Die Grünen ziehen mit über 15 Prozent der Stimmen in den Stadtrat in Olfen ein. Bürgermeister Wilhelm Sendermann sieht sich in seiner Politik bestätigt. Die Reaktionen am Wahlabend in Olfen.

Olfen

, 13.09.2020, 22:35 Uhr / Lesedauer: 3 min

Die Stimmung war gelassen am Wahltag in Olfen. Keine Pannen, kaum Schlangen in den Wahllokalen, viel Rücksicht auf die Corona-Regeln - und auch bei der abendlichen Wahlpräsentation war mit großen Überraschungen nicht zu rechnen. Doch als die einzelnen Wahlbezirke ausgezählt wurden und die Ergebnisse in der Stadthalle eintrafen sorgten zwei Punkt doch für Raunen im Saal.

Wilhelm Sendermann ist als Bürgermeister wiedergewählt worden. 81,5 Prozent Ja-Stimmen konnte der CDU-Kandidat für sich verbuchen. Allerdings fiel die Zustimmung der Olfener etwas schwächer aus als noch vor fünf Jahren, als 87,4 Prozent der Olfener für ihn stimmten. „Das Ergebnis passt“, sagt der alte und neue Bürgermeister nach der Verkündung des vorläufigen Endergebnisses trotzdem.

Ohne Euphorie, aber mit Respekt

Mehr als 80 Prozent Ja-Stimmen stimmen ihn nicht euphorisch, sei aber ein starker Auftrag der Wähler. Es könne daher nicht alles falsch gewesen sein, was er und die CDU in den vergangenen fünf Jahren in Olfen geleistet hätten, so Sendermann. Er habe im Wahlkampf den Wähler vermitteln können, „dass ich unglaublich viel Spaß dabei habe, Bürgermeister von Olfen zu sein, der schönsten Stadt im Kreis Coesfeld“, sagte Sendermann. Das Wahlergebnis erfülle ihn mit Respekt, Leidenschaft und Demut für die Aufgabe für die kommenden Jahre.

Viele Ergebnisse, auch für die Parteien, seien an diesem Abend erwartbar gewesen, sagte Sendermann. Etwa die leichten Verluste der CDU, die 5,5 Prozent verloren und nun auf 59,2 Prozent der Stimmen und damit 19 Sitze im Stadtrat bekommen. Schmerzliche Verluste muss die SPD in Olfen einstecken. Sie verliert 8,1 Prozentpunkte und kommt nun noch auf 11,5 Prozent der Stimmen (4 Sitze).

Enttäuschung bei SPD und UWG

Martina Naujocks (SPD) nimmt die Wahlergebnisse relativ gelassen. Schade sei, dass die Kommunalebene dem Bundes- und Landestrend folge, wo die SPD auch deutlich verloren habe. „Ich bin der Meinung, wir haben gute Kommunalpolitik gemacht“, so Naujocks „Wir sind froh um unsere vier Sitze, die wir noch haben.“

Naujocks ist der Meinung, dass sie auch Stimmen an die neu eingezogenen Grünen verloren haben. „Ich bin nicht der Typ, sofort auf Konfrontation zu gehen. Man muss erst mal sehen, wie die Grünen arbeiten. Wenn sie gute Arbeit machen, dann sind wir gespannt darauf, wie sich mit ihnen zusammen arbeiten lässt und sind auch bereit dazu. Einige unserer Themen überschneiden sich ja auch.“

Jeweils zwei Sitze werden laut vorläufigem Ergebnis UWG und FDP im Stadtrat haben. Die UWG verlor rund 3 Prozentpunkt und kommt auf 7,6 Prozent der Stimmen. Die FDP verbessert sich leicht um 1,3 Prozentpunkte auf 6,2 Prozent.

Axel Ellertmann (UWG) ist am Abend geknickt. Die Auszählung der letzten beiden Wahlbezirke habe er nicht einmal mehr abgewartet. „Wir mussten alle was abgeben und wir als UWG haben einen Sitz verloren. Das hat mit diesem Umwelttrend zu tun“, sagt er. „Es wundert mich aber, dass auch bei uns auf dem Land, die Grünen so viele Stimmen bekamen. Ich bin als Landwirt oft anderer Meinung, als die Grünen“, so Ellertmann. „Aber ich bin gespannt, was kommt und auch offen dafür.“

Rainer Möllney hatte das Wahlergebnis nicht in der Stadthalle verfolgt. Er ist froh, dass seine FDP stabil geblieben sei. „Wir werden den Liberalismus in Olfen weiter beibehalten“, so Möllney.

Grüne als großer Gewinner des Abends

Als große Wahlsieger aber dürfen sich die Grünen fühlen. Zuletzt waren sie 1999 im Stadtrat vertreten - mit knapp 4 Prozent. Vor fünf Jahren gründeten sich die Olfener Grünen neu. Nun holten die Neulinge in der Olfener Politik aus dem Stand 15,5 Prozent. Damit sind sie zweitstärkste Kraft hinter der CDU.

Die CDU habe in den vergangenen Jahren gut mit SPD und FDP zusammen gearbeitet - etwas weniger gut mit der UWG, sagte der Bürgermeister. Glückwünsche richtete er an die Grünen, die sich ebenfalls bei der Wahlpräsentation feiern ließen. „Wir müssen uns noch ein wenig aneinander gewöhnen“, sagte Sendermann in Richtung Grünen-Spitze Ralf Wozniak und Katja Meyer.

Der Gewöhnungsprozess gehe wohl von der CDU als Mehrheitspartei aus, sagte Ralf Wozniak. Die Grünen wollten mir ihren Themen offen in den Stadtrat gehen und hofften, mit der CDU und den anderen Parteien einen Konsens zu finden und eine gute Zusammenarbeit für die nächsten fünf Jahre aufzubauen, so Wozniak. Auch die Grünen müssten sich erst einfinden, in der für sie neuen Olfener Politik, so Meyer. „Wir wollen aber unserer Duftmarke setzen.“ Sie hoffe, dass die anderen Parteien „offen sind für unsere neuen Idee“, so Meyer.

Erfreulich: Die Wahlbeteiligung lag mit über 56 Prozent höher als vor fünf Jahren als gut 53 Prozent der Wahlberechtigten in Olfen ihre Stimme abgaben.

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