Selbstständiger ist in Coronakrise froh über Job an Olfener Tankstelle

dzAngst um Firma

Timo Michelchen (29) hat einen Job als Stationsleiter einer Tankstelle in Olfen aufgenommen. Nicht ganz freiwillig. Er steckt in der größten Krise seiner Selbstständigkeit.

von Sebastian Balint

Olfen

, 06.05.2020, 09:15 Uhr / Lesedauer: 2 min

Aufgeben ist für Timo Michelchen keine Option. Vor vier Jahren machte sich der Dattelner mit einem Kellner-Service selbstständig. Bis zu 45 geringfügig Beschäftigte haben zu Spitzenzeiten für ihn gearbeitet - Tendenz steigend. „Und dann kam Corona“, sagt der gelernte Einzelhandelskaufmann, der nun um das Fortbestehen seines Unternehmens fürchten muss.

„Ja“, räumt er ein, „Anfang des Jahres habe ich die Bedrohung durch das Virus noch nicht so ernst genommen. Das haben wohl die Wenigsten.“ Doch mit den steigenden Infektionsmeldungen sei auch die Zahl der Auftragsstornierungen stetig gewachsen. Innerhalb kürzester Zeit habe die Entwicklung ein dramatisches Ausmaß angenommen.

Mehr als 100 Aufträge fielen innerhalb kürzester Zeit weg

„Ende Februar war mir dann endgültig klar, dass ich vor einem Problem stehe“, sagt Michelchen. Sein Kellner-Service wird vor allem für Großveranstaltungen und Hochzeitsfeiern in Anspruch genommen. „Als ich anfing, hatte ich eigentlich geplant, nur meine eigenen Dienste anzubieten“, erinnert sich der Unternehmer. „Doch es zeigte sich sehr schnell, dass der Bedarf viel größer ist.“

Schnell erzielt er Jahresumsätze im sechsstelligen Bereich und viele Ausrichter für Hochzeiten sowie Großveranstalter werden zu verlässlichen Stammkunden. „Alles lief bestens“, sagt Michelchen. Anfangs habe er noch gehofft, dass die Krise schnell überstanden sei. Dann gab es täglich Stornierungen. Gut 100 Aufträge fallen allein bis August weg.

Zwar habe die Soforthilfe des Landes Nordrhein-Westfalen dabei geholfen, sich über Wasser zu halten. Ohne die Unterstützung seiner Familie sei er jedoch nicht ausgekommen. „Bis die Soforthilfe eintraf, musste ich ja die laufenden Kosten weiter tragen“, sagt Michelchen. Lizenzen für Software, Mitarbeiter-Handys, Lagerkosten und technische Geräte würden halt auch monatlich mit mehr als 1000 Euro zu Buche schlagen.

Unternehmer hat Mitleid mit den Hochzeitspaaren

Dass er täglich Rückmeldungen von Kunden erhält, die eigentlich vor hatten, in diesem Jahr den für sie wichtigsten Tag in ihrem Leben - nämlich ihre Hochzeit - zu feiern, das gehe ihm schon nahe. Manch einer würde zwar noch hoffen, dass nach dem 31. August alles wieder wie gewohnt weiterlaufen könne. „Doch sicher ist das eben nicht“, sagt Michelchen.

Aus der Sicht des Unternehmers handelt die Landesregierung für ihn in einer kaum nachvollziehbaren Weise. „Wieso soll ein Freizeitpark wieder öffnen dürfen. Ein Hotel oder ein Restaurant jedoch nicht.“ Es sei schwerer, in einem Freizeitpark die Einhaltung von Abstands- und Hygieneregeln sicherzustellen, als im Gastro- oder Hotelgewerbe.

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