Antje Appel-Hittscher und Lars Hittscher mit den Kindern Ida, Hannes und Michel sind große Karnevalsfans. © Thomas Aschwer
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5. Jahreszeit fällt aus – was bekannte Olfener besonders vermissen

Schneemassen und andere Wetterkapriolen haben den Nelkendienstagsumzug in Olfen nicht verhindern können, die Corona-Pandemie schon. Was vermissen Olfenerinnen und Olfener ganz besonders?

Die beiden Kalender im Wohnzimmer der Familie Hittscher in Vinnum lassen keine Zweifel aufkommen: Hier wird Karneval gelebt. Und das sehr intensiv. Inklusive besonderer Dekoration und Hausparty. „Wir sind an Karneval viel unterwegs“, sagt Antje Appel-Hittscher. Ob beim Vinnumer oder beim Pfarrkarneval, Antje Appel-Hittscher und ihr Mann Lars Hittscher genießen die fünfte Jahreszeit absolut. Dazu gehört auch, dass Antje Appel-Hittscher beim Umzug Mitglied einer Fußgruppe ist. „Dabei ist auch eine Freundin aus Münster, die seit rund zehn Jahren nur wegen des Umzugs nach Olfen kommt.“ Die Begeisterung für den Karneval hat längst auch die drei Kinder Ida, Hannes und Michel erfasst.

Franz-Josef Schulte im Busch, ohne Zweifel ein „Urgestein“ des Olfener Karnevals hat bereits ganz ungewöhnliche Wochen hinter sich. „Seit Jahrzehnten wird bei uns in der Scheune zwischen Weihnachten und Neujahr der alte Mottowagen abgebaut. In den Wochen bis Karneval treffen sich dann immer 12 bis 15 Wagenbauer bei uns, um den neuen Wagen zu bauen. Das sind immer sehr gesellige Abende“, sagt Schulte im Busch.

Franz-Josef Schulte im Busch ist dem Nelkendienstagsumzug seit Jahrzehnten eng verbunden. Früher führten er mit anderen Reitern den Zug an, seit vielen Jahren fährt er einen Mottowagen.
Franz-Josef Schulte im Busch ist dem Nelkendienstagsumzug seit Jahrzehnten eng verbunden. Früher führten er mit anderen Reitern den Zug an, seit vielen Jahren fährt er einen Mottowagen. © Archiv Schulte im Busch © Archiv Schulte im Busch

Gemütliche Treffen, die er sehr vermisst wie auch die Teilnahme am traditionellen Nelkendienstags-Umzug. „Seit mehr als 40 Jahren bin ich dabei, zunächst als Reiter des RV Lützow, später als Schlepperfahrer“, sagt Franz-Josef Schulte im Busch. Immer mit großer Begeisterung. „1969 haben wir vor Nelkendienstag mit Schlepper und Anhänger extra Schnee aus der Stadt herausgefahren, damit der Umzug stattfinden konnte.“

„Wir können dauerhaft lachen – nicht nur in der 5. Jahreszeit.“

Astrid Diekerhoff, die sich seit vielen Jahren zusammen mit den Landfrauen und auch mit Soloauftritten im Karneval engagiert, vermisst ganz besonders die Vorbereitungszeit. „Wir haben immer viel Spaß gehabt“, sagt Astrid Diekerhoff. Aber es habe auch immer gute Gespräche gegeben, über den Karneval und den geplanten Auftritt natürlich – aber auch über viele andere, oft auch private Themen. „Dieses Zusammensein fehlt sehr.“

Angelika Ahmann (l.) und Astrid Diekerhoff von den Landfrauen bei der 17. Prunksitzung des Vinnumer Karneval Komitees (VKK).
Angelika Ahmann (l.) und Astrid Diekerhoff von den Landfrauen bei der 17. Prunksitzung des Vinnumer Karneval Komitees (VKK). © Antje Pflips © Antje Pflips

Denn mit der Aufführung war kein Schlusspunkt gesetzt. Wenn längst Aschermittwoch vorbei war, haben sich die Landfrauen getroffen, um sich den Film von der Feier anzusehen. Ein unterhaltsamer Abend sei garantiert gewesen. Astrid Diekerhoff hat angesichts der Corona-Pandemie und der abgesagten Karnevalsveranstaltungen einen interessanten Vorschlag, der auch ein Vorsatz sein könnte: „Wir können dauerhaft lachen – nicht nur in der 5. Jahreszeit.“

Moderator Werner Kossmann im Gelben Haus.
Moderator Werner Kossmann im Gelben Haus. © Weitzel (A) © Weitzel (A)

