So kämpft die hoffnungslose Optimistin Anna Buttaci für eine bessere Integration

dzNeu-Olfener

Anna Buttaci beschreibt sich selbst als leidenschaftliche Fotografin und naturverbunden. Doch sie ist auch hoffnungslose Optimistin. Ein Glücksfall für viele Neu-Olfener.

Olfen

, 24.08.2019, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Als die Olfenerin Anna Buttaci 2015 die dramatischen Bilder von der Flüchtlingswelle sah, war für sie trotz der besonderen persönlichen Situation - erst im Frühjahr war ihr Sohn geboren - der Fall klar: „Ich muss was machen.“ Für Menschen, die alles verloren haben, „während wir im trauten Heim leben“. Gedacht. Getan. Mit einem Kuchen ist sie ins Marienheim an der Oststraße gegangen.

In großer Runde - um die 30 Personen versammelten sich - ging es um das erlittene Leid, die Flucht und die neue Perspektive in Olfen. Woher sie den Mut zu der Aktion nahm? Vielleicht, weil Anna Buttaci vorbelastet ist. Recherchen im Olfener Stadtarchiv haben mittlerweile belegt, dass sich schon ihr Ur-Opa in der örtlichen Flüchtlingskommission engagiert hat. Wie der Ur-Opa, so die Ur-Enkelin.

Die Menschen „sind ander als gedacht, sie sind wie wir“

Mittlerweile hat Anna Buttaci unzählige Begegnungen gehabt, viele kleinere und größere Aktionen gestartet. Ihre erste Erkenntnis: Für viele Menschen in der Stadt gibt es offensichtlich eine Barriere, Kontakt mit Menschen aus anderen Kulturkreisen aufzunehmen. „Der erste Schritt ist der schwierigste.“ Zweite Erkenntnis der Menschen: „Die Leute sind anders als gedacht, sie sind wie wir.“

Weil Anna Buttaci auch ihren Kindern Offenheit vorleben will, sind sie fast immer dabei. Und sie sind gemeinsam auf „sehr respektvolle und familiäre Personen“ getroffen, die „für jeden Besuch dankbar sind“. Was ihnen fehle, sei der Kontakt mit Olfenern. Die Neu-Bürger berichten immer wieder, dass sie früher in ihrer Heimat „überall begrüßt“ wurden. „Jetzt schauen die Leute weg“, sagt Anna Buttaci.

Zuvorkommend, spontan, herzlich

Vielleicht würden viele Menschen in der Stadt anders reagieren, wenn sie sich wie Anna Buttaci auf den Weg gemacht und ähnliche Erfahrungen gesammelt hätten. Natürlich ist nicht alles so stilvoll, so geplant und so perfekt. Aber dafür stets zuvorkommend, spontan und herzlich. Und die Menschen würden auch nach dem Wegzug aus Olfen nicht vergessen, welche Unterstützung sie erfahren hätten. „Immer wieder haben meine Kinder Geschenke bekommen.“

Anna Buttaci geht es aber nicht um Anerkennung oder Dankbarkeit. Sie möchte einfach wie auch andere Menschen in der Steverstadt auch den Neu-Bürgern den Start erleichtern. Ein ganz wichtiges Thema ist immer und immer wieder die eigene Wohnung. „Viele Flüchtlinge leben auf engstem Raum. Sie hätten aber gerne deutsche Nachbarn.“

So kämpft die hoffnungslose Optimistin Anna Buttaci für eine bessere Integration

Anna Buttaci vom Arbeitskreis Asyl mit neuen Mitbürgern. Aus Sicht der Olfenerin geht es vor allem um Kontakte zu Bürgern in der Steverstadt. © Antje Pflips

Vermieter „verzichten“ in vielen Fällen auf eine Absage

Wenn sich Anna Buttaci auf Wohnungsangebote meldet, wartet Anna Buttaci in vielen Fällen vergeblich auf eine Antwort. Es gebe oft nicht einmal eine Absage. In sechs oder sieben Fällen war sie aber erfolgreich, konnte Vermieter überzeugen. „Bei keiner Wohnung hat es größere Probleme gegeben.“ Als „kleinere Schwierigkeit“ nennt Anna Buttaci das Thema Mülltrennung.

Sie hat nach fast vierjährigen Engagement auch nicht die Erwartung, dass sich plötzlich ganz viele Menschen in der Steverstadt in dem Bereich engagieren. Aber sie würde sich schon freuen, wenn der ein oder anderer Bürger eine halbe Stunde Zeit nehmen und ins Café International kommen würde. „Das wäre großartig. Gerne können die Besucher auch ihre Kinder mitbringen.“

Freud und Leid liegen manchmal direkt beieinander

Natürlich gibt es bei dem ein- oder anderer Gespräche auch traurige Momente, wenn Neu-Olfener darauf hoffen, dass die Familie wieder komplett ist. Aber es gibt halt auch die schönen Momente, wenn genau das passiert ist - und die Menschen eine neue Perspektive haben. In Frieden. In Freiheit. Und in vielleicht in einer eigenen Wohnung. Wer hier die Stadt Olfen unterstützen kann, meldet sich bei Robert Wagener, Tel. (02595) 389-155.

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