Schnelle Hilfe jetzt auch nachts - Kreis stockt Olfener Rettungswache auf

dz24-Stunden-Wache

Keine Blumen, keine Reden, keinen Empfang - dabei haben die Olfener allen Grund zu feiern. Seit dem 1. Juni ist „ihre“ Rettungswache rund um die Uhr besetzt. Doch die Sache hat einen Haken.

Olfen

, 12.06.2019, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Situation ist seit Jahren unbefriedigend: Wenn es später Abend ist, wird es mit der schnellen Hilfe schwierig. Die Rettungswache an der Otto-Hahn-Straße 2 ist nicht mehr besetzt. Kein Personal ist hier nach 21 Uhr mehr vor Ort, auch der Rettungswagen (RTW) ist nach Lüdinghausen umgesetzt worden. Mit erheblichen Folgen für die schnelle Hilfe im Notfall.

Nur in rund zwei Drittel aller Notfälle war nach Auskunft der Coesfelder Kreisverwaltung im Jahr 2018 der Rettungswagen aus Lüdinghausen innerhalb der Hilfsfrist von zwölf Minuten in Olfen. Ein schlechter Wert. Jetzt sucht der Kreis nach einer besseren Lösung im Sinne der Bürger. Nicht als grauer Theorie-Ansatz, sondern als Praxistest.

Kreis will sehen, wie sich die Hilfsfristen entwickeln

Seit dem 1. Juni steht deshalb der „Olfener“ Rettungswagen rund um die Uhr an der Otto-Hahn-Straße. „Wir wollen genau ermitteln, wie sich die Hilfsfristen dann entwickeln“, sagt Kai Wermelt vom Kreis Coesfeld auf unsere Anfrage. Dass die Sanitäter dann schneller bei Einsätzen in Olfen vor Ort sein werden, steht schon vor Beginn der zweimonatigen Testphase fest.

„Überraschen“ lassen müssen sich die Verantwortlichen aber, wie sich diese Situation - ein Wagen steht in Lüdinghausen, der andere Olfen - insgesamt auf den Raum auswirkt. Die Wache in Lüdinghausen deckt schließlich auch die Gemeinde Nordkirchen ab. „Was ist, wenn der Lüdinghauser RTW in Lüdinghausen im Einsatz ist und es einen Einsatz in Südkirchen gibt?“, stellt Wermelt eine wichtige Frage, die aktuell der Kreis nicht final beantworten kann.

Räumlichkeiten in Olfen sind nicht für 24-Stunden-Wache ausgelegt

Der Mitarbeiter des Kreises räumt ein, dass der seit Anfang Juni laufende Test von den Rettungskräften einiges abverlangt. Die Räumlichkeiten in Olfen seien nicht für eine 24-Stunden-Wache ausgelegt. Für zwei Monate sei die Situation aber tragbar, meint die Kreisverwaltung. Sie hofft vor allem darauf, wichtige Daten bis Ende Juli sammeln zu können.

Doch damit ist noch keine belastbare Grundlage für die Entscheidung des Kreistages geschaffen. Wie wären die Hilfsfristen, wenn der „Olfener“ RTW nachts in Seppenrade stehen würde - und von hier aus auf kurzem Wege nach Olfen und auch schnell nach Lüdinghausen ausrücken würde. Eine absolut spannende Frage. Auch darauf hat der Kreis keine Antwort.

In einem zweiten Test soll der RTW für zwei Monate in Seppenrade stehen

Genau deshalb plant er nach Auskunft von Kai Wermelt eine zweite zweimonatige Testphase. Noch seien allerdings letzte Details zu klären. Wo gibt es die passende Halle für den RTW in Seppenrade und wo können sich die Sanitäter aufhalten. „Es sieht ganz gut aus, dass wir eine Lösung finden“, sagt Wermelt und verweist auf Gespräche mit dem DRK-Ortsverein Seppenrade.

Angesichts stetig steigender Einsatzzahlen hatte der Kreis bereits Anfang des Jahres den Rettungsdienst ausgebaut. Bis Ende 2018 stand tagsüber ein Rettungswagen in Olfen, ein anderer in Lüdinghausen. In der Nacht stand der „Olfener“ Wagen an der Rettungswache in Lüdinghausen.

Kein Personal - Wagen konnte bis Ende 2018 nachts nicht ausrücken

Da dafür aber kein Personal vorgesehen war, konnte er auch in den Fällen nicht nach Olfen ausrücken, in denen der Lüdinghauser Wagen in Lüdinghausen oder in Nordkirchen im Einsatz war. Nur gut, dass es Amtshilfe aus Datteln gab und gibt. Allein für das Jahr 2018 listet der Kreis Coesfeld 251 Einsätze der Dattelner Retter im Kreis Coesfeld auf – ein neuer Spitzenwert. Seit dem 1. Januar 2019 sind beide Rettungswagen rund um die Uhr besetzt. Die alles entscheidende Frage ist, wo sie wann künftig stationiert sein werden.

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