Corona-Krise in Olfen: Ertrag der Spargelernte hängt auch davon ab, ob es genug Helfer gibt

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Die Corona-Krise bringt auch die heimischen Spargelbauern in die Bredouille. Dürfen Erntehelfer aus Osteuropa einreisen? Die Antwort auf die Frage wird Auswirkung auf die Spargelernte haben.

Olfen, Vinnum

, 25.03.2020, 15:10 Uhr / Lesedauer: 3 min

Dem Spargel ist es egal, ob zum Beispiel ein Coronavirus Ausnahmesituationen schafft. Wenn die Pflanze raus will, dann will sie raus. Doch in diesem Jahr könnte die Ernte beeinträchtigt sein. Denn die große Unwägbarkeit für die Spargelbauern ist: Dürfen Erntehelfer aus Osteuropa nach Deutschland einreisen oder macht die Corona-Krise ihnen und damit den heimischen Bauern einen Strich durch die Rechnung? Wir haben bei zwei Spargelhöfen nachgefragt. Zwei Höfe, zwei ganz unterschiedliche Situationen.

„Wir haben wegen Corona zunächst mal abgewartet“, sagt Lars Hittscher, Leiter des landwirtschaftlichen Betriebes des Schlosses Sandfort in Vinnum auf Anfrage der Redaktion. „Jetzt haben wir mit den Vorbereitungen begonnen.“ Denn einige Erntehelfer aus Polen und Rumänien seien schon da. Ein Helfer sei schon gekommen, bevor es Einreisebeschränkungen an Grenzen in Osteuropa gegeben habe, zwei Helfer seien eingereist, als es schon Probleme in Ungarn gegeben habe, als Menschen auf einmal weder aus-, noch einreisen durften. „Die beiden haben es aber dennoch geschafft, zu kommen.“ Ein weiterer Helfer werde im Laufe des morgigen Tages erwartet. „Ich schicke zurzeit Arbeitsverträge und Pendlerbescheinigungen rüber“, sagt Hittscher. Zwei weitere Helfer sollen am Wochenende in Vinnum ankommen.

Absagen aus Polen wegen Gefahr durch Coronavirus

Es habe aber Absagen von Erntehelfern gegeben. Warum? „Sie haben die Sorge, dass sie nicht wieder nach Polen kommen.“ Es sei die Angst, dass der polnische Staat ihnen die Wiedereinreise in ihr Heimatland verweigern könnte, so hätten sie es ihm geschildert, berichtet Lars Hittscher. „Ich habe dafür großes Verständnis“, erklärt Hittscher. „Wir haben ja schon langfristige Kontakte zu den Leuten. Ich kann das absolut verstehen.“

Unter diesen Umständen eine Spargelernte zu organisieren, ist bestimmt nicht einfach, oder? „Deshalb haben wir zunächst mal abgewartet, wobei ich inzwischen ganz zuversichtlich bin“, so Hittscher. Der Betrieb Schloss Sandfort sei auf der Suche nach Erntehelfern auf verschiedenen Plattformen registriert. „Außerdem gibt es einen wahnsinnigen Zuspruch von deutschen Studenten, von kenianischen Studenten, von Leuten, die zum Beispiel in Teilzeit arbeiten.“

Bis zu 25 Helfer bräuchte der Betrieb des Schlosses Sandfort für die Spargelernte. Auf dem Feld, für die Spargelsortierung und dann auch im Hofladen für den Verkauf. „Das ist Stand jetzt gesichert“, berichtet der Leiter des landwirtschaftlichen Betriebes des Schlosses Sandfort. „So dass wir relativ normal agieren können.“

Viel Sonne und Folie

Wie sieht es denn jetzt eigentlich auf den Spargelfeldern aus? „Wir haben die frühen Spargelfelder mit schwarzer Folie bedeckt, so dass die Sonne noch besser wirken kann. Wir haben ja zurzeit viel Sonne, so dass ich davon ausgehe, dass zwischen dem 3. und 10. April der erste Spargel geerntet werden kann.“

