Fischbestand in der Stever: Helfer waren 185 Tage im Einsatz

dzRenaturierung

Nach der Errichtung der Stever-Umflut sollte eine Überprüfung des Fischbestandes nun Aufschluss über den Erfolg der Maßnahme bringen. Der Fischereiverein Olfen ist schon jetzt zufrieden.

Olfen

, 21.06.2020, 14:26 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es ist nur ein kurzer Fußweg durch die Steveraue. Ein Fußweg, bei dem es aber bereits einiges zu erblicken gibt. Der Weg führt vorbei an zahlreichen Gräsern und anderen Pflanzen, die hier ungestört wachsen können. Im Hintergrund sind weidende Heckrinder zu erkennen, aber auch Wildgänse lassen sich in der Aue nieder. Nach etwa 150 Metern ist das Ziel bereits erreicht: Die Reuse in der Stever-Umflut.

Dort angekommen, geht es auch schon an die Arbeit. Mitten im Wasser der Umflut steht eine Metallkonstruktion. Die daran befestigten Stahlketten tragen eine Kiste aus Edelstahl, die sich im Wasser befindet. Die Kiste wird in einem ersten Schritt über eine Kurbel von den zwei Helfern an die Wasseroberfläche befördert. Nun erst kommt die gesamte Größe der Fischfang-Vorrichtung zum Vorschein.

Fischereiverein Olfen stellt Helfer

Die freiwilligen Helfer sind Mitglieder des Fischereivereins Olfen. Sie waren in den vergangenen drei Monaten täglich im Einsatz – bei jedem Wetter.

Mithilfe der Reuse soll die Entwicklung des Fischbestandes in der Stever seit Errichtung der Umflut ermittelt werden. Diese ist Teil der Renaturierungs-Maßnahmen der Stever durch die Stadt Olfen.

Die Umflut ermöglicht den Fischen eine Wanderung in Richtung Stever-Quelle. Bis 2015 endete diese Wanderung an der Füchtelner Mühle, die für die Fische ein unüberwindbares Hindernis darstellte.

Die 1,5 Kilometer lange „Umleitung“ der Stever setzt dem ein Ende. „Fische, die wandern, orientieren sich immer an der stärksten Strömung“, erklärt Claus Bunte, Vorsitzender des Fischereivereins. Damit sie durch die Umflut wandern, hat man an der Einmündung in die Stever eine künstliche Lockströmung erzeugt, die größer ist als die Stever-Strömung selbst.

Nachdem die Reuse von angeschwommenen Pflanzenteilen befreit wurde, wurden die Fische eingsammelt. Helfer Andreas Schwenke kontrollierte die Reuse.

Nachdem die Reuse von angeschwommenen Pflanzenteilen befreit wurde, wurden die Fische eingsammelt. Helfer Andreas Schwenke kontrollierte die Reuse. © Dennis Görlich

795 Bitterlinge an einem Tag

Bevor die Fische aus der Reuse geholt werden können, gilt es die Reuse von Pflanzenteilen und anderem Treibgut zu befreien – jeden Tag aufs Neue. Anschließend sind auch die kleinsten Exemplare in der Reuse auffindbar.

Diesmal verirrt sich nur eine handvoll Fische in die Fang-Kiste. An einem guten Tag waren es in der Vergangenheit aber auch gleich mehrere Hundert.

„Im November hatten wir 795 Bitterlinge an einem Tag. Wir haben dreieinhalb Stunden gezählt“, berichtet Helfer Andreas Schwenke. „Das Wasser hatte drei Grad.“

Von September bis November im letzten Jahr gab es auch schon eine Fischzählung über drei Monate. Die Zählung in diesem Jahr sollte eigentlich bereits abgeschlossen sein. Als Zeitraum war März bis Mai geplant.

Jeder Fisch wird protokolliert

„Wir konnten wegen Hochwasser erst in der zweiten März-Hälfte damit anfangen, sodass wir noch drei Wochen in den Juni hineinkamen“, berichtet Claus Bunte.

Die Fische werden mit einem Kescher in einen Eimer verbracht, anschließend einzeln nach Art und Länge bestimmt. Während das geschulte Auge von Andreas Schwenke auch bei den kleinen Exemplaren sofort erkennt, um welche Art es sich handelt, protokolliert Heinz Pohlmann – der zweite Helfer – die zugerufenen Daten in einem Formular. Die Protokolle werden regelmäßig zur Auswertung in ein Institut geschickt.

Die Fische wurden einzeln in Art und Länge bestimmt, protokolliert und wieder in der Stever freigelassen.

Die Fische wurden einzeln in Art und Länge bestimmt, protokolliert und wieder in der Stever freigelassen. © Dennis Görlich

Auch ohne dass die offizielle Auswertung vorliegt, zeigt sich Claus Bunte zufrieden mit der Renaturierungs-Maßnahme.

„Eins kann man sicher festhalten. Es ist einiges an Fischen durch die Umflut gewandert“, merkt Claus Bunte an. „Darunter war auch jede Menge Jungfisch, wie kleine Barsche. Der Biotop ist mittlerweile so, dass Barsche hier laichen. Das ist für mich eine wichtige Erkenntnis.“

Dass es einen größeren Fischbestand in der Stever gibt, ist womöglich auch dem Fischereiverein selbst zu verdanken. Denn der führt eigene Besatzmaßnahmen durch. So haben die Mitglieder allein seit Ende 2019 zahlreiche Quappen, Schleien und Spiegelkarpfen in die Stever eingesetzt.

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