Ein seit Jahren vertrautes Bild - Hedwig Brintrup hinter dem Tresen des Leo´s. Doch Ende des Jahres hört sie aus gesundheitlichen Gründen. Franz Pohlmann, Vorsitzender der Bürgerstiftung, sucht jetzt eine Nachfolgerin oder einen Nachfolger. © Thomas Aschwer
Corona-Folgen

Neue Pächter der Olfener Leohaus-Gastronomie müssen sich gedulden

Offiziell ist der Pächterwechsel für die Leohaus-Gastronomie vollzogen, doch Maurizio Martellini und seine Frau Monica bleiben erst einmal in den Startlöchern stecken.

Das Konzept steht, die baulichen Veränderungen sind abgestimmt, jetzt müssen die gesetzlichen Vorgaben stimmen: Angesichts des erneut verlängerten Lockdowns müssen die neuen Pächter der Leohaus-Gastronomie Geduld bewahren. „Wir planen für den Start jetzt den 1. Februar an“, sagt Franz Pohlmann als Vorsitzender der Bürgerstiftung Unser Leohaus.

Ob der Termin gehalten werden kann, vermag auch Pohlmann nicht zu sagen. Denn eine Verlängerung des Lockdowns scheint aktuell auch über den 31. Januar hinaus nicht ausgeschlossen. Es wäre ein weiterer schwerer Schlag für die Branche.

„Schon jetzt liegt die Branche – ohne die beiden „gelockten“ Monate November und Dezember – real um rund 35 Prozent unter den Vorjahresumsätzen. Im Oktober lag der Rückgang sogar bei 40,6 Prozent“, berichtete Mitte Dezember 2020 der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) über die Situation in NRW.

Nur Januar und Februar waren in 2020 „normale Monate“

Eine Aussage, die Hedwig Brintrup ausdrücklich bestätigt. Die langjährige Wirtin des Leo‘s im Leohaus berichtet von einem ganz schwierigen Jahr 2020. Nur der Januar und Februar seien „normal“ gewesen. „Bereits im März hatten wir den ersten Lockdown.“ Danach hätte zwar auch die Gastronomie wieder öffnen können, doch nichts sei so gewesen wie in den Vorjahren. „Feiern in größerem Rahmen hat es überhaupt nicht mehr gegeben, die Menschen hatten Angst.“

Wenn der erneute Lockdown ab November einen Vorteil gehabt habe, dann war es die Zeit. Zeit, um aufzuräumen, Zeit, um zu sortieren. Doch keine Zeit, um Abschied zu nehmen. Hedwig Brintrups Stimme stockt bei der Aussage und kann die Tränen nicht zurückhalten. „Wie gerne hätte ich mich von den Vereinen und anderen Nutzern des Leohauses bei einem Bierchen verabschiedet.“

Dass das im Lockdown nicht möglich war, macht ihr bis heute zu schaffen. Noch immer ist sie gerührt, dass Vereinsvertreter bei ihr an der privaten Haustür geklingelt hätten, um sich von ihr zu verabschieden. Der offizielle Akt mit der Bürgerstiftung habe am 2. Januar stattgefunden. Für Hedwig Brintrup der Start in eine ungewisse Zukunft.

Unumwunden räumt die 59-Jährige ein, dass sie auf der Suche nach einem neuen Job ist. Wohl wissend, dass es aktuell sehr schwierig ist, eine neue Stelle in der Branche zu finden. „In der Corona-Krise haben auch viele Aushilfskräfte ihre Stelle verloren.“ Hedwig Brintrup treibt jetzt die Sorge um, dass auch mit dem 1. Februar der erneute Lockdown nicht beendet sein wird. „Da müssen wir durch.“

Neuer Pächter plant auch einen Lieferservice

Eine Aussage, die für die gesamte Branche gilt. „Absehbar ist, dass sich die Umsatzausfälle aufgrund des Lockdowns, der für die Branche seit November gilt, auf mehr als 50 Prozent im Vergleich zum Vorjahr addieren werden“, so der Hotel- und Gaststättenverband Dehoga NRW. Er berichtet, dass sich „aufgrund der Entwicklung seit Ausbruch der Corona-Pandemie 75 Prozent der gastgewerblichen Unternehmer und Unternehmerinnen in ihrer Existenz bedroht sehen.“

Maurizio Martellini und seine Frau Monica wollen sich hingegen in Olfen eine neue Existenz aufbauen. Mit tatkräftiger Unterstützung der Bürgerstiftung. Sie plant Veränderungen in der Küche. Zudem sollen neue Stelen am Leohaus auf die Gastronomie hinweisen. Parallel zum Restaurantbetrieb mit 60 Plätzen innen, bis zu 80 Plätzen auf den Terrassen und einem Saal mit 150 Plätzen will sich der Gastronom ein zweites Standbein schaffen, einen Lieferservice mit separater Karte.

Gerade dieser Bereich könnte für die nächsten Monate überaus wichtig werden – wenn Restaurantbesuche weiter verboten bleiben, ein Lieferservice aber möglich ist. Die Bürgerstiftung hofft natürlich, dass sich das Leohaus bald wieder mit Leben füllen kann. Es wäre ein gutes Zeichen in der Pandemie.

Über den Autor
Redaktion Selm
Journalist aus Leidenschaft, Familienmensch aus Überzeugung, Fan der Region. Als Schüler 1976 den ersten Text für die Ruhr Nachrichten geschrieben. Später als Redakteur Pendler zwischen Münsterland und Ruhrgebiet. Ohne das Ziel der Arbeit zu verändern: Die Menschen durch den Tag begleiten - aktuell und hintergründig, informativ und überraschend. Online und in der Zeitung.
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Thomas Aschwer

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