Jürgen Menke ist der Maître d’hôtel (Leiter des Restaurants) von Mutter Althoff in Vinnum. Er hofft auf viele Gäste im Sommer. © Thomas Aschwer

Mutter Althoff in Vinnum kann auch im Lockdown viele Gäste begrüßen

Neue Küchenchefin, neue Angebote, viele neue Gäste: Das Traditionshaus Mutter Althoff in Vinnum hatte sich ein Stück weit neu erfunden - bis Corona kam. Seitdem läuft das „Hase-Igel-Spiel“.

Die Tische im Kaminzimmer sind perfekt eingedeckt. Die kunstvoll gefalteten Servietten sind eine Augenweide. Dazu die perfekt gebügelten Stoff-Tischdecken, Teller im modernen Design sowie Wein- und Wassergläser. Es ist alles vorbereitet für die Gäste, die allerdings seit Wochen diese Atmosphäre nicht genießen dürfen.

Jürgen Menke stimmt das traurig. Wie gerne würde er das Haus endlich wieder öffnen.

„Maître d’hôtel“ – also Leiter des Restaurants – steht auf seiner Visitenkarte. Eine klare Ansage und zugleich eine Untertreibung. Mit dem französischen Begriff auf der Karte verweist Menke auf die gehobene Gastronomie des Hauses. Eine klare Ansage. Und doch ist es eine Untertreibung seiner Funktion im Hotel und Restaurant Mutter Althoff in Vinnum. Er ist vielfältiger Ansprechpartner und Verantwortlicher. Menke lebt das Haus.

Mit Nicole Andrjsiak hat Menke vor rund eineinhalb Jahren eine Küchenchefin ins Haus geholt, die er seit den 90er-Jahren kennt und von deren Leistung und Kreativität er absolut überzeugt ist. Gemeinsam haben sie das Traditionshaus neu ins Menue Karussell geführt und damit für Menschen in Datteln oder Dortmund interessant gemacht. „Rund 60 Prozent der Gäste wohnt außerhalb von Vinnum“, sagt Menke.

Beim Tanztee in Vinnum lernte Klaus Kandaouroff seine Frau kennen

Keine neue Entwicklung. Die Strahlkraft des Hauses ging schon vor Jahrzehnten weit über den einzigen Olfener Ortsteil hinaus. Jürgen Menke weiß das ganz genau. Wenn er über die Geschichte des Traditionshauses spricht, fällt zwangsläufig der Name Klaus Kandaouroff. „Bei den seit den 1975-Jahren hier im Haus stattfindenden Tanztees hat er seine spätere Frau kennengelernt“, berichtet Menke. Ein Punkt, bei dem es bei vielen Menschen in der Region „Klick“ macht.

Ja, es geht um den Geflügelgroßhändler Klaus Kandaouroff („Hühner-Klaus“), der später verschiedenste gastronomische Betriebe in der Region Haltern, Datteln, Dortmund übernahm. Auch Mutter Althoff. Insgesamt rund 25. Bundesweite Schlagzeilen machte sein Tod. Bei einem gescheiterten Raubüberfall im Mai 2010 wurde der damals 80-jährige Unternehmer erschossen. Auf die Spur der drei Täter – darunter ein ehemaliger Mitarbeiter – kamen die Fahnder erst durch Hinweise nach der ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY“.

Nach dem Tod habe die Familie fast alle Restaurants und Hotels verkauft, sagt Jürgen Menke. Bis auf zwei Ausnahmen – das bekannte 4-Sterne-Hotel Seehof am Südufer in Haltern und Mutter Althoff in Vinnum. Inhaberin ist seit bald 10 Jahren Dr. Anni Hüttemann, eine Tochter von Klaus Kandaouroff. Mit ihr wollen Jürgen Menke und Nicole Andrjsiak auch in der Corona-Krise zeigen, „dass sie für die Menschen am Ball sind.“ Ohne Unterbrechungen ist das allerdings nicht möglich.

Beim ersten Lockdown im Frühjahr 2020 war das Haus für vier, fünf Wochen geschlossen. Nach der Pause begann der Außer-Haus-Verkauf. „Im Sommer haben wir die Gäste vor allem auf der überdachten Terrasse und dem angrenzenden Rasen bewirtet“, sagt Menke.

Außer-Haus-Verkauf findet großen Anklang, das Hotel auch

Während der Seehof in Haltern seit mittlerweile sechs Wochen im erneuten Shutdown geschlossen hat, konnte Mutter Althoff frisch nach einer kurzen Pause (gut drei Wochen) am 15. Januar 2021 wieder mit dem Außer-Haus-Verkauf beginnen. Die Resonanz ist aus Sicht von Menke erfreulich. Der Restaurantchef berichtet von 70 Essen, die allein am Samstag (16.) bestellt wurden. „Die Eintöpfe laufen ganz besonders gut“, sagt Nicole Andrjsiak. Aber auch Braten oder Fisch sei stark gefragt. „Die Menschen sind froh, dass sie hier etwas bekommen.“

Weiter gut gebucht sind auch die Hotelzimmer von Geschäftsreisenden, die auch im Shutdown kommen dürfen. „Sie liegt in der Woche von Montag bis Freitag bei 65 bis 75 Prozent“, berichtet Menke. Er erwartet eine stärkere Nachfrage an einem Wochenende, wenn wieder Privatgäste kommen dürfen. Das Haus liege direkt an überregionalen Radrouten. In Planung ist deshalb auch ein neuer Unterstand für Radtouristen.

Den besonderen Blick richtet der Maître d’hôtel wenig überraschend auf die Gastronomie. „Unser Reservierungsbuch war vor dem ersten Lockdown voll. Das war sicher auch ein großes Verdienst von Küchenchefin Nicole Andrjsiak.“ Sie verwende ausschließlich frische Produkte. Selbst Forellen würden vor Ort geräuchert. Das Vertrauen in das Haus sei so groß, dass viele ihre für 2020 geplanten Feiern auf dieses Jahr verschoben hätten.

Mutter Althoff plant für die nächsten Monate verschiedenste Aktionen

Angesichts der weiter unsicheren Situation macht Menke Interessenten eine feste Zusage. „Wenn für eine Feier beispielsweise 50 Personen angemeldet werden, dann jedoch nur 20 Personen zulässig sind, kann die Zahl der Gäste natürlich ohne finanzielle Folgen reduziert werden.“ Obwohl derzeit mehr von weiterem Lockdown statt von Öffnungen die Rede ist, plant Mutter Althoff für die nächsten Wochen und Monate verschiedenste Aktionen, darunter ein Sommerfest am 24. Juli oder ein Dinner nach Noten (Frank Sinatra) mit dem KuK Olfen.

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Mutter Althoff

Bis diese Dinge wieder möglich sind, bleibt es beim Außer-Haus-Verkauf – mittwochs und donnerstags von 17 bis 20.30 Uhr, freitags bis sonntags von 12 bis 20.30 Uhr. Neben verschiedenen anderen Gerichten gibt einen wöchentlich wechselnden Eintopf – mit und ohne Wurst.

Über den Autor
Redaktion Selm
Journalist aus Leidenschaft, Familienmensch aus Überzeugung, Fan der Region. Als Schüler 1976 den ersten Text für die Ruhr Nachrichten geschrieben. Später als Redakteur Pendler zwischen Münsterland und Ruhrgebiet. Ohne das Ziel der Arbeit zu verändern: Die Menschen durch den Tag begleiten - aktuell und hintergründig, informativ und überraschend. Online und in der Zeitung.
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Thomas Aschwer