Wer sich einen eigenen Hund wünscht, weiß oft nicht, was da auf ihn zukommt. Hundehalterin Mareike Trapp aus Selm und Hundetrainer René Luczyk aus Olfen kennen die Herausforderungen.

von Carina Strauß

Selm, Olfen

, 16.02.2020, 18:40 Uhr / Lesedauer: 3 min

Schon seit sie ein Kind war, wollte Mareike Trapp aus Selm unbedingt einen Hund haben. Doch die Berufstätigkeit ihrer Eltern hat das nicht zugelassen. Während ihres Lehramtsstudiums in Heidelberg konnte sie sich diesen Wunsch dann endlich erfüllen. Allerdings erst nach reiflicher Überlegung und Planung.

„Ich hatte vier Pro- und Contra Listen, habe die immer wieder aktualisiert und den neuen Umständen angepasst.“ Vor allem der Zeitfaktor war ein großes Thema: „In den ersten Semestern wäre das nicht gegangen. Aber in der letzten Phase des Studiums hatte ich dann nur noch so wenig Veranstaltungen, dass genug Zeit für einen Hund blieb.“

Hundebesitzerin Mareike Trapp hat sich ganz genau überlegt, was auf sie zukommt, bevor Robbie bei ihr eingezogen ist.

Hundebesitzerin Mareike Trapp hat sich ganz genau überlegt, was auf sie zukommt, bevor Robbie bei ihr eingezogen ist. © Carina Strauß

Und auch in ihr zukünftiges Berufsleben kann der Hund gut integriert werden. „Im Referendariat muss ich nur für einen Tag eine Betreuung organisieren. Da meine Eltern hier in Selm wohnen, wird auch das kein Problem. Und an den restlichen Tagen ist der Hund nicht so lange alleine.“

Aber was gilt es überhaupt alles zu beachten, bevor ein Hund aufgenommen wird?

Der Zeitaufwand

Der Zeitaufwand ist ein Punkt, der jedem potenziellen Hundebesitzer bewusst sein sollte. „Da ist es mit drei Mal Gassi gehen nicht getan. Der Hund braucht auch sonst Beschäftigung“, so Hundetrainer René Luczyk. Dafür sollten mindestens zwei bis vier Stunden täglich eingeplant werden.

Luczyk betreibt zusammen mit seiner Frau Diane die Hundeschule Pfotentreff in Olfen. Im März leitet er wieder einen VHS-Kurs zum Thema Hundehaltung. Dieser richtet sich an Menschen, die sich überlegen ein neues, vierbeiniges Familienmitglied aufzunehmen.

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Und wenn es in den Urlaub geht? Wer gerne in den Urlaub fliegt, sollte sich das mit dem Hund noch mal überlegen. Denn „Im Flieger werden die Hunde häufig in den Frachtraum gesperrt“, gibt Luczyk zu bedenken.

Wer seinen Schützling nicht mitnehmen möchte, kann natürlich auf Tierpensionen zurückgreifen. „Aber auch hier muss man sich frühzeitig informieren, welche die Richtige ist“, empfiehlt Hundetrainer Luczyk.

Ist da vielleicht auch noch ein Leckerlie versteckt? - Intelligenzspielzeuge gehören zur artgerechten Beschäftigung

Ist da vielleicht auch noch ein Leckerlie versteckt? - Intelligenzspielzeuge gehören zur artgerechten Beschäftigung © Carina Strauß

Die Verantwortung

Mit einem Tier übernimmt man auch die Verantwortung dafür. Dazu gehört für René Luczyk auch die artgerechte Beschäftigung. „Eine Ballschleuder ist keine Beschäftigung“, stellt er klar. „Dadurch werden die Hunde einfach nur hochgepuscht“, ergänzt Diane Luczyk.

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Zur artgerechten Beschäftigung gehöre zum Beispiel „Mantrailing“, das heißt die Suche nach Menschen. „Hunde haben eine sehr empfindliche Nase, die sie zur Suche nutzen können und dabei müssen sie sich auch stark konzentrieren“, sagt René Luczyk. Die ruhigere, aber durchaus anspruchsvolle Variante sind Intelligenzspiele für Hunde.

Erziehung und verantwortungsvolles Verhalten

„Ein Hund ist ein Lebewesen und keine Modeerscheinung“, stellt René Luczyk klar. „Er muss auch erzogen werden.“ Zu einer guten Erziehung des Hundes gehöre vor allem, dass der Hund nicht jeden anspringt oder Joggern und Fahrradfahrern hinterherläuft. „Der Hund sollte immer zurückgerufen werden, wenn jemand entgegenkommt. Kann man das nicht, gehört der Hund an die Leine“, sagt Luczyk.

Die Erziehung ihres Hundes hat auch Hundehalterin Mareike Trapp in ihre Überlegungen mit einbezogen. „Der Hund musste ja einiges können. Zum Beispiel Bahn fahren oder alleine bleiben. Während des Studiums hatte ich genug Zeit das in Ruhe zu trainieren.“

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Aber nicht nur die gute Erziehung gehört zu den Pflichten des Hundehalters. Hunde seien auch grundsätzlich an die Leine zu nehmen ergänzt René Luczyk. Freilaufflächen gibt es zwar, aber die seien eben nicht überall. Auch die Hinterlassenschaften des Vierbeiners müssen weggemacht werden. Wer sich nicht daran hält, riskiert sogar ein Bußgeld.

Der Kostenfaktor

So ein Hund bringt natürlich auch ein finanzielles Risiko mit sich. Deshalb hat sich Mareike Trapp auch eine Finanzliste erstellt: „Da habe ich aufgeführt, welche Ausgaben auf mich zukommen, besonders Futter und Grundausstattung. Aber auch wie viel ich zurücklegen kann für den Tierarzt und so, damit ich nicht irgendwann da stehe und feststellen muss, dass ich mir den Hund nicht mehr leisten kann.“

Das hält fit - auch Sammy trainiert auf seine alten Tage noch im Agility Parcours

Das hält fit - auch Sammy trainiert auf seine alten Tage noch im Agility Parcours © Carina Strauß

Die Hunde der Familie Luczyk sind mittlerweile zehn und zwölf Jahre alt. Der zwölfjährige Sammy ist ein klassisches Beispiel dafür, dass es bei Hunden mit den Kosten für die Anschaffung und das Futter nicht getan ist. „Da steckt mittlerweile ein Kleinwagen drin“, sagt René Luczyk nüchtern. Zwar sei es nicht sein Ziel, Versicherungen zu verkaufen, aber zumindest eine OP-Versicherung würde er neuen Hundehaltern empfehlen.

Lebensumstände können sich ändern

„Ich bin froh, dass ich mir vorher alles gut überlegt habe. Damit man nicht hinterher überrascht ist“, sagt Hundehalterin Mareike Trapp.

Dass viele Hundebesitzer sich vorher nicht so gut überlegt haben, ob sie sich ein Hundeleben lang um einen Hund kümmern können, zeigt sich im Gespräch mit Maria Eichel, 1. Vorsitzende der Tierfreunde Lüdinghausen. Auf die Frage, was die häufigsten Begründungen für seien, dass Hunde abgegeben werden, antwortet die Tierschützerin: „Allergie, keine Zeit, Trennung und Umzug. Das sind eigentlich die häufigsten Gründe.“

Ein Problem sei, dass sich Hundebesitzer vor der Anschaffung des Tieres keine Gedanken darüber machen, was mit dem Tier passiert, wenn sich die Lebensumstände ändern.

VHS-Kurs mit René Luczyk

Der VHS-Kurs mit René Luczyk startet am 5. März (Donnerstag), 18.30 Uhr im Leohaus, Bilholtstr. 37 in Olfen. Anmeldungen nimmt Frau Börtz in der VHS-Geschäftsstelle Olfen im Rathaus, Kirchstraße 5 in Olfen entgegen. Eine Online-Anmeldung ist jederzeit unter www.vhs-luedinghausen.de möglich.
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