Ist das dann die normale Erntezeit, wie in den Jahren zuvor auch? „In den vergangenen Jahren ist es immer früher geworden“, sagt Lars Hittscher. „Erstens wegen der Witterung und zweitens, weil wir Minitunnel mit auf die Felder gebracht haben.“ Das sei in diesem Jahr nicht möglich gewesen, weil es sehr arbeitsintensiv sei, und es nicht klar war, wie viel Personal zur Verfügung stehen werde. Dafür, dass jetzt wieder die alte Methode mit einfacher Folienabdeckung eingesetzt werde, sei die Ernte relativ früh. „Weil wir einen relativ milden Winter hatten und jetzt diese wahnsinnigen Sonnenstunden haben.“

Im Kökelsumer Hofladen wird es bald Spargel geben. Ob in der gewohnten Menge, hängt auch von der Anzahl der Erntehelfer ab.

Im Kökelsumer Hofladen wird es bald Spargel geben. Ob in der gewohnten Menge, hängt auch von der Anzahl der Erntehelfer ab. © Arndt Brede

Noch früher könnte die Spargelernte des Hofes Schulze Kökelsum beginnen. Und das unter erschwerten Bedingungen, wie Seniorchefin Maria Schulze Kökelsum auf Anfrage sagt: „Es wird auf jeden Fall Spargel geben. In welchem Umfang und in welcher Menge, das hängt davon ab, wie viele Arbeitskräfte wir bekommen. Wir werden keine Arbeitskräfte aus Rumänien und Polen bekommen.“ Die Kräfte, die zum Hof Schulze Kökelsum kommen sollten, erhalten laut Maria Schulze Kökelsum keine Einreisegenehmigung. „Das ist ein Riesenproblem für uns.“

Ganze Familie packt mit an

Wie löst es der Hof Schulze Kökelsum denn dann? „Wir müssen es irgendwie lösen, wenn auch vielleicht nicht in dem Umfang, wie wir sonst ernten konnten. Aber wir werden zumindest anfangen, wahrscheinlich schon nächste Woche.“ Mit welchen Kräften? „Mit hiesigen Arbeitskräften. Es haben sich zum Glück schon etliche Menschen telefonisch bei uns gemeldet, die zurzeit Kurzarbeit bekommen. Wir hoffen, dass das funktioniert.“ Und auch die gesamte Familie Schulze Kökelsum werde mit anpacken, sagt Maria Schulze Kökelsum.

Ob sie Schüler einsetzen kann, die ja derzeit keinen Unterricht haben, wisse sie noch nicht. Wie sieht es mit Studenten aus? „Die melden sich nicht, dafür aber Ältere.“ Frauen und Männer zwischen 50 und 60 Jahren seien es, die sich gemeldet haben. Diese Menschen müssen aber erst mal in die Spargelernte eingearbeitet werden, sagt Maria Schulze Kökelsum. „Mein Mann, unser Mitarbeiter und ich nehmen jeweils eine Gruppe mit und müssen sie ganz langsam anleiten.“

Dass auf dem Hof Schulze Kökelsum bereits voraussichtlich in der kommenden Woche Spargel geerntet werden kann, liegt laut Maria Schulze Kökelsum daran, dass neben Folien auch Minitunnel zum Einsatz kommen. Die derzeitigen Sonnenstunden wirken sich wegen der Kombination Folien/Tunnel stark auf die Erntereife des Spargels aus.

Übrigens: Wer beim Spargelstechen helfen möchte, kann sich laut Maria Schulze Kökelsum beim Hof Schulze Kökelsum melden: Tel. (02595) 1073.

Ergänzung: Dieser Text ist entstanden, bevor das Bundesinnenministerium am Mittwochabend, 26. März, ein Einreiseverbot für Saisonarbeiter im Kampf gegen das Coronavirus angeordnet hat.

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