Riesenwels in Olfen: Ist es normal, dass ein Fisch in der Lippe so groß wird?

dzAngeln in der Lippe

Ein über zwei Meter großer Wels wurde aus der Lippe gezogen. Ist das überhaupt erlaubt und sind so große Tiere normal? Das beantwortet uns der Olfener Fischereiverein.

Olfen

, 27.08.2020, 10:05 Uhr / Lesedauer: 2 min

Das Foto des riesigen Wels, der Anfang August aus der Lippe gezogen wurde, verbreitete sich rasant in sozialen Netzwerken: Ein Dattelner hatte den 2,40 Meter langen und 82 Kilo schweren Fisch in Olfen geangelt. Gerade bei Facebook hatten Nicht-Angler daraufhin einige Fragen. Wir haben bei Claus Bunte, dem Vorsitzenden des Olfener Fischereivereines, nachgefragt.

? Kommen so große Fische in der Gegend häufiger vor?

„Ich kenne niemanden, der einen 2-Meter-Wels aus unseren Gewässern gezogen hat“, sagt Claus Bunte. In südlichen Ländern wie Spanien und Italien seien dermaßen gewaltige Tiere häufiger. Die Welse, die die Olfener Angler fangen, sind in der Regel nur halb so groß wie der Riesenwels. Auch andere Fische, die in der Lippe und Stever unterwegs sind, hätten nicht diese Dimensionen.

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? Wie schmeckt so ein großes Tier?

„Ich kann nicht vom Wels sprechen, habe schon von vielen Anglern gehört, dass große Karpfen, die 20 Jahre alt sein können, und Aale, die wie der Wels gut 50 Jahre alt werden, nicht mehr so frisch schmecken“, sagt Claus Bunte. Der Angler, der den 2,40 Meter-Wels an Land zog, konnte sich nicht zum Geschmack äußern - er mag generell keinen Fisch. Seiner Familie habe er jedoch geschmeckt.

? Darf jeder einfach so in der Lippe angeln?

Grundsätzlich braucht man einen Fischereischein. Den bekommen Interessierte, wenn sie einen Kurs belegt und eine entsprechende Prüfung abgelegt haben. Doch dann kann nicht einfach so drauflos geangelt werden: Entweder, der Angler wird Mitglied in einem Verein, der dem Landesfischereiverband angeschlossen ist, oder er besorgt sich eine Gastangler-Karte bei einem solchen Verein. Dann darf er in den Gewässern angeln, die dem Verein zugewiesen sind. Der Olfener Fischereiverein ist an der Stever aktiv, hat aber auch Nutzungsrechte für die Lippe.

? Darf man gefangene Fische einfach mitnehmen?

Nicht jeder Fisch darf mitgenommen werden: Manche Arten haben Schonzeiten, in denen sie nicht geangelt werden dürfen. „Natürlich kann man kein Schild an den Haken machen, auf dem steht ‚Bitte kein Hecht‘ und dann halten sich die Hechte fern“, sagt Bunte. Es kann passieren, dass man Arten an der Angel hat, die man gar nicht angeln darf. Der Wels hingegen gehört zu den Fischen, die keine Schonzeiten haben.
Ein anderer Fall: Der Fisch ist zu klein. Viele Arten haben Mindestgrößen. Sind die Tiere kleiner, müssen sie zurück ins Wasser, und das ganz vorsichtig. Bei der Mindestgröße ginge es laut Bunte darum, dass die Tiere sich mindestens einmal reproduziert haben sollten, bevor sie geangelt werden. „Wenn man so einen kleinen Fisch zurücksetzt, sagt man ihm dann sowas wie ‚Gute Reise, schick doch mal deinen Papa vorbei‘“, scherzt der Vorsitzende des Fischereivereins. Eine Höchstgröße gibt es nicht: Die ganz dicken Fische dürfen also mitgenommen werden.

? Was schwimmt sonst noch so in den heimischen Flüssen?

In der Stever sind häufig Rotaugen, Brassen, Barsche, Rapfen und Aale unterwegs. Neuerdings wurden Quappen dort angesiedelt, die einzigen Süßwasservertreter der Familie der Dorsche. Immer wieder fände man aber auch Tiere in Stever und Lippe, die dort gar nicht hingehören. Buntbarsche, griechische Schildkröten und Störe, die zu groß geworden sind, werden dort häufiger ausgesetzt.

? Ist es schwer, so einen großen Fisch zu angeln?
„Einen 82-Kilo-Fisch alleine zu angeln ist extrem anstrengend. Das Tier lässt sich nicht wie ein Sack einfach aus dem Wasser ziehen - der Fisch hat da ja was gegen. Dem greift man dann in die Kiemen, zieht mit ganzer Kraft und kommt ins Schwitzen. Meistens muss man mit dem Tier noch eine Böschung hoch - wenn der Angler des Riesen-Welses das wirklich alleine geschafft hat, ist er sehr sportlich“, sagt Bunte.

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