Der Familienkreis Kunterbunt aus Olfen engagiert sich in Kajunguti in Tansania. Der Verein unterstützt dort ein Krankenhaus - und weiß auch, wie vor Ort mit dem Coronavirus umgegangen wird.

von Maria Niermann

Olfen

, 28.06.2020, 12:30 Uhr / Lesedauer: 3 min

Das Cornavirus ist nun auch in Afrika angekommen, hört man in Nachrichten. Und - auch dort – wird es in erster Linie die arme Bevölkerung treffen, lauten die Voraussagen. Und wer kann schon sagen, wie die nicht immer demokratisch geführten Regierungen mit der Pandemie und den veröffentlichten Zahlen umgehen?

Zehn Olfener Familien haben einen kleinen Einblick in das Geschehen in Kajunguti, im Nordwesten Tansanias, nahe der Grenze zu Uganda erhalten. Der Familienkreis Kunterbunt, so haben sich die Familien bei ihrer Gründung 1998 genannt, haben seit 2005 engen Kontakt nach Kajunguti, haben den Aufbau der dortigen Kranken- und später der Entbindungsstation finanziell unterstützt. Initiativen der Familienkreis-Mitglieder, wie das Fastenessen und die Sternsingeraktion, aber auch Einzelspender, haben dem Familienkreis diesen finanziellen Einsatz ermöglicht.


Krankenhäuser bereiteten sich früh auf die Pandemie vor

Garant für den guten Kontakt nach Tansania ist die Leiterin der Station, Schwester Emilia. Besonders sie hält den Kontakt nach Olfen. Einige Olfener haben Kajunguti inzwischen besucht und auch Schwester Emilia war in Olfen. „Wenn Du einmal in Kajunguti warst, dann ist es Dir ein solches Anliegen zu helfen. Du kannst gar nicht anders.“ Das sagt Helga Eckmann vom Familienkreis. Der Kontakt ist gewachsen, er ist eng. Früher per Brief und E-Mail, heute sind es die WhatsApp-Nachrichten, die hin und her gesendet werden.

Gemeinsam mit Marlies Eckmann berichtet Helga Eckmann über die Vorbereitungen der Krankenstation Kajunguti auf die Corona-Pandemie.

„Schon sehr früh, Mitte März, hatte Schwester Emilia von der tansanischen Gesundheitsorganisation die Vorgabe bekommen, die Krankenstation auf mögliche Corana-Fälle vorzubereiten“, berichtet Marlies Eckmann. Schwester Emilia sollte eine Grundausstattung bereitstellen: einen Sauerstoffkonzentrator, Masken, Handschuhe, Schutzkleidung, Liege, Rollstuhl und Desinfektionsmittel. Da sie keinerlei finanzielle Mittel für diese Dinge hatte, wendete sie sich mit einem Hilferuf an die Olfener Familien. Und die handelten schnell: Eine kurze Abfrage unter den zehn Mitgliedsfamilien und schon waren die ersten 4000 Euro unterwegs.

Seit vielen Jahren die Treue halten

„Unsere Überweisungen laufen grundsätzlich über die Hilfsorganisation Missio. Dann müssen wir keinerlei Gebühren zahlen“. Das sagt Marlies Eckmann. Sie ist, gemeinsam mit Elisabeth Prott-Elbers, in dem Kreis zuständig für die Finanzen. „Wirklich keine Gebühren? Man hört doch immer wieder, dass Teile von Spendengeldern für die Verwaltung draufgehen? Und so eine Überweisung dauert doch bestimmt furchtbar lange?“ So lautete unsere skeptische Frage unserer Redaktion. Aber – wir lernen - das Gegenteil ist der Fall. „Missio überweist einmal wöchentlich Spendengelder an die Empfänger. Und wir bekommen nur wenige Tage später von Schwester Emilia die Eingangsbestätigung über das Handy“, so Marlies Eckmann. „Und die Spendensumme kommt 1:1 in der Krankenstation Kajunguti an. Das ist Fakt.“

Marlies Eckmann zeigt uns auf ihrem Handy die genaue Aufstellung aller Einkäufe für die Corona-Vorbereitung in Kajunguti. Gleichzeitig schickte Schwester Emilia etliche Fotos, die die Ankunft der Schutzprodukte dokumentieren.

„Uns freut auch sehr, dass Menschen in Olfen und Umgebung uns seit vielen Jahren die Treue halten, immer wieder spenden. Einige haben uns tatsächlich in dieser Corona-Zeit angesprochen und gefragt, wie es den Menschen in Tansania gehe, und ob Hilfe nötig sei.“ Das ist in diesen Tagen umso wichtiger, da den Mitgliedern des Familienkreises in diesem Jahr die gute Einnahmequelle des Fastenessens durch die Corona-Krise weggebrochen ist. Aufgrund der Spendenbereitschaft konnten sie trotzdem sofort helfen, als Schwester Emilias Hilferuf eintraf. „Unser Dank gilt diesen Spendern“, so Helga und Marlies Eckmann.

Drei Corona-Fälle in Kajunguti

Inzwischen sind drei Corona-Fälle in Kajunguti behandelt worden, zusätzlich war ein Mitarbeiter der Krankenstation im Grenzgebiet zu Uganda unterwegs um eine Regierungsdelegation bei ihren Corona-Untersuchungen zu unterstützen.

Am 18. Juni kam dann der zweite Hilferuf: Die Regierung fordert Schwester Emilia auf, die Corona-Kranken zu isolieren. „Das ist in dieser kleinen Station eigentlich nicht möglich“, so Helga Eckmann. „Ich weiß nicht wie Schwester Emilia das organisieren wird.“ Und wieder benötigt die Ordensfrau schnelle Hilfe. Die Olfener konnten noch einmal 4000 Euro überweisen. Dabei bekamen sie dann ein gute Nachricht von Missio: „Wir stocken Ihre Spendensumme um 20 Prozent der Summe auf. Missio hat einen Spendentopf geöffnet, aus dem die Organisation Corona-Spendengelder aufstocken kann“, hatte das Hilfswerk gesagt. Somit wird das Engagement der zehn Familien doppelt belohnt.

Mehr Informationen zum Projekt gibt es auch Online unter: https://www.vitus-olfen.de/personen-gruppen/gruppen-vereine/familienkreis-kunterbunt/
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