Drogenhandel: Jugendstrafen für Dealer aus Olfen und Lüdinghausen

dzGerichtsverhandlung

Ein 20-jähriger Olfener und ein 22-jähriger Lüdinghauser haben mit Drogen gehandelt. Über die Frage, ob sie nach Jugend- oder Erwachsenenrecht bestraft werden, gab es eine lange Diskussion.

von Eva-Maria Landmesser

Olfen/ Lüdinghausen

, 09.11.2019, 08:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Im Verfahren um zwei junge Drogendealer aus Lüdinghausen und Olfen ist nun das Urteil gefallen. Die dritte Strafkammer des Landgerichts Münster verurteilte den 20-jährigen Olfener sowie den 22-jährigen Mann aus Lüdinghausen jeweils zu Jugendstrafen von einem Jahr und zehn Monaten. Während beim Ersten die Strafe zur Bewährung ausgesetzt wurde, ordnete das Gericht beim Zweiten die Unterbringung in einer Entziehungsanstalt an.

Im Prozesstermin war bezüglich des 22-jährigen neben der Frage der Unterbringung auch der Umstand, ob Jugend- oder Erwachsenenstrafrecht angewendet wird, bis zuletzt strittig. So galt dieser beim ersten verabredeten Handel noch als Heranwachsender. Die weiteren sechs vorgeworfenen Taten hatte er als Erwachsener begangen.

Ein fortwirkender Effekt, ja oder nein?

Die Vertreterin der Staatsanwaltschaft und der Verteidiger diskutierten hier um die Geltung der sogenannten „Wurzeltheorie“, wonach Erwachsenenstrafrecht nicht zwingend zur Anwendung kommt, wenn die erste Tat, die als Heranwachsender begangen wurde, als auslösend für die weiteren Delikte angesehen wird.

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Diee Staatsanwältin verneinte jedoch den auslösenden und fortwirkenden Effekt der ersten Tat, da zwischen dieser und den weiteren mithin größere Zeiträume lagen, woraufhin sie eine Zäsur annahm. Der Strafverteidiger verwies hingegen auf den in der Kriminologie etablierten Unterschied zwischen „Hell- und Dunkelfeld“, welcher besagt, dass nur ein geringer Bruchteil der insgesamt begangenen Delikte letztlich aufgeklärt wird.

Angeklagte entschuldigten sich

Juristisch-spitzfindig stellte er damit weitere potenzielle Straftaten seines Mandanten in den Raum, um jedoch die von der Staatsanwaltschaft angenommene Zäsur zu widerlegen.Diee Kammer wendete schließlich Jugendstrafrecht an, da sie die Wurzel allen Übels in der Drogensucht des Angeklagten erblickte, welche bereits im Jugendalter begann.

Dabei betonte der Vorsitzende, dass auch beim 20-jährigen Erwachsenenstrafrecht hätte angewendet werden können. „Während im Erwachsenenstrafrecht der Schuldgedanke im Vordergrund steht, geht es im Jugendstrafrecht um den Erziehungsgedanken“, erklärte der Vorsitzende im Rahmen der Urteilsbegründung. Trotz der ebenfalls bejahten Schwere der Schuld, sah die Kammer den erheblichen Erziehungsbedarf der Angeklagten als ausschlaggebend an.

Nach den Schlussvorträgen entschuldigten sich beide wiederholt für ihre Taten und für die Nachteile, welche diese auch ihren Familien eingebracht hatten.

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