Die Teilnehmer als Stars: Warum Mitmachkonzerte so viel Spaß machen und gesund sind

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Den Refrain von „Marmor, Stein und Eisen bricht“ oder „Ti amo“ kennt jeder. Aber, wie geht‘s weiter? Diese Frage brauchten sich die Besucher des Mitsingkonzerts im Leohaus nicht zu stellen.

Olfen

, 19.11.2018, 05:28 Uhr / Lesedauer: 3 min

Mit Andreas Löbbecke und dem Liedtext auf der Leinwand konnten die sangesfreudigen Besucherinnen und Besucher am Freitagabend nach Herzenslust schmettern. Das war auch der Fall – aber erst später am Abend. Zuvor klang „Ein schöner Tag“ noch etwas verhalten. Damit hatte das Mitsingen begonnen.

Die Teilnehmer als Stars: Warum Mitmachkonzerte so viel Spaß machen und gesund sind

Textsicher konnten alle Besucher die gespielten Lieder im Leohaus mitsingen. © Antje Pflips

Doch nach und nach wurde es immer lauter, vollmundiger und fröhlicher. Die Sitzreihen hielt es auch nicht mehr auf den Stühlen bei Wolfgang Petris „Wahnsinn“. Eine angenehme Mischung aus schnellen, fröhlichen und getragenen und leisen Werken machten den Abend zu einem schönen Erlebnis. Oft brauchte Löbbecke nur die ersten Töne anzustimmen, dann folgte das Publikum ganz von allein. Aus voller Kehle und sicher in der Melodie ging das ganz gut. Zwischendurch wurden die Kehlen mit Wein und Bier geölt, um so noch besser mitzumachen. „Mit jedem Bier klingt Englisch noch runder“, meinte auch Löbbecke. Es war jedenfalls einfacher zu singen, als „Viva Colonia“ im kölschen Dialekt.

Textsicher bei Kölner Karnevalsliedern

Aber die fremden Wörter wurden durch Lautstärke wieder ausgeglichen. Kein Wunder, gehört das Kölner Karnevalslied auch zum Repertoire der Olfener Karnevalsfreunde. Paul Frölich und Dieter Krämer befanden sich in ihrem Element und gaben beide zu: „Es gefällt mir hier ganz gut.“

Lauthals bei Klaus Lages „1001 Nacht“

Nach „dem Gejammer von gerade“, damit meinte Löbbecke den Titel „Stark“ von Adel Tawil, folgte das rockige „Rocking all over the world“. Ein wohlklingendes Männertrio aus dem Publikum kam nun richtig in Fahrt und erhob seine tiefen Stimmen. Das ließ auch bei den folgenden Titeln nicht nach und so kam fast Partystimmung auf.

„Die Vibrationen, mit denen die Singstimme unseren Körper zum Schwingen bringt, verändert uns.“
Gunter Kreuz, Professor für Systematische Musikwissenschaft

Als der Text von „Let it be“ auf der Leinwand erschien, brauchte Löbbecke keinen Ton anzuspielen. Alle kannten die Melodie. Bei „Die kleine Kneipe“ hakten sich alle ein und wiegten sich im Takt. Klaus Lages „1001 Nacht!“ ließ wieder alle lauthals mitsingen. Bedächtiger war es bei dem Titel „Freiheit“ von Marius Müller-Westernhagen. Den kannten einige Mitsänger schon besonders gut aus dem Konzert des Projektchors vor einigen Wochen. „Ich finde die Mischung aus deutschen und englischen Titeln gut“, sagte Ute Gatzek, die mit Schwester und Nachbarin dabei war.

„Mitsingen macht einfach Spaß“

Sie waren gekommen, weil das Mitsingen einfach Spaß mache. Elke Ludwig kannte schon diese Konzertform, denn sie berichtete, dass sie vor einiger Zeit bei einer Mitsingaktion in Lüdinghausen dabei war. Sie fanden die Veranstaltung toll, bedauerten jedoch, dass zu wenig Besucher gekommen seien. Diejenigen, die dabei waren, hatten jedenfalls großen Spaß am Singen.

Nicht nur den Olfenerinnen und Olfenern macht das gemeinsame Singen Spaß. Rudelsingen liegt zurzeit im Trend. Seitdem sich vor mehr als sieben Jahren erstmals Veranstalter Hobbysänger - egal, ob mit Talent oder ohne, in jedem Fall mit Lust, laut mitzuschmettern - dazu eingeladen hatten, hat das Phänomen um sich gegriffen. Rudelsingen ist inzwischen eine geschützte Bezeichnung. In rund 100 Städten gibt es Angebote dazu. Das Nächste Rudelsingen in Münster ist am 12. Dezember, 19.30 Uhr, in der Jovel Music Hall am Albersloher Weg. Die Teilnahme kostet 13 Euro.

Mitsingen im Leohaus

Einen Euro weniger kostete es, im Leohaus mitzusingen. Statt Rudelsingen hatte Andreas Löbbecke sein Angebot Mitsingkonzert genannt: auch das ein schon lange bewährtes Programm. Im Raum Hattingen organisiert er regelmäßig solche Veranstaltungen. Was dort gut ankommt, war auch in Olfen ein Erfolg.

Ganz neu ist die Idee nicht. Bereits 2014 hatten die Olfener Landfrauen zum gemeinsamen Singen ins Forum der Gesamtschule eingeladen - und rund 110 Gäste kamen.

Professor: Glückshormone werden ausgeschüttet

Ob „Verdammt, ich lieb dich“ oder „Wahnsinn“: Singen macht nicht nur gute Laune, sondern auch gesund. Das Ärzteblatt verweist auf Gunter Kreuz, Professor für Systematische Musikwissenschaft an der Universität Oldenburg. Er fand in seinen Studien mit Chorsängern beispielsweise heraus, dass sich diese nach dem Singen nicht nur subjektiv wohler und entspannter fühlten, sondern es auch tatsächlich waren.

„Das gemeinsame Singen und Musizieren wirkt sehr positiv in Familien hinein.“
Gunter Kreuz, Professor für Systematsiche Musikwissenschaft

„Das aktive Singen führte zu einer vermehrten Ausschüttung des sogenannten Kuschelhormons Oxytocin, einer erhöhten Produktion von Immunglobulin A und einer Verminderung der Konzentration des Stresshormons Cortisol“, berichtete das Deutsche Ärzteblatt bereits 2015.

Nicht nur für die Gesundheit jedes einzelnen, sondern auch für die Familienbeziehung ist Singen heilsam, wie Kreutz erforscht hat. Zusammen mit einem Kollegen hatte er dafür Daten zum Freizeitverhalten von 839 Familien mit Kindern im Alter zwischen sieben und 14 Jahren ausgewertet, die insgesamt vier Mal im Abstand von zwei Jahren befragt wurden. Je öfter gesungen wurde, desto besser der Familienverband. „Das gemeinsame Singen und Musizieren wirkt sehr positiv in Familien hinein“, so Kreutz. Er führt das darauf zurück, dass Sinneswahrnehmungen und Aufmerksamkeit beim Musizieren eine große Rolle spielen.

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