„Ich habe mich mit der Situation abgefunden“, sagt Werner Kossmann. Leicht gefallen ist ihm das aber nicht. Kein Wunder: Gleich fünfmal war er Mitglied eines Elterrates in Olfen, einmal sogar Zeremonienmeister. Keine Frage, Werner Kossmann kennt viele Olfener. Und viele Menschen kennen ihn – vor allem auch von den Nelkendienstagszügen, die er seit vielen Jahren kommentiert. Kossmann ist dazu begeisterter Wagenbauer. „Diese Treffen und das Zusammenkommen hier und bei den verschiedensten Veranstaltungen fehlt mir wirklich.“ Dazu gehört auch die große Karnevalsfeier, die traditionell an der Wieschhofgrundschule Olfen am Freitagmorgen nach Weiberfastnacht stattfindet. In diesem Jahr natürlich nicht. Werner Kossmann wird sie wie vielen Mädchen und Jungen fehlen.

Der Karneval fällt in der Pandemie aus – der geplante Urlaub auch

Einfach nur Zufall oder „glückliche Fügung“? Franz Pohlmann, Vorsitzender der Bürgerstiftung, wollte ein Jahr Auszeit vom Urlaub nehmen. Das Alternativprogramm – ein Urlaub mit der Frau, war geplant. Der fällt jetzt aber aus – wie auch der Karneval. Pohlmann vermisst in der Pandemie vor allem die sozialen Kontakte – „einfach mal mit Bekannten oder Freunden ein Glas Bier trinken, entspannte Gespräch führen, mal wieder zusammenkommen.“ Franz Pohlmann wurde der Karneval übrigens in die Wiege gelegt. Sein Vater war Johann, Franz Pohlmann dann 1988 Prinz. Sein Sohn ist in der Garde, die Enkel sind im Kitt aktiv.

Pfarrer Thorsten Melchert sagt, „dass in der Pandemie die Unbeschwertheit fehlt“. Die Karnevalsveranstaltungen sind aus seiner Sicht „schön“. Doch darum gehe es weniger. „Viel wichtiger ist, wie die Menschen sich begegnen.“ Und dies sei im Olfener Karneval besonders. Sie kommen ins Gespräch und sind unbeschwert. Und diese besondere Form der Begegnung vermisst Pfarrer Melchert ganz besonders.

Angelika Ahmann denkt ganz besonders an die Jugendlichen

Für Georg Lackmann ist die fünfte Jahreszeit die „schönste Form der Geselligkeit in den kurzen Wintertagen“. Er vermisst deshalb ohne den Karneval, „über Dinge zu lachen, fünfe gerade sein zu lassen, soziale Kontakte. Dazu komme, dass der Karneval in Olfen „gelebte Tradition ist“. Er freut sich, dass der Kitt in der Pandemie „so kreativ ist“. Wie auch Franz Pohlmann wird er das Onlnie-Angebot des Vereins nutzen.

Kreativ und spontan waren der Kitt und die Karnevalisten schon immer. Als vor Jahrzehnten am Samstag vor Nelkendienstag die Zahl der Mottowagen eher klein war, bauten Franz-Josef Schulte im Busch und andere
Kreativ und spontan waren der Kitt und die Karnevalisten schon immer. Als vor Jahrzehnten am Samstag vor Nelkendienstag die Zahl der Mottowagen eher klein war, bauten Franz-Josef Schulte im Busch und andere „über Nacht“ einen Wagen. Thema war der Bau des Schliekerparks. © Archiv Schulte im Busch © Archiv Schulte im Busch

Die Vinnumerin Angelika Ahmann von den Landfrauen denkt ganz besonders an die Jugendlichen. „Man ist nur einmal jung.“ Deshalb ist aus ihrer Sicht der Ausfall des Karnevals für die „Jugendlichen viel schlimmer“. In der WhatsApp-Gruppe der Landfrauen sprechen die engagierte Karnevalisten übrigens nicht vom Ausfall, sondern vom Sabbat-Jahr. Es ist übrigens nicht das erste Mal, dass die Landfrauen nicht beim Karneval aktiv sind. Doch es gibt einen großen Unterschied: Diesmal ist der Verzicht nicht freiwillig. Wie sie hoffen wohl viele Olfener auf das Jahr 2022 – und eine prächtige 5. Jahreszeit.

Über den Autor
Redaktion Selm
Journalist aus Leidenschaft, Familienmensch aus Überzeugung, Fan der Region. Als Schüler 1976 den ersten Text für die Ruhr Nachrichten geschrieben. Später als Redakteur Pendler zwischen Münsterland und Ruhrgebiet. Ohne das Ziel der Arbeit zu verändern: Die Menschen durch den Tag begleiten - aktuell und hintergründig, informativ und überraschend. Online und in der Zeitung.
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Thomas Aschwer

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