politische Kraft hinzu. Die Unabhängigen traten auf den Plan: kein Einzelfall. In immer mehr Städten und Gemeinden formierten sich damals Bürgerinnen und Bürger zu unabhängigen Wählergemeinschaften und stürmten die Rathäuser.

„Olfener Bürger engagieren sich für Ihre Stadt - jenseits der großen Parteien“, ist auch heute noch das Motto der Olfener UWG. In allen vier Wahlperioden seit 1999 erzielten sie aus dem Stegreif stabile Stimmengewinne zwischen 8,6 und 13 Prozent. Gewildert hatten sie dabei kaum bei den Christdemokraten, deren Stimmenanteil auch in dieser Zeit meistens stabil über 60 Prozent lag. Der Erfolg der UWG fiel zu Lasten der anderen Parteien aus.

Die Grünen sind seit 2004 aus dem Olfener Rat verschwunden, die SPD verharrt seit dieser Zeit nur noch unter der 20-Prozent-Marke.

Unionskandidaten lagen immer vorne

Bei den Bürgermeisterwahlen - die Direktwahl ist erst seit 1999 möglich - hatten Unionskandidaten bislang nichts zu befürchten. Zur Wahl 1999 schickten zwar vier Parteien ihre Kandidaten ins Rennen um den Chefsessel im Rathaus. Dennoch: Der CDU-Kandidat, Josef Himmelmann, siegte mit 73,2 Prozent haushoch. 2004 und 2009 stellte nur noch die SPD einen Herausforderer von Himmelmann auf, mit wenig Erfolg. Der CDU-Mann gewann die Wahlen haushoch, 2009 sogar mit mehr als 80 Prozent.

Weitere Blamagen wollte der politische Gegner dann wohl doch nicht mehr kassieren. In der letzten und in der kommenden Wahl kann der Wähler nur Ja oder Nein sagen zum Kandidaten der Union, der seit 2015 Wilhelm Sendermann heißt. Er zog auf Anhieb mit 87,4 Prozent der Stimmen ins Amt.

Nichtwähler machen Sorgen

Die größte Gruppe bei der Bürgermeisterwahl 2015 gehörte aber gar keinem festen politischen Lager an: die Gruppe der Nichtwähler. Lag die Wahlbeteiligung bei der Bürgermeisterwahl 2009 noch bei 60,5 Prozent, fiel sie 2015 - damals ging es anders als zuvor nur um das Spitzenamt im Rathaus und nicht um die Zusammensetzung des Rates - auf historisch schlechte 41,7 Prozent: eine Entschleunigung die nicht willkommen ist.

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