Ob sie feiern? Party anlässlich eines runden Geburtstags? Antwort: „Sicher, irgendwann in diesem Jahr.“ Bei aller Bescheidenheit: Die UWG Olfen hat durchaus Grund zum Feiern.

Olfen

, 09.06.2019 / Lesedauer: 4 min

Es war am 19. Mai 1999, als sich in Olfen die Unabhängige Wählergemeinschaft (UWG) gründete. 20 Jahre später erinnern sich die Vorstandsmitglieder Monika Linau, Axel Ellertmann und Heinz-Dieter Brosz im Gespräch mit der Redaktion an die Anfänge, die bisherigen zwei Jahrzehnte und blicken in die Zukunft.

Aus einer Bürgerinitiative entstanden

1999: Was war da los? Wie hat es angefangen mit der UWG? Monika Linau erzählt: „Schon damals herrschte Politikverdrossenheit. In Olfen dominierte die CDU die Kommunalpolitik. Die anderen Parteien passten sich an, waren kaum sichtbar.“ Damals, so Monika Linau weiter, gründeten sich in vielen Städten parteipolitisch unabhängige Vereine. Sie seien bei Kommunalwahlen sehr erfolgreich gewesen.

Damals, am Ende des Jahrtausends, stand die Bundesstraße (B) 474n - also quasi die Verlängerung der Autobahn 45 nach Norden und damit auch nach Olfen - im Bundesverkehrswegeplan. „Aus der Bürgerinitiative gegen diese Bundesstraße heraus gründete sich mit weiteren engagierten Bürgern die UWG“, berichtet Monika Linau.

20 Jahre UWG Olfen: Wo Olfen drauf steht, ist auch viel UWG drin

Auch der Kampf gegen die Umgehungsstraße K8n bestimmte das politische Wirken der UWG Olfen. © UWG

Aus dem Stand vier Ratsmandate geholt

Die UWG trat bei den Kommunalwahlen wenige Monate später an und holte prompt vier Ratsmandate in Olfen. Neben dem Ziel, die B474n zu verhindern, sei die UWG auch angetreten, „um frischen Wind in die Kommunalpolitik zu bringen“, wie Linau es formuliert. „Wir wollten die verkrusteten Machtstrukturen aufzeigen und aufbrechen.“

Axel Ellertmann ergänzt: „Wir wollten in Olfen was bewegen.“ Mehr als 20 Menschen bildeten dann die UWG Olfen. Das Ergebnis der Kommunalwahl mit etwas mehr als zehn Prozent Stimmanteilen habe sie so nicht erwartet, gibt Monika Linau zu. „Ich schon“, sagt Ellertmann. „Daran hat man gemerkt, dass Potenzial da war.“ Unabhängige Bürger, die ohne Fraktionszwang arbeiteten: „Das war damals in Olfen wohl gefragt.“

Immer wieder den Finger in die Wunde gelegt

Was hat die UWG aber in den beiden Jahrzehnten erreicht? Zum einen, dass die B474n 2008 aus dem Bundesverkehrswegeplan gestrichen worden sei, erklärt Monika Linau. Zum anderen sei auch mit Hilfe eines von der UWG gegründeten Aktionsbündnisses die Umgehungsstraße K8n verhindert worden.

Zudem hätten im Jahr 2000 mehr als 2000 Bürger ein Bürgerbegehren unterschrieben, und zwar gegen einen Supermarkt in der Innenstadt. Auch wenn es nicht erfolgreich war, habe sich die Politik in Olfen danach deutlich verändert. Monika Linau: „Es wurde mehr informiert und diskutiert. Politische Entscheidungen wurden transparenter. Kritik wurde lauter geäußert.“Der nächste Satz ist sinnbildlich für das Selbstbewusstsein der UWG heute: „Indem die UWG immer wieder den Finger in die Wunde legte und Missstände öffentlich benannte, haben wir der Mehrheitspartei immer wieder ihre Grenzen aufgezeigt und in vielen kleinem Schritten einen anderen, bürgerfreundlichen Politikstil aufgezwungen.“

In vielen Bereichen, in denen es heute Veränderungen gebe - Stichwort Innenstadtkonzept - würden Ideen der UWG verwirklicht, bemerkt Axel Ellertmann. „Das ist für uns auch eine Genugtuung. Wenn wir auch nicht sofort immer die Zustimmung bekommen und oft abgeschmettert werden, kommt zu 80 bis 90 Prozent doch alles so, wie wir das wollten.“ „Wir haben uns von Anfang an gesagt, dass es eine Politik der kleine Schritte sein würde“, ergänzt Heinz-Dieter Brosz. Nach dem Motto des Zitats von Bertolt Brecht, das die UWG auf ihrer Homepage hinterlegt hat: „Wer kämpft, kann verlieren. Wer nicht kämpft, hat schon verloren.“

20 Jahre UWG Olfen: Wo Olfen drauf steht, ist auch viel UWG drin

In bester Stimmung feierte die UWG 2009 ihr 10-jähriges Bestehen im Hügelhaus. Der Vorsitzende Axel Ellertmann (4.v.r.) und der Fraktionsvorsitzende Heinz-Dieter Broz (4.v.l.) stießen mit zahlreiche Parteifreunden und Gästen an. © Edith Möller (A)

Forderung: Radweg an der Kökelsumer Straße

Was ist für die UWG noch zu tun? „Auf jeden Fall die Entzerrung der Situation um die Füchtelner Mühle und ein Radweg an der Kökelsumer Straße“, sagt Ellertmann. Eventuell auch eine Verbindungsstraße zwischen Kökelsumer und Eversumer Straße zu bauen. „Wichtig ist, das Erreichte zu bewahren“, so Monika Linau. Pflege des Bestands sei sehr wichtig, nicht nur die Ausweisung immer neuer Baugebiete.

Das dürfe nicht immer so weitergehen, auch wenn das auf der Einnahmeseite der Stadt zu Buche schlage. „Die Einnahmeseite ist das eine“, sagt Brosz. „Dann muss aber auch die Infrastruktur mitwachsen. Dann muss die Schule vergrößert werden, dann müssen Kindergartenplätze geschaffen werden.“ Monika Linau gibt allerdings zu, dass die UWG zurzeit keine Alternativlösung hat, wie die Stadt stattdessen Geld einnehmen kann.

Was ist wichtig für die Zukunft? „Wir wünschen uns, dass die Bürger sich noch mehr in die Politik einbringen, verbinden damit aber auch unseren Dank für die Unterstützung in den 20 Jahren“, sagt Monika Linau.

Wunsch: 15 bis 20 Prozent bei der Komunalwahl 2020

Diese Unterstützung, auch da ist die UWG selbstbewusst, soll möglichst noch wachsen und sich in Prozentanteilen möglichst schon bei der Kommunalwahl 2020 niederschlagen. Heinz-Dieter Brosz: „Ich hätte gern deutlich über 15 Prozent. Es darf zwischen 15 und 20 Prozent sein.“ Und damit wäre die UWG auf dem Weg, zweitstärkste Kraft im Olfener Rat zu werden.

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