Die Corona-Pandemie hat sich massiv auf Solo-Selbstständige ausgewirkt. Fitnesstrainerin Kathrin Saul (l.) hat von heute auf morgen keine Kurse im Fitnessstudio mehr geben können, Stephanie Huster hat sich ausgerechnet Anfang 2020 selbstständig gemacht. Beide haben die Pandemie über digitale Angebote gemeistert. © Kathrin Saul/Stephanie Huster/ Montage: Klose
Wirtschaft in Selm

Zwei Solo-Selbstständige aus Selm über Höhen und Tiefen im Corona-Jahr

Die Corona-Krise hat viele Selbstständige hart getroffen. Zwei Frauen aus Selm - Fitnesstrainerin Kathrin Saul und Sekretärin Stephanie Huster - berichten, wie sie die Krise überstehen.

Die Auswirkungen der Corona-Pandemie hat Kathrin Saul (38) aus Selm von einem Tag auf den anderen zu spüren bekommen. Als Bund und Länder im März 2020 den ersten Lockdown beschlossen und das öffentliche Leben auf ein Minimum heruntergefahren wurde, war die Arbeitsgrundlage der examinierten Sportlehrerin und Fitnesstrainerin erst einmal weg.

Kathrin Saul ist seit rund 20 Jahren im Fitnessbereich tätig, gibt viele Fitness- und Rehasportkurse in Fitnessstudios, wie sie im Gespräch mit der Redaktion erklärt. Fitnessstudios mussten schließen, VHS-Kurse fanden nicht mehr statt – „es war von jetzt auf gleich nichts mehr“, erinnert sie sich. Die Solo-Freiberuflerin musste sich einen Plan B überlegen. Saul verlagerte ihr Fitnessangebot kurzerhand auf Online-Kurse.

Dabei konnte sie auf das Interesse ihrer Kursteilnehmer setzen. Viele hätten sich ohnehin direkt bei der Fitnesstrainerin gemeldet und gefragt, wie sie die Zeit ohne Sportkurse überbrücken können, sagt Saul. Gerade bei den Jüngeren habe es daher keine Probleme gegeben, vom persönlichen auf den digitalen Sportkurs umzusteigen. Aber: „Von den jungen Müttern bis zu den Senioren, die Hockergymnastik machen“ arbeite sie mit vielen Altersgruppen, berichtet Kathrin Saul. Je älter das Klientel sei, desto größer sei die Hürde gewesen. „Die Älteren wollen lieber den direkten Kontakt, zwischendurch vielleicht mal ein Pläuschchen halten“, sagt die Selmerin.

Während Kathrin Saul im März schon auf ein gewisses Netzwerk aufbauen konnte, befand sich Stephanie Huster (41) zum selben Zeitpunkt gerade am Anfang ihrer Bemühungen, sich komplett selbstständig zu machen. Am 1. Januar 2020 hat sie mit ihrem Angebot für Bürodienstleistungen den Schritt in die Selbstständigkeit gemacht. Ausgerechnet im Corona-Jahr. Dabei startete das Jahr für die gelernte Rechtsanwalts- und Notarfachangestellte, die von 2006 bis 2019 als Assistentin der Geschäftsführung in verschiedenen Unternehmen tätig war, vielversprechend. „Der Januar und Februar liefen eigentlich gut“, beschreibt Huster. „Und dann kam der März und dann kam Corona“, fügt sie mit einem bitteren Lachen hinzu.

Wie auch für Kathrin Saul kam für Stephanie Huster Mitte März der plötzliche Einbruch. Mitten in der Zeit, in der sie eigentlich ihren Kundenstamm auf- und ausbauen wollte. Sie habe allerdings davon profitieren können, dass sie bereits ein halbes Jahr zuvor schon im Nebenberuf mit Bürodienstleistungen „quasi selbstständig“ gearbeitet hat, wie sie sagt. „Ich hatte das Glück, dass ich nicht am 1.1. komplett bei null anfangen musste“, erklärt sie.

Ihre Tätigkeit beschreibt sie als „mobile Sekretärin“. Sie fährt in Unternehmen, hilft bei der Büro-Organisation, unterstützt „Kleinunternehmer, die mit ihrer Ablage nicht hinterherkommen“, nennt Huster Beispiele.

In Unternehmen zu fahren und vor Ort zu helfen, hatte sich dann allerdings ab Mitte März erledigt. Einen kompletten Einbruch hatte die 41-Jährige zwar nicht erfahren müssen, allerdings sagt sie, habe sich die Situation für sie erst im Sommer wieder spürbar verbessert. Wie auch Kathrin Saul konnte Stephanie Huster viel Arbeit digital erledigen.

Gerade im zweiten Lockdown hätten sich viele ihrer Kunden auf das digitale Arbeiten eingestellt. Ein positiver Effekt: Über diesen Weg konnte sie unter anderem auch einen Kunden aus Bayern gewinnen, für den sie zum Beispiel per Internet-Telefonie den Telefondienst übernimmt.

Eine ähnliche Erfahrung hat auch Kathrin Saul gemacht. Auch die Fitnesstrainerin konnte ihren Kundenradius erweitern, auch sie hat Kursteilnehmer aus Bayern, die sich über ihr Online-Angebot fit halten. Trotz eines gewissen Booms der Online-Fitness haben die Kurse Grenzen, zumindest aber Hürden, wie Saul beschreibt. Das direkte und persönliche Feedback sei beim Online-Kurs komplizierter, besonders dann, wenn die Kursteilnehmer ihre Webcam ausgeschaltet hätten.

Weil sie in solchen Fällen nicht genau kontrollieren könne, wer die Übungen korrekt ausführt, müsse sie noch genauer darauf achten, dass sie die Bewegungen sehr deutlich vorführt.

„Wenn man sagen kann, man hat es in diesem blöden Corona-Jahr geschafft, dann frage ich mich, was jetzt noch kommen soll.“

Stephanie Huster

Trotzdem steht für die 38-Jährige fest, das Online-Fitness-Angebot fortzuführen, auch dann, wenn persönliche Fitnesskurse wieder möglich sind. Das digitale Angebot habe ihr dabei geholfen, die Corona-Flaute zu überbrücken. 14,90 Euro kostet das Fitness-Abo bei Kathrin Saul, neben Live-Workouts gibt es die Videos auch als Aufzeichnungen. Vorher kann das Programm kostenlos getestet werden.

Die Einkünfte eines normalen Jahres habe sie damit allerdings nicht ausgleichen können, sagt Saul. Mit der Umstellung auf digitale Angebote musste sie beispielsweise auch investieren, um die nötige Technik, die Internetseite und die Werbung an den Start zu bringen. Die digitalen Sportkurse seien zwar aus der Not geboren, Kathrin Saul sieht sie aber als Zukunftschance.

Auch Stephanie Huster hat einen Weg durch das Corona-Jahr gefunden. Obwohl sie gerade zu Beginn der Krise, im ersten Lockdown, darüber nachgedacht habe, den Schritt in die Selbstständigkeit wieder rückgängig zu machen. Der Gedanke „komm, melde dich arbeitslos, dann hast du ein sicheres Einkommen“ sei im Laufe des Jahres 2020 ihr Tiefpunkt gewesen. Auch durch die Unterstützung von Freunden habe Stephanie Huster den Gedanken verworfen und zieht mittlerweile viel Positives aus dem Jahr 2020: „Wenn man sagen kann, man hat es in diesem blöden Corona-Jahr geschafft, dann frage ich mich, was jetzt noch kommen soll.“

Hintergrund: Solo-Selbstständige in der Region und Finanzielle Hilfen

  • Laut statistischem Landesamt IT NRW gab es im Jahr 2018 in Nordrhein-Westfalen 346.400 Solo-Selbstständige. Das entspricht einem Anteil von 48,8 Prozent der im Register erfassten Unternehmen. Aktuellere Zahlen hat IT NRW noch nicht veröffentlicht.
  • Mit 5840 von insgesamt 12.992 Unternehmen und damit 45 Prozent ist der Anteil im Kreis Unna etwas niedriger.
  • Sowohl im Frühjahr als auch im November/Dezember hat das Land NRW Hilfsgelder für Unternehmen und Selbstständige bereitgestellt. Im Frühjahr konnten kleine Betriebe 9000 Euro beantragen, im November Solo-Selbstständige bis zu 5000 Euro.
  • Kathrin Saul hat die Novemberhilfe beantragt, das Geld bis Ende Januar allerdings noch nicht bekommen, sagt sie. Stephanie Huster sagt, als Neugründerin habe sie im Frühjahr keinen Anspruch auf die Soforthilfe gehabt. Im November habe sie keine Hilfe beantragt.
  • Kathrin Saul beginnt am 15. Februar eine 90-Tage-„Abnehm Challenge“ mit einem Ernährungskonzept, gepaart mit sportlicher Betätigung. Mehr Infos auf ihrer Internetseite www.kathrin-fitness.com an.
  • Stephanie Huster ist ebenfalls