Honig aus der Kiste: Hobby-Imker verkaufen Olfener Honig to go

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Honig vom Imker direkt am Straßenrand kaufen: In Olfen steht jetzt eine Kiste mit echtem Olfener Honig. Zwei Hobby-Imker verkaufen darin die Ernte ihrer 15 Bienenvölker.

Olfen

, 01.06.2020, 12:45 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Kiste ist klein und relativ unauffällig, aber sie hat einen goldenen, süßen Inhalt: echten Olfener Honig. Die Hobby-Imker Markus und Petra Schräder haben eine Box mit Honig to go vor ihrem Haus Im Worth 4 in Olfen aufgestellt. Darin verkaufen die Schräders das, was ihre fleißigen Bienen von Olfener Blüten sammeln.

Die Idee zur der „Honey-to-go-Box“, wie Schräders sie nennen, hatte Petra Schräder. „Die Nachfrage nach regionalen Produkten ist groß“, ist ihre Erfahrung. Die Leute seien seit der Corona-Krise auch etwas ängstlich geworden. Außerdem sei es eine schöne Möglichkeit, den Ertrag des Hobbys zu verkaufen.

Selbst gebaute Kiste mit Kühlschrank

Markus Schräder hat die Kiste selbst gebaut. Hinter der Holzfassade mit gelber Aufschrift und Bienen-Aufklebern verbirgt sich ein kleiner Weinkühlschrank. Der sorgt dafür, dass der Honig nicht zu warm wird. Etwa 30 Gläser Honig passen in den Kühlschrank. Auf kleinen Zetteln steht, was die Kunden erwartet: „Frühjahrsblüte 2020, mild, sehr fest, mit Raps“ etwa steht auf einem Glas mit hellem, cremigen Honig.

Dafür, dass sich die Honig-Box vor dem Haus weiter füllt, sorgen die Bienen hinter dem Haus. Seit 20 Jahren schon ist Markus Schräder Imker. Zwölf Völker hält er im Garten. Sein Hobby hat seine Frau bislang immer „aus der Ferne“ betrachtet, erzählt Petra Schräder. Jetzt hat sie selbst drei Bienenvölker. Jetzt können sie testen, wer den besseren Honig macht, witzeln die Schräders.

Ein kleiner Weinkühlschrank hält den Honig kühl. Oben wird das Geld eingeworfen. Ein Glas mit 500 Gramm Honig kostet 5 Euro.

Ein kleiner Weinkühlschrank hält den Honig kühl. Oben wird das Geld eingeworfen. Ein Glas mit 500 Gramm Honig kostet 5 Euro. © Jessica Hauck

Bis zu drei Kilometer weit fliegen die Bienen, um an Nektar und Pollen zu kommen. So weite Strecken musste sie in diese Frühjahr aber nicht zurücklegen, erzählt Markus Schräder. „In diesem Frühjahr hatten sie es leicht.“ Die Obstbäume der Nachbarn hätten gut geblüht und der Bauer in ein paar Hundert Metern Luftlinie Entfernung hatte auf drei Feldern Raps angebaut. „Da konnte ich sehen, wie alle Bienen diese Richtung nahmen“, erzählt Markus Schräder. So entstand der helle, ziemlich feste und mild schmeckende Honig mit Raps, der gerade in der Honig-Kiste steht.

750.000 Bienen im Garten

Im Garten der Schräders fällt gar nicht sofort auf, dass dort geschätzte 750.000 Bienen leben. Von ihren Stöcken aus, steigen die fleißigen Sammler sofort auf etwa sechs bis sieben Meter Flughöhe auf, und gehen auf Pollensuche, erklärt der Hobby-Imker. „Die Nachbarn bemerken die Bienen gar nicht.“

20 Tage lebt eine Biene etwa als Stockbiene, danach sammelt sie etwa weitere 20 Tage Nektar und Pollen. In dieser Zeit fliegt sie laut Markus Schräder rund 800 Kilometer. Für 500 Gramm Honig, so viel passt in die Gläser in der Honig-Kiste, müssen Schräders Bienen etwa 120.000 Kilometer zurücklegen.

15 Völker mit je mehreren 10.000 Honigbienen leben im Garten von Markus und Petra Schräder. Von dort aus starten die Bienen zu ihren Sammelflügen zu Olfener Blüten.

15 Völker mit je mehreren 10.000 Honigbienen leben im Garten von Markus und Petra Schräder. Von dort aus starten die Bienen zu ihren Sammelflügen zu Olfener Blüten. © Jessica Hauck

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Warum Honig fest wird

  • Bei der Ernte fließt der Honig klar und dickflüssig aus der Schleuder durch Siebe. Aber der Honig bleibt nicht lange flüssig. Früher oder später wird er trüb und fest. Das liegt am Traubenzucker im Honig, der kristallisiert, erklärt Markus Schräder seinen Kunden auf einem Infozettel.
  • Wie schnell der Honig fest wird, hängt von der Sorte ab. Rapshonig vom Frühjahr etwa wird schon wenige Tage nach dem Schleudern fest. Akazien- oder Waldhonig bleibt dagegen länger flüssig.
  • Das Bilden der Kristalle beeinflusst aber nicht die Qualität des Honigs.
  • Erwärmt man den Honig (nicht über 40 Grad), wird er wieder flüssig. Allerdings ist auch dieser Zustand nicht dauerhaft. Nach und nach bilden sich die Kristalle erneut.

In vier bis sechs Wochen allerdings werden es die Bienen leicht haben, hofft der Hobby-Imker. Die Sängerlinde steht schräg gegenüber von Schräders Haus. Ihre Blüten sollen den Hobby-Imkern einen süßen Sommerhonig bescheren. Bis zu einem Kilo Honig kann ein Stock Bienen pro Tag zusammentragen, erzählt Markus Schräder. Das kann er an einer Waage ablesen, die unter einem seiner Bienenvölker steht. Wenn es gut läuft, bekommt er pro Volk etwa 50 Kilo Honig im Jahr.

Bezahlung ist Vertrauenssache

Seit drei Wochen etwa steht der Honig zum Mitnehmen nun am Straßenrand. Etwa 20 Gläser haben seitdem einen Abnehmer gefunden. Von 8 bis 21 Uhr öffnet sich der Honig-Schrank, danach geht er nicht mehr auf. Über dem Kühlschrank befindet sich ein Schlitz zum Geld einwerfen. Fünf Euro kostet ein 500-Gramm-Glas - auch einen Rabatt geben Schräders: sechs Gläser mitnehmen und nur fünf bezahlen.

Die Bezahlung ist Vertrauenssache, erklärt Markus Schräder. „Bislang hatten wir Glück, alle sind ehrlich gewesen.“ In Olfen hätten sie aber auch ein gutes Gefühl, dass es bei der Ehrlichkeit bleibt, sagen die Schräders.

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