Der Eckernkamp gehört zu einer der wenigen Straßen in Olfen, auf denen es noch überhaupt keinen Radweg gibt. Das soll sich ändern. Was Konsequenzen für das Parken dort hat.

Olfen

, 24.10.2020, 19:55 Uhr / Lesedauer: 4 min

Autobahnähnliche Zustände. So beschreibt ein Anwohner bei einer Bürgerinfo-Veranstaltung am Mittwochabend (22. Oktober) die Situation an der Straße Eckernkamp in Olfen. Autos seien dort oft zu schnell unterwegs, Radfahrer müssten umständlich geparkte Autos umkurven - einen Radweg gibt es nicht, Schulkinder könne man ohne Angst nicht alleine losschicken - weil Autos oder Lastwagen bei Gegenverkehr oft auf die Bürgersteige auswichen. Die Urteile der Anwesenden zur Verkehrssituation am Eckernkamp waren im Allgemeinen nicht besonders positiv - und das aus Sicht eigentlich aller Verkehrsteilnehmer.

Jetzt plant der Kreis Coesfeld eine Deckensanierung der Straße - und die Stadt Olfen möchte gleichzeitig für eine Verbesserung der Situation vor Ort sorgen. Wie das gehen soll? Die wichtigsten Fragen zur Planung beantworten wir hier.

? Ist die Fahrbahn auf der Straße Eckernkamp in Olfen denn wirklich so sanierungsbedürftig?

Aus Sicht des Kreises ist das so. Beim Eckernkamp handelt es sich um eine Kreisstraße. Für die Sanierung ist entsprechend der Kreis Coesfeld zuständig. „Wir kontrollieren die Entwicklung der Straße regelmäßig“, sagt Klaus Dammers, Leiter der Abteilung Straßenbau beim Kreis Coesfeld, im Gespräch mit der Redaktion. Straßen seien nun mal Gebrauchsgegenstände, die in regelmäßigen Abständen erneuert werden müssen, erklärt er weiter.

? Was genau soll denn jetzt vor Ort passieren?

Der Kreis Coesfeld plant die Erneuerung der Fahrbahndecke. Außerdem sollen Seitenabläufe statt der jetzt noch auf der Straße befindlichen Abflüsse eingebaut werden. Und: Die Aufteilung der Straße soll sich ändern. Bisher ist es so, dass die Fahrbahn für die Autos sieben Meter breit ist und es an jeder Seite jeweils einen 1,40 Meter breiten Fußweg gibt, wie Christopher Schmalenbeck vom Fachbereich Bauen der Stadt Olfen bei der Info-Veranstaltung erklärte.

Durch den Umbau der Straße werden auch viele Parkplätze wegfallen.

Durch den Umbau der Straße werden auch viele Parkplätze wegfallen. © Marie Rademacher

Nach der Sanierung soll es so sein, dass auf der Fahrbahn ein roter Bereich für Radfahrer markiert wird: Das plant die Stadt Olfen im Sinne der Fahrradfreundlichkeit vor Ort. An der Breite der Gehwege ändert sich nichts. Die Radwege sollen an beiden Seiten jeweils eine Breite von 1,25 Metern haben und die Fahrbahn für die Autos wird auf insgesamt 4,50 Meter reduziert.

? Was hat das für Konsequenzen - zum Beispiel für das Parken auf der Straße?

Das wird dann nicht mehr gehen: Auf Radwegen darf man nicht parken. Nur im oberen Teil des Eckernkamps, wo die Straße ein bisschen breiter ist, könnten Parkbuchten eingeplant werden. Ansonsten ist die Straße dafür nicht breit genug.

? Ist das für Anwohner nicht ein ziemliches Problem? Viele parken dort doch auf der Straße, oder?

Ja, auf der Straße parken viele Autos - auch viele von Anwohnern, wie Bürgermeister Wilhelm Sendermann andeutete. Die müssen nach dem Umbau der Straße auf ihre eigenen Grundstücke ausweichen. Möglicherweise, das räumte der Bürgermeister auch ein, müssen sie ihre Vorgärten dann etwas anders gestalten und dort Parkraum schaffen.

