Sich treffen, miteinander sprechen, eine Gemeinschaft sein. Das ist wesentlicher Bestandteil von Vereinen. Im Moment ist das allerdings schlecht möglich. Wie sehr leiden die Olfener Vereine?

von Maria Niermann

Olfen

, 29.07.2020, 14:07 Uhr / Lesedauer: 3 min

Sie haben Klön-Nachmittage und Vortragsveranstaltungen organisiert, sie haben miteinander gewerkelt, Doppelkopf gespielt oder Ausflüge unternommen, sie haben gegessen und getrunken – und – vor allen Dingen, sie haben sich ausgetauscht, geklönt, gelacht. Darum geht es im Vereinsleben häufig in erster Linie: Gemeinschaft im Kreis Gleichgesinnter erleben. Und gerade diese Gemeinschaft können Vereine seit fast einem halben Jahr, seitdem das Coronavirus sich ausbreitet, nicht mehr bieten. Wie geht es den Vereinen mit dieser Situation? Wie geht es den Verantwortlichen und den Mitgliedern?

Wir haben mit Maria Sebbel gesprochen, sie ist Teamsprecherin der Olfener Landfrauen, der Verein zählt zurzeit rund 240 Mitglieder. Und mit Ludger Besse, Vorsitzender des Olfener Heimatvereins, dieser zählt aktuell 651 Mitglieder.

Hohe Akzeptanz für die getroffenen Maßnahmen

Sehr viele Mitglieder beider Vereine gehören zur sogenannten Corona-Risikogruppe. So berichten die Vertreter beider Vereine gleichermaßen, dass die Mitglieder es zwar sehr schade finden, dass ihre Vereine keine Angebote machten dürfen, sie aber eine hohe Akzeptanz für die getroffenen Maßnahmen zeigen. „Ich erlebe unsere Mitglieder bei zufälligen Treffen im Ort als sehr vorsichtig, sie halten Abstand. So zeigen sie auch viel Verständnis dafür, dass unser Programm nicht stattfindet“, sagt Maria Sebbel. „Die Frauen sagen allerdings auch, dass ihnen in erster Linie der Kontakt zu den anderen Vereinsmitgliedern fehlt.“

Mit der Frage nach dem Wohlergehen sowohl der Vereinsvorstände als auch der Mitglieder hatte sich während der Pandemie Pastor Ulrich Franke von der Vitus-Gemeinde per Brief an Vereine und Gruppierungen der Kirchengemeinde gewandt. „Der Brief hat Aufmerksamkeit geschaffen“, so Maria Sebbel. Pastor Franke erkundigte sich nach Kontakten zu den Vereinsmitgliedern. Da man wenig voneinander höre, hätten die Mitglieder auch keine Möglichkeiten, ihre Probleme und Befürchtungen zu äußern. Pastor Franke hatte alle Adressaten um eine Rückmeldung gebeten, um diese in eine Pfarreiratssitzung und in die Arbeit des Pfarreirates einfließen zu lassen. Mit diesem Aufruf an die Vereine, habe der Pastor um Aufmerksamkeit für die Mitglieder geworben.

Mitglieder „sehr traurig“

Über die Reaktion der Mitglieder des Olfener Heimatvereins berichtet Ludger Besse: „Unsere Mitglieder sind traurig. Das Heimathaus ist seit Beginn der Pandemie geschlossen. Ob Frauen-Frühstück, die wöchentlichen Doppelkopf-Nachmittage oder die Meisterrunde: Die Größe des Heimathauses lässt keine Veranstaltungen zu. Wie gesagt, die Mitglieder sind traurig, zeigen aber auch Verständnis.“

Die Verantwortlichen des Heimatvereins hätten auch aufgrund der Situation keinerlei Möglichkeiten, mit den Mitgliedern anstehende Arbeiten zu planen. „Das Heimathaus erfordert ja immer wieder kleine Instandhaltungs- und Reparaturarbeiten. Es war nie ein Problem diese Arbeiten bei den regelmäßigen Treffen zu organisieren. Nun muss jeder einzeln angerufen werden. Das war in der Vergangenheit einfacher.“

Zukunft der Vereinsarbeit ungewiss

Wie die Zukunft der Vereinsarbeit aussehen wird, wissen weder Maria Sebbel von den Landfrauen noch Ludger Besse vom Heimatverein. Nichtsdestotrotz planen sie diese ungewisse Zukunft.

„Wir haben unseren Mitgliedern gegenüber ja eine gewisse Verpflichtung“, sagt Maria Sebbel. Der Vorstand habe sich in jüngerer Vergangenheit im Haus Katharina zu Vorstandstreffen zusammengefunden, da dort die Abstandsregeln eingehalten werden können. Hier wurde ein Programm erarbeitet, das die Mitglieder Mitte bis Ende August erhalten werden. Darin wird es einige Außen-Angebote geben, wie eine Feierabend-Radtour, ein geführter Gang über den Friedhof oder ein Besuch der Winterträume in Havixbeck.

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„Alle Angebote können wir natürlich nur unter Vorbehalt machen. Es wird Hygiene-Konzepte geben und wir werden auf die aktuellen Bestimmungen achten müssen“, so die Vorsitzende. Dass es einen Erntedankgottesdienst auf einem Bauernhof in 2020 nicht geben wird, wurde bereits beschlossen. „Wir werden in den Gottesdiensten in St. Vitus und St. Marien den Erntedank feiern, anders geht es nicht“, sagt sie.

Und was plant der Heimatverein? „Wir haben das Angebot der Rad-Touren ausgeweitet“, so Ludger Besse. Er berichtet, dass sich die Heimatvereins-Mitglieder sehr diszipliniert an die Regeln hielten.

Plattdeutsche Runde startet wieder

Erfreulich findet der Vorsitzende, dass gerade die jüngeren Mitglieder der plattdeutschen Runde angefragt hätten, ob die Runde nicht wieder starten könne. Das werde sie nun tun, und zwar am 3. August. „Hierzu nutzen wir nun auch die Räume im Haus Katharina, um die Abstandsregeln einhalten zu können“, so Ludger Besse.

„Wir müssen in diesem Jahr unsere turnusmäßige Generalversammlung durchführen“, überlegt Ludger Besse. „Ich weiß überhaupt nicht, wie das funktionieren soll. In welchen Räumlichkeiten können wir unsere Mitglieder unter Wahrung der Abstandsauflagen unterbringen? Ich habe noch keine Lösung.“ Bei der Vorstandssitzung Ende August soll über die zukünftigen Angebote und Aktivitäten des Vereins beraten werden.

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