Die Theke ist das Herzstück eines jeden Gastronomiebetriebs. Dank einer Geschäftsaufgabe in Dülmen kann Kamil Puzio bald eine neue Theke in seinem Restaurant in Betrieb nehmen. © Kamil Puzio
Gastronomie in Olfen

Ratsschänke und Heidekrug: Gaststätten zwischen Hoffnung und Verzweiflung

Die Nachricht, die Heidekrug-Inhaber Zlatko Gänzler-Soprano auf seinen Anrufbeantworter gesprochen hat, klingt verzweifelt. Kamil Puzio von der Ratsschänke indes sprüht vor Energie.

Zlatko Gänzler-Soprano klingt verzweifelt, als er seinen Kunden auf eine besondere Art und Weise eine Nachricht zukommen lässt. Alle, die die Nummer des Traditionshauses Heidekrug Olfen wählen, erfahren, dass die Gaststätte geschlossen hat. „Wir sind leider gezwungen, in Kurzarbeit zu gehen“, teilt der Inhaber mit. Seine Stimme klingt verzweifelt und wütend zugleich, denn er erklärt: „Die versprochenen Hilfen wurden nicht ausbezahlt.“

Es ist eine ernste Botschaft, die Zlatko Gänzler-Soprano seinen Stammkunden übermittelt: „Zum ersten Mal ist unsere Liquidität gefährdet“, erklärt der Betreiber, dass die Insolvenz nahe ist. Doch aufgeben scheint keine Option zu sein: „Sobald die November- und Dezember-Gelder in vollem Umfang ausgezahlt sind, werden wir sofort wieder öffnen“, verspricht Zlatko Gänzler-Soprano. „Sonst warten wir, bis wieder geöffnet werden darf.“

Hoffnung auf ein Wiedersehen bleibt

Das klingt nach einem Wiedersehen mit der Betreiberfamilie. Für ein persönliches Gespräch war Zlatko Gänzler-Soprano für unsere Redaktion nicht zu erreichen – aber Hoffnung klingt doch in diesen Worten mit. Nämlich die, dass an den Gerüchten über eine dauerhafte Schließung der mehr als 350 Jahre alten Traditionsgaststätte nichts dran ist. Auch wenn die Situation für die Familie, die das Geschäft seit 27 Jahren als Familienbetrieb führt, mehr als ernst zu sein scheint.

Das im vergangenen Jahr übernommene Mobiliar wird nun ersetzt. Ratsschänken-Inhaber Kamil Puzio setzt auf maßgefertigte Möbel, damit alles passt.

Vorfreude an anderer Stelle

Absoluter Optimismus und Vorfreude herrscht im Vergleich dazu an anderer Stelle: Damit lief bis jetzt nichts nach dem Plan von Kamil Puzio. Vor nahezu genau 365 Tagen wagte er den Schritt in die Selbstständigkeit. Zum 1. April 2020 übernahm er die Ratsschänke in Olfen. Öffnen konnte er jedoch erst am 20. Mai. „Die Sommersaison lief für uns dann auf der Terrasse“, blickt Puzio zurück. Zeit, um im Inneren ein wenig zu renovieren. „Doch dann kam der Oktober – und man merkte, dass die Leute Angst bekamen“, erinnert sich der gelernte Hotelfachmann. Der Lockdown kam für ihn nicht überraschend.

Vorahnungen haben sich erfüllt

„Ich habe meinen Kunden damals gesagt, dass wir wohl vor Ostern nicht wieder öffnen würden“, erinnert sich Puzio, dass ihn seine Gäste deswegen fast ausgelacht hätten und im Schwarzmalerei vorwarfen. „Aber ich liege wohl nicht nur richtig, es wird sogar noch länger als bis Ostern dauern.“

Im Herbst schloss das Restaurant für Burger und gutbürgerliche Küche daher komplett. „Wir haben auch keinen Außer-Haus-Verkauf angeboten“, erklärt der Inhaber, „denn wie soll das denn schmecken?“ Doch die Kunden lagen ihm in den Ohren. Schließlich ging Puzio in den einwöchigen Testbetrieb, lieferte Hamburger aus – und testete Verpackungsmöglichkeiten. Nun weiß er genau, welche Verpackung und wieviel Alufolie er braucht, damit der Burger warm beim Kunden ankommt. „Zum Überleben reicht das nun“, sagt Puzio, und träumt so seinen Traum vom eigenen Restaurant konsequent weiter. „Ich habe auch gar keine Alternative. Für mich ist ein Traum wahrgeworden, Hobby und Beruf zu verbinden.“

Den Corona-Lockdown nutzt Kamil Puzio nun, um auch das Innere seines neuen Restaurants zu renovieren.

Die Gäste werden wiederkommen

Angst davor, dass die Gäste nicht wiederkommen werden, hat er nicht. „Das kann ja auch nicht mehr so lange dauern, bis die Impfungen durchschlagen“, sagt er. Selbst, wenn es August werde – „diese vier Monate überstehen wir jetzt auch noch.“ Klar ist ihm nur eins: Eine Öffnung mit Schnelltests vor Ort wird es bei ihm nicht geben. „Ich werde nicht in die Nasen meiner Gäste gehen – und auch keine Schnelltests kontrollieren. Wir warten, bis Anfang/Mitte Mai die Außengastronomie wieder beginnen kann.“

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Bis dahin legt er im Inneren fleißig Hand an: Eine neue Theke wird gerade eingebaut, die er bei einer Geschäftsaufgabe in Dülmen erstehen konnte. „Außerdem gibt es neues Mobiliar“, verrät er. „Alles, was wir hier verdient haben – und ein bisschen mehr – wird sofort wieder in das Lokal reingesteckt.“ Denn nur so kann sein Traum wirklich wahr werden.

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