? Gab es Kritik für diese Pläne der Stadt?

Etwas schon: Für die Anwohner ist es natürlich eine Umstellung. Und eine, die nicht unbedingt zur Bequemlichkeit beiträgt. „Es ist für uns eine Abwägung“, sagte Sendermann aber. „Man kann es nicht allen recht machen.“ Die Stadt Olfen habe sich aber vorgenommen, fahrradfreundlicher zu werden. „Hehres Ziel ist, dafür jetzt die Rahmenbedingungen zu schaffen“, so der Bürgermeister. Man könne nicht mehr alles dem Auto unterordnen. Wobei ein Anwohner auch die Sorge äußerte, dass das Fehlen von parkenden Autos als Barrieren auf der Straße manche Fahrer auch dazu verleiten könnte, am Eckernkamp noch mehr aufs Gas zu drücken.

Neu entstehen sollen Seitenabläufe.

Neu entstehen sollen Seitenabläufe. © Marie Rademacher

? Was sind aus Sicht der Stadt denn die Vorteile?

Vorteile sollen zum einen für die Radfahrer entstehen: Wenn sie den eigens für sie gekennzeichneten Bereich haben, so erklärte es Christopher Schmalenbeck, wird es weniger Konflikte zwischen den Verkehrsteilnehmern geben - die Sicherheit werde dadurch erhöht. Außerdem, so der Plan, soll sich die Geschwindigkeit der Autos, die über die Straße fahren, verringern - durch die engere Fahrbahn, die ihnen zur Verfügung steht. Bei Bedarf dürfen Autos den Fahrradweg zwar auch befahren. Für das Überholen von Radfahrern ist aber ein Mindestabstand von 1,50 Metern vorgesehen.

? Wäre es zur Verkehrsberuhigung nicht auch möglich, Tempo 30 auf dem Eckernkamp einzuführen?

„Wenn der Gesetzgeber uns lassen würde, wäre ich sofort für Tempo 30 auf dem Eckernkamp“, sagte Wilhelm Sendermann. Auf die Frage, wie wahrscheinlich das ist, sagte er aber: „Aussichtlos.“ Das liegt daran, dass die Straße als Kreisstraße klassifiziert ist. Tempo 30 sei da nur punktuell möglich, erklärte Klaus Dammers auf Anfrage der Redaktion. Aus dem gleichen Grund ist es nicht wahrscheinlich, dass die sich Bitte einiger Anwohner, ein Zebrastreifen auch an der Seite Richtung Dattelner Straße, in die Realität umsetzen lässt.

? Ein Problem sind laut Anwohnern auch LKW: Gibt es eine Möglichkeit, ihnen die Durchfahrt zu untersagen?

Auch das gehe nicht, sagte Klaus Dammers vom Kreis. Der Eckernkamp sei eine Straße, die eine Funktion jeglichen Verkehrs ermöglichen müsse. „Wir setzen mit der Fahrbahnbreite von 4,50 Metern darauf, dass Lastwagenfahrer sich da denken: Wenn ich da nicht unbedingt her muss, nehme ich lieber einen anderen Weg“, sagt Wilhelm Sendermann aber.

? Wie teuer wird das Ganze denn?

Die Maßnahme wird den Kreis insgesamt voraussichtlich 250.000 Euro kosten, wie Klaus Dammers auf Anfrage der Redaktion sagte. Der Kreis bemühe sich aber auch noch um eine Förderung.

? Kommen auf die Anwohner auch Kosten zu?

Nein. Bürgermeister Sendermann sagte, dass die Unterhaltungs-Maßnahme für die Anwohner beitragsfrei sei.

? Wann sollen die Planungen realisiert werden?

Das soll im Frühjahr 2021 passieren. Im März, wie Klaus Dammers sagte. Alles soll in einem Bauabschnitt passieren. Vier Wochen Baustelle sind dazu geplant. In einer dieser vier Wochen ist es den Anwohner dann unter Umständen nicht möglich, mit dem Auto zu ihrem Grundstück zu gelangen.

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