Esel, Störche und Heckrinder gehören zum Olfener Stadtbild schon lange dazu. Etwas neuer sind da die Alpakas, die auf dem Hof von Anita Schlüter zu finden sind. Und es werden noch mehr.

Olfen

, 02.07.2020, 08:30 Uhr / Lesedauer: 3 min

Ein verregneter Morgen in Olfen, eine grüne Wiese auf einem Bauernhof, ein kleiner Unterstell-Schuppen. Doch die Tiere, die sich nach einem Regenschauer etwas untergestellt haben und nun ins Freie gehen, sind keine Kühe oder Esel. Mit ihren großen schwarzen Augen, den langen, schlanken Hälsen und ihrem wuscheligen Haarwuchs stehen sie da, die drei Alpakas und blicken auf die Menschen, die da kommen.

Anita Schlüter holt einen Eimer, um die Tiere zu füttern und etwas aus der Reserve zu locken. Das braune Alpaka, Sylvester, kennt das schon. Gierig nimmt er die Pellets aus dem blauen Eimer, den Anita Schlüter ihm hinhält. Er lebt schon seit mehr als zwei Jahren gemeinsam mit zwei weiteren männlichen Alpakas, die aktuell auf einer anderen Wiese untergebracht sind, auf dem Hof. Die beiden Damen - beide mit weißem Fell - leben erst seit zwei Wochen auf dem Hof und müssen sich noch etwas mehr an das Füttern durch Menschen gewöhnen. Sie schreiten nur vorsichtig Richtung Eimer.

Die beiden Alpaka-Stuten schauen neugierig nach draußen.

Die beiden Alpaka-Stuten schauen neugierig nach draußen. © Sabine Geschwinder

Anita Schlüter lächelt, während sie die Tiere füttert. Auf die Wiese kommt sie gern, „um Kraft zu sammeln“, wie sie sagt. Wegen einer Krankheit ging es ihr immer wieder schlecht, aber Tiere helfen ihr „immer wieder Mut zu sammeln, um weiterzugehen“, erzählt sie. Irgendwo hat sie mal gelesen, dass Delfine als das Licht des Wasser gelten und Alpakas als das Licht der Erde, „wenn man lange mit ihnen Blickkontakt hält, dann merkt man das“, sagt Anita Schlüter.

Warum eigentlich Alpakas?

Wenn man sie fragt, warum es eigentlich gerade Alpakas waren, die sie so fasziniert haben, denkt sie kurz über ihre Antwort nach. „Angefangen hat das eigentlich mit der Wolle“, erzählt sie und holt zum Beweis eine wollig-warme Decke hervor. Die hatte sie erstmals mit 16 oder 17 Jahren in der Hand und war irgendwie vom Gefühl davon begeistert. Damals sah sie auch erstmals Fotos von Alpakas. „Irgendwann möchte ich diese Tiere haben“, sagt sie sich. „Es ist für mich keine Mode“, macht sie klar. Es war ein Traum, den sie hoffte, irgendwann verwirklichen zu können.

Und so kam es dann auch. Bei den Landfrauen hört sie irgendwann einen Vortrag von Robin Näsemann vom Gut Aldenhövel in Lüdinghausen. Die Familie hat seit 2005 Alpakas, inzwischen sind es etwa 100. Die Familie züchtet die Tiere auch und bietet Produkte und Veranstaltungen rund um das Thema Alpaka an. Wie Robin Näsemann bei dem Vortrag über die Alpakas spricht, das gefällt Anita Schlüter.

Viel über Alpakas gelernt

Bei einem Besuch auf dem Gut darf sie auf die Wiese mit den Alpakas, steht dort eine ganze Weile und kommt schließlich immer wieder. Sie macht einen Kurs, um zu lernen, wie man mit Alpakas umgeht.

Alpakas kommen aus den südamerikanischen Anden. Die meisten von ihnen leben in Peru. Geschätzt werden sie vor allen Dingen wegen ihrer Wolle. Aber nicht nur. Sie werden auch in der Tiertherapie eingesetzt, weil sie als ruhig und beruhigend gelten. „Es sind Herdentiere, man sollte sie nie alleine halten“, weiß Anita Schlüter. Die Tiere bräuchten außerdem ihre Freiheit, keinen Zwang. Die Tiere bekommen täglich frisches Wasser, Pellets und fressen ansonsten Gras. Einmal im Jahr werden sie geschoren. Das machen Anita Schlüter und ihre Familie allerdings nicht selbst, sondern sie lassen es auf dem Hof Aldenhövel machen. Dort bleibt dann auch die Wolle der Tiere.

Nachwuchs auf dem Hof

Seit 2018 leben Monty, Sylvester und Fisherman’s Friend bei der Familie. Das mit den Alpakas geht auch nur, weil die ganze Familie sie unterstützt und die Tiere ebenfalls liebt, erzählt Anita Schlüter. Zunächst kamen die drei Alpakas testweise auf den Hof. Weil das gut geklappt hat, durften sie bleiben.

Anita Schlüter genießt es, bei ihren Alpakas auf der Weide zu sein.

Anita Schlüter genießt es, bei ihren Alpakas auf der Weide zu sein. © Sabine Geschwinder

Anita Schlüter hat die Tiere rein privat. Sie bietet keine Veranstaltungen rund um die Tiere an. Wenn man sie fragt, dürfen Bekannte gern auch mal auf die Wiese und ein bisschen von der Ruhe der Alpakas profitieren. Ansonsten gehen die Alpakas auch mal spazieren - an der Leine klappt das ganz gut.

Einen weiteren Aspekt des Lebens mit den Alpakas werden Anita Schlüter und ihr Mann Albert ebenfalls bald kennen lernen: wie es ist, wenn kleine Alpakas auf die Welt kommen. Die beiden Stuten sind nämlich bereits trächtig. Wobei, eigentlich ist das mit dem „bald“ so eine Sache: Die Tragzeit bei Alpakas beträgt nämlich fast ein ganzes Jahr: 340 bis 345 Tage. Aber, sich Zeit zu lassen und nicht zu hetzen, gehört offensichtlich für die Alpakas auch bei diesem Aspekt ihres Lebens fest mit dazu.

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