Flachdach oder Giebel? Zwei oder drei Gebäudeteile? Modern oder traditionell? Das Rathaus am Marktplatz wird umgebaut und erweitert. Der Rat hat die Qual der Wahl zwischen drei Entwürfen.

Olfen

, 21.01.2020, 17:07 Uhr / Lesedauer: 3 min

Die Entscheidung wird nicht leicht fallen. Das hat Bürgermeister Wilhelm Sendermann am Montagabend gleich zu Beginn der Bürgerversammlung betont. Fast 40 Männer und Frauen waren gekommen, um aus erster Hand zu erfahren, wie das umgebaute und erweiterte Rathaus aussehen könnte. Drei Architekturbüros - die Sieger des vorangegangenen Wettbewerbs - stellten ihre zum Teil überarbeiteten Entwürfe vor.

Egal, welchen Entwurf der Stadtrat am 11. Februar wählen wird: „Das wird für Veränderung sorgen“, steht für Bürgermeister Sendermann fest. „Da entsteht ein Gebäude, das über viele Jahrzehnte wirken wird“ - direkt im Herzen der Stadt. Die Bürgerinnen und Bürger im Zuschauerraum sollten daher „in Ruhe die Entwürfe auf sich wirken lassen“ und mit ihren Freunden und Nachbarn, vor allem aber auch mit den Entscheidungsträgern aus der Politik, über sie diskutieren.

Keine Diskussionen über das Für und Wider

Diskussionen hat es am Montagabend noch nicht gegeben. Der fachliche Berater der Stadt, Hartmut Welters vom Dortmunder Architekten- und Stadtplanungsbüro „post welters + partner“, moderierte den Abend und machte von vorne herein klar: „Wir wollen jetzt nicht über die Vor- und Nachteile des jeweiligen Entwurfs diskutieren.“ Lediglich Verständnisfragen waren zugelassen.

Zwölf Planungsbüros hatten an dem Wettbewerb teilgenommen. Das Preisgericht hatte im Sommer 2019 über ihre Entwürfe befunden, ohne zu wissen, wer was eingereicht hatte. Drei Entwürfe siegten: zwei zweite Plätze (von der DBCO GmbH in Münster und der behet bondzio lin architekten GmbH & Co.KG, ebenfalls Münster) und ein dritter Platz (Feja + Kemper aus Recklinghausen).

„Wichtigstes Gebäude der Stadt, aber kein Schmuckkästchen“

„Wir sind jetzt in der Verhandlungsphase mit den Preisträgern“, so Welters. Alle drei hätten inzwischen Veränderungen vorgenommen - nicht die letzten. „Sobald eine Entscheidung gefallen ist, wird es weitere kleine Änderungen geben“, sagte Welters: Detailanpassungen.

Um ihre aktualisierten Ideen zu präsentieren „für das vielleicht wichtigste Gebäude der Stadt, das aber kein Schmuckkästchen sein sollte“, wie Welters sagte, hatte jedes Büro 20 Minuten Zeit. Die Reihenfolge hatte nichts mit der Rangfolge zu tun: „Wir haben das ausgelost.“

Feja + Kemper haben ursprünglichen Entwurf verkleinert

Franz-Jörg Feja von Feja + Kemper machte den Auftakt. Er hatte den ersten Entwurf seines Teams etwas verkleinert. So sei er wirtschaftlicher und effektiver. Fejas Rathaus der Zukunft besteht aus einem Neubau am Markt mit charakteristischem Giebel, einem ruhig gestalteten Zwischenbau und dem bestehenden Rathaus.

Olfen bekommt ein neues Rathaus: Drei Entwürfe sind im Rennen für den Neubau am Marktplatz

So stellt sich das Architekturbüro Feja + Kemper das neue Rathaus vor. © Feja + Kemper

Im Giebelhaus befindet sich der zentrale Eingang. Darüber: das Büro des Bürgermeisters mit großem Balkon zum Markt, den sich die Stadt von allen Architekten gewünscht hatte. Unterm Dach befinden sich Ausschuss- und Trauzimmer, auf dem Dach eine Terrasse für Mitarbeiter. „Sowohl traditionell als auch zeitgemäß modern“ nannte Feja seinen Entwurf.

DBCO hat Flachdach in Giebel umgewandelt

David Bückler vom Büro DBCO hatte seinen Entwurf besonders nachhaltig geändert: Das Flachdachgebäude zum Markt, das er noch im Sommer präsentiert hatte, hat inzwischen einen Giebel gekommen und stehe damit „selbstverständlicher am Ort“.

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Jetzt doch mit spitzem Giebel: der Entwurf des Architekturbüros DBCO. © DBCO

Den von allen geforderten Balkon, von dem die Karnevalsprinzen grüßen werden, hat er dem Trau- und Sitzungszimmer zugewiesen. Es gibt eine Galerie, eine Dachterrasse und neben dem Foyer im Erdgeschoss noch ein Bürgermeisterfoyer im Dachgeschoss: Gelegenheit für die Besucher, auf die Stadt herabzublicken, wie es der erste Bürger auch von seinem Büro aus kann.

Martin Behet hält am Flachdach-Turm fest

Martin Behet vom Büro „behet bondzio lin architekten“ hält dagegen an seinem Flachdach fest. Zum Marktplatz dreht sich ein viergeschossiger Turm: ein markantes Gebäude, das seine Öffentlichkeit durch die großen Glasbereiche deutlich mache. Der Verzicht auf den Giebel habe auch praktische Vorteile: das Anlegen eines geräumigen Dachgartens.

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Ein Turm am Markt: der Entwurf von behet bondzio lin architekten. © behet bondzio lin architekten

Alle drei Entwürfe ordnen Büros nach den Vorgaben der Stadt an: nicht mehr in Einzel- und Zweierzimmer, sondern - zumindest in den publikumsarmen Fachbereichen - auch in größeren Einheiten. Das sei ein zukunftsweisendes Modell, so Sendermann.

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Ebenfalls bei allen kommt dem Foyer eine besondere Bedeutung zu. Das ist der Stadt wichtig. Denn mit dem Neubau solle nicht nur eine funktionale Verwaltungseinheit mit Arbeitsräumen entstehen, sondern ein kultureller Treffpunkt, der Ausstellungen und Kleinkunstveranstaltungen möglich macht.

Rat entscheidet am 11. Februar - aber nicht öffentlich

Am Dienstag, 28. Januar, 18 Uhr wird sich der Bauausschuss der Stadt im Bürgerhaus, Kirchstraße 22, mit den drei Entwürfen befassen. Die Entscheidung, welcher zum Zuge kommt, fällt dann am 11. Februar, 18 Uhr, der Rat im Leohaus, Bilholtstraße 37. In beiden Fällen wird aber nicht öffentlich diskutiert und entschieden. „Das ist eine Vergabefrage“, erklärte der Bürgermeister. Deshalb sei eine öffentliche Beratung nicht vorgesehen. Umso wichtiger sei es, jetzt ins Gespräch zu kommen.

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