Olfener Landwirte hoffen auf T-Shirt-Wetter, damit der Spargel bald geerntet werden kann

dzSpargelernte

So richtig Frühling ist es doch eigentlich erst, wenn der erste Spargel im Topf kocht. Auf den Höfen rund um Selm stehen die Landwirte bereits mit ihren Erntehelfern in den Startlöchern.

Olfen

, 24.03.2019, 13:18 Uhr / Lesedauer: 3 min

Georg Schulze Kökelsum aus Olfen trägt beim Fototermin ein kurzärmeliges Hemd. Ganz klar: Der Landwirt will damit den Spargel locken. „Spargel braucht T-Shirt-Wetter“, sagt der 60-Jährige.

Und zwar braucht der Spargel mehr als nur ein, zwei Tage Sonnenschein. Die Spargelfelder von Schulze Kökelsum, die rund drei Kilometer von dem Hof entfernt liegen, sind deshalb noch mit Schutzfolie bedeckt. „Das ist eine doppelte Folie“, erklärt der Landwirt. Eine schwarz-weiße Folie liegt direkt auf dem Erddamm auf. Mit etwas Abstand folgt darüber eine Klarsichtfolie. „Darunter wird es dann muckelig warm, weil die zweite Folie die Wärme hält.“

Bis Anfang April werde es mit der ersten Spargelernte voraussichtlich dauern. Die Erntehelfer, erklärt Georg Schule Kökelsum, stehen allerdings schon in den Startlöchern. „Die Hauptsache ist, dass wir keinen Sturm mehr bekommen“, sagt Georg Schulze Kökelsum. „Das hat im letzten Jahr sehr viel Arbeit gemacht, weil bei vielen Landwirten die Folien weggeflogen sind.“

Der frühe Spargel ist immer auch der teuerste.

So auch auf den Feldern von Haus Sandfort - die Folien waren im vergangenen Jahr bei einem Sturm bis in die Kiefern geflogen, die am Feldrand stehen. Auch am Haus Sandfort wartet Betriebsleiter Lars Hittscher gerade noch gespannt auf die erste Spargelernte. „Es ist noch sehr früh. Spargel im März ist eigentlich eher ungewöhnlich. Aber wir hoffen auf die nächste Woche“, sagt der 37-Jährige.

Olfener Landwirte hoffen auf T-Shirt-Wetter, damit der Spargel bald geerntet werden kann

Mehrere Generationen auf dem Hof: (v.l.) Maria, Maria senior, Jan-Bernd, Jennifer und Georg Schulze Kökelsum. Der kleinste Junior im Wagen ist erst wenige Wochen alt. © Martina Niehaus

Gebe es schon deutlich vor Ende März Spargel, sei der meistens unter Mini-Gewächshäusern entstanden. Und teuer ist der frühe Spargel dann auch. „Die Folientunnel und die Gewächshäuser, das ist alles sehr arbeitsintensiv. Deshalb ist der Spargel dann teurer.“ Und von der Menge sei der Preis natürlich auch abhängig.

Die sechseinhalb Hektar Spargel werden dann, wenn es soweit ist, von Erntehelfern gestochen. „Im Moment haben wir zwei, aber wenn es losgeht, kommen noch einige dazu“, sagt Hittscher.

Christina Tenkhoff wird ihren Hofladen voraussichtlich am 4. April öffnen. „Unsere Erntehelfer scharren schon mit den Hufen“, sagt sie und lacht. „Aber für richtig leckeren Spargel braucht man eben echte Sonne. Wir müssen gucken, wie sich das Wetter hält.“ Rund zehn Hektar Spargel erntet man auf dem Bauernhof an der Dattelner Straße.

Die Erntehelfer stehen schon bereit.

Auch auf dem Hof von Georg und Maria Schulze Kökelsum stehen die ersten Erntehelfer für den Spargel schon bereit. „Wir haben immer die gleichen Leute. Das ist gut, weil die sich dann schon auskennen. Und es ist schön, wenn man sich kennt“, erzählt Maria Schulze Kökelsum.

