Bürgermeister Sendermann: „Neben Corona macht sich weiteres Virus breit“

Coronavirus

Kontaktbeschränkungen, die gut eingehalten worden sind. Für die Olfener gab es in der Coronakrise viel Lob von Bürgermeister Wilhelm Sendermann. Am Montag fand er jedoch auch deutliche Worte.

Olfen

, 05.05.2020, 17:25 Uhr / Lesedauer: 2 min
Wilhelm Sendermann.

Wilhelm Sendermann. © Theo Wolters (Archiv)

Keine Woche nachdem im Kreis Coesfeld der erste Coronafall bestätigt worden war, vermeldeten Kreis und Stadt auch zwei Fälle in Olfen. Das war am 9. März. Inzwischen gibt es (Stand 4. Mai) insgesamt 22 Fälle in Olfen, von denen 17 auch schon wieder gesund sind.

Zwar hatte Olfen schon verhältnismäßig früh über Corona-Fälle zu klagen, im Kreisvergleich hat die Stadt aber aktuell die wenigsten Infizierungen in der Relation zur Einwohnerzahl. Olfen kommt demnach auf 17,13 Infektionen pro 10.000 Einwohner, auf einen ähnlichen Wert kommt nur Nottuln mit 17,9 Infektionen (zum Vergleich: im besonders stark betroffenen Dülmen sind es 33,91 infizierte Bürger auf 10.000 Einwohner). Wobei bei der geringen Fallzahl beachtet werden muss, dass nur wenige zusätzliche Fälle den Wert schnell nach oben springen lassen können.

Klare Worte

Für die Olfener gab es zudem - ähnlich wie auch in Selm oder Nordkirchen - viel Lob, für die Umsetzung der Kontaktbeschränkungen. Am sommerlich warmen Wochenende vor dem 1. Mai gab es zum Beispiel „ein dickes Lob“ des Bürgermeisters, dafür, dass sich die Bürger so vorbildlich an das Kontaktverbot gehalten hatten. Auch am 1. Mai selbst gab es aus Sicht des Ordnungsamtes keine Auffälligkeiten.

Gegen Gefühle von „alles nicht so schlimm“ und „zu überzogene Maßnahmen“ wendet sich Olfens Bürgermeister Wilhelm Sendermann aber dennoch mit einer Stellungnahme, die er am Montagabend veröffentlicht hat: „Neben Corona macht sich gerade ein Virus breit, der zwar nicht tötet, aber unsere ganze Gesellschaft in Mitleidenschaft ziehen könnte. Es ist das Gift der Verharmlosung“, so Sendermann darin.

Viele Länder würden gerade ungläubig auf die Zahlen in Deutschland schauen, wo eben nicht verharmlost worden sei. Ein Blick, der auch auf kommunaler Ebene funktioniert: „Nur weil wir in Olfen nur 22 Corona-Infizierte und noch keine Toten zu verzeichnen haben, dürfen wir nicht alles infrage stellen und nur über noch mehr Lockerungen diskutieren“, so der Bürgermeister weiter.

Sich über kleine Schritte freuen

„Wie würden wir reagieren, wenn die Pandemie sich bei unseren älteren Mitbürgern oder im St. Vitus-Stift richtig breit macht?“ Ähnlich wie Bundeskanzlerin Angela Merkel (ebenfalls CDU), die am 16. April, als erste Lockerungen nach der Corona-Krise verkündet wurden, von einem „zerbrechlichen Zwischenerfolg“ gesprochen hatte, sagt Sendermann: „Das ist alles ganz dünnes Eis.“

Sendermann empfiehlt, zunächst auf die jetzt kommenden Öffnungen zu schauen, statt schon auf die nächsten zu schielen: „Wir sollten uns auch über kleine Schritte freuen“, sagt er.

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Die Neu-Infizierungen im Kreis Unna und auch im Kreis Coesfeld halten sich aktuell stabil. Wir tickern hier live mit allen Nachrichten zum Coronavirus aus Selm, Olfen und Nordkirchen. Von Sylvia vom Hofe, Arndt Brede, Thomas Aschwer, Sebastian Reith, Marie Rademacher, Karim Laouari, Sabine Geschwinder, Marcel Schürmann, Jessica Hauck

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