Seit mehr als einem Jahr ist die Lippebrücke Ahsen inzwischen gesperrt. Nun könnte es für den Brückenneubau bald losgehen.

Olfen

, 01.06.2019 / Lesedauer: 4 min

Der Kreistag in Recklinghausen hat am Montag dafür gestimmt, dass die Ahsener Lippebrücke neugebaut werden soll. Am 19. Juni erfolgt dann die Abstimmung des Coesfelder Kreistages. Ab dann läuft die Uhr: 33 Monate soll es dauern, bis die Brücke steht. Die Initiative Iglo (Interessengemeinschaft Lippebrücke Ortsumgehung) hat sich schon kurz nach der Schließung der Brücke im April 2018 für einen schnellen Neubau stark gemacht. Sprecher Jan-Michel Tesmer sprach mit unserer Redaktion über die Situation der Ahsener.

Herr Tesmer, 33 Monate, was denken Sie, wenn Sie diese Zahl hören?

Auf der einen Seite ist es schön zu wissen, dass es jetzt voran geht. Auf der anderen Seite reden wir über einen Zeitraum im Jahr 2022. Das heißt: Die gesamte Sperrung würde dann minimum vier Jahre gedauert haben und das ist schon etwas, womit man klarkommen muss. Ich kann natürlich auch die andere Seite verstehen. So eine Brücke baut man nicht mal eben. Es wird immer gerne das Thema Holland genannt, wo Brücken in relativ kurzer Zeit gebaut werden. Aber wir wollen ja eine Brücke haben, die vielleicht nicht ewig, aber doch ein bisschen länger hält als holländische Bauwerke.

Sie wohnen selbst in Ahsen. Was hat sich für Sie konkret geändert, seit die Brücke nicht mehr zur Verfügung steht?

Es gibt halt viele Umwege. Ich bin selber im Außendienst tätig und merke es, wenn ich im Münsterland Termine habe und anschließend wieder in die Heimat unterwegs bin. Aber es gibt natürlich noch viele andere, denen es so geht. Auch Touristen, Fußgänger, Radfahrer. Und auch die lokale Wirtschaft krankt daran. Wir reden jetzt nicht nur von Betrieben in Ahsen selbst. Ich habe gehört, es betrifft auch viele Betriebe in Olfen.

Als wir kurz nach der Sperrung miteinander sprachen, sagten Sie, dass ein Imbiss wegen der Sperrung schließen musste. Gab es noch mehr Schließungen?

Toi toi toi, bislang nicht. Es ist für unseren Bäcker und unsere Gastwirtin schon nicht einfach. Man muss sich klar machen, dass wir nur noch eine Gastwirtschaft in Ahsen haben und daran hängt nicht nur der reine Thekenbetrieb, sondern auch das Ahsener Vereinsleben. Wir haben einen Dartverein, der da ansässig ist. Es ist das Vereinslokal des Schützenvereins und wir haben dort eine Kegelbahn und zahlreiche Kegelvereine.

Welche Reaktionen erhalten Sie von Bürgern in Ahsen?

Das ist unterschiedlich. Man bekommt natürlich auch mal etwas mit, von Leuten, die sagen, es ist in Ordnung, dass die Brücke geschlossen ist, weil es dadurch ruhiger im Dorf ist. Obgleich diese Personen auch die Notwendigkeit der Brücke sehen.

Und wie beurteilen Sie die Zusammenarbeit mit der Politik. Sie haben ja damals mit einer Petition für den schnellen Neubau der Brücke mehr als 8.000 Stimmen gesammelt. Wie wurde Ihrer Meinung nach auf diese Stimmen reagiert?

Ich glaube, dass die Politik da schlussendlich in Zugzwang ist. Wenn 8000 Menschen sagen, dass sie schnell eine Brücke haben wollen, kann sich die Politik da nicht verschließen. Das funktioniert nicht. Das hat sie aber auch nicht. Die Politik hat schon begriffen, dass die Brücke ein wichtiges Thema ist, was die Menschen verbindet.

Glauben Sie denn, dass es anders gelaufen wäre, wenn es diese Petition nicht gegeben hätte?

Das glaube ich, ja.

Das heißt, der Druck war schon nicht so verkehrt?

Das ist nie verkehrt. Die Politik sollte der verlängerte Arm des Bürgerwillens sein. Manchmal muss man Politiker mit der Nase darauf stoßen, was wirklich wichtig ist im Leben. Und hier geht es einfach drum, dass Menschen wieder miteinander verbunden werden. In dem Fall hat der Druck durch die Unterschriften schon geholfen, um zu realisieren, dass nicht nur eine Fraktion die Brücke will, sondern alle die Brücke wollen.

Die Brücke soll nun komplett neugebaut werden. Sie hatten nach der Schließung der Brücke auf eine Behelfsbrücke gehofft. Können Sie nachvollziehen, dass es nun doch einen Komplettneubau geben soll?

Ich war anfangs auch dafür, dass es einfache Lösungen geben musste. Wurde da von vielen fachlich versierten Stellen aufgeklärt, dass das nicht so einfach ist. Gerade auch was den Umweltschutz betrifft. Weil die Brücke ja auch im Umweltschutzgebiet steht. Außerdem müsste eine Behelfsbrücke an den Deich herangebaut werden und das ist sehr schwer. Mittlerweile befürworte ich auch die Variante, die jetzt gewählt worden ist. Also, dass es einen Ersatzneubau gibt und keinen Behelfsbau neben der Brücke. Das würde auch vom zeitlichen Aufwand wenig Sinn machen. Ich glaube, es ist nicht schön, dass die Situation so ist. Aber wir werden es nicht ändern können.

Nun steht alles für den Neubau quasi in den Startlöchern, wird die Initiative trotzdem noch weiter aktiv sein?

Ja logisch. Wir haben ja als Initiative das L und das O mit drin. Das eine ist die Lippebrücke, das andere die Ortsumgehung. Und bei der Ortsumgehung werden wir noch ein dickes Brett zu bohren haben. Wir haben in der Petition ganz klar formuliert, dass es um beides geht. Es wäre ein fatales Signal, wenn wir uns zurückziehen würden, nur weil die Brücke gebaut wird. Da sind wir mit der Verwaltung auch weiter in Gesprächen. Die Interessengemeinschaft wird es noch ein paar Jährchen geben.

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Die Initiative Iglo

Die Initiative Iglo besteht aus sechs Aktiven und einigen passiven Mitgliedern, die sich engagieren. Jan-Michel Tesmer ist der Sprecher der Aktion. Er ist Ahsener, 40 Jahre alt und selbstständiger Versicherungsberater. Er selbst ist Mitglieder der Ahsener CDU, sagt aber: „Es geht nicht um politische Kolorierung, sondern die Menschen vor Ort.“
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