Sohn Jan-Bernd Schulze Kökelsum bestätigt, dass es Sinn mache, die gleichen Erntehelfer zu beschäftigen. „Andere haben oft wechselnde Leute, die dann neu angelernt werden müssen“, sagt der 34-Jährige.

Das „Kaiserrollen“-Rezept
  • Kaiserrollen sind Spargelstangen, die in einem dünnen Pfannkuchenteig im Ofen überbacken werden. Hier das Rezept der Familie Schulze Kökelsum:
  • Für vier dünne Pfannkuchen braucht man 200 Gramm Mehl, 2 Eier, 300 Gramm Milch und eine Prise Salz. Alle Zutaten vermischen und in der Pfanne dünne Crépes daraus backen.
  • Den Spargel in einem Topf mit Salz, Butter und ein wenig Zucker bissfest kochen. „Der Zucker zieht mögliche Bitterstoffe aus dem Spargel und intensiviert den Geschmack“, erklärt Maria Schulze Kökelsum, die das Rezept von ihrer Mutter übernommen hat.
  • Auf die dünnen Pfannkuchen legt man je eine Scheibe Kochschinken und nach Geschmack etwas Sauce Hollandaise. Darauf legt man je nach Dicke zwischen drei und fünf Stangen Spargel.
  • Die Pfannkuchen werden gerollt und in eine Auflaufform gelegt. Darüber streut man etwas Käse. Im Backofen einige Minuten überbacken. Zu den Kaiserrollen schmeckt frischer Kopfsalat. „Mein Vater und ich brauchen den Salat gar nicht unbedingt dazu“, erklärt Jan-Bernd Schulze Kökelsum.

Jan-Bernd Schulze Kökelsum und seine Frau Jennifer sind vor Kurzem Eltern geworden. Der Nachwuchs, der gerade friedlich im Kinderwagen schläft, ist gerade 14 Wochen alt geworden. „Wenn ich im Hofcafé arbeite, dann freuen sich immer alle Mitarbeiter über den Kleinen“, erzählt Jennifer Schulze Kökelsum. Dann lacht sie: „Da muss man manchmal aufpassen, dass wir alle noch zum Backen kommen.“

Storchentorte zu Ehren der Störche in den Steverauen

Denn obwohl es noch keinen Spargel gibt - Kuchen und Torten, Flammkuchen und Reibekuchen gibt es nämlich nach der Winterpause schon jetzt auf dem Hof Kökelsum. Zu der Direktvermarktung, die es bereits seit 1987 dort gibt, ist im Jahr 2006 das Café mit dem Hofladen hinzu gekommen. Schon jetzt sonnen sich die ersten Gäste auf dem Hofplatz, sitzen an Tischen oder in Strandkörben.

„Viele Ausflügler, die das Storchennest in den Steverauen besuchen, kommen anschließend zu einer Rast mit einem Imbiss zu uns auf den Hof“, freut sich Maria Schulze Kökelsum. Und dafür hat ihre Schwiegertochter Jennifer auch eine spezielle Torte entworfen - mit kleinen Störchen darauf.

Olfener Landwirte hoffen auf T-Shirt-Wetter, damit der Spargel bald geerntet werden kann

Der ganze Stolz des Hofcafés passt zur gefiederten Attraktion in den Steverauen: Die Storchen-Torte. © Martina Niehaus

Und wenn der Spargel endlich geerntet werden kann, freuen sich sowohl Lars Hittscher als auch die Schulze Kökelsums auf die leckeren Stangen. „Ich habe drei Kinder, und alle lieben Spargel - das ist eigentlich eher ungewöhnlich“, erklärt Lars Hittscher. Georg Schulze Kökelsum freut sich auch: Er hat ein spezielles Rezept, das er besonders gerne isst: „Ich nenne es Kaiserrollen.“

Lesen Sie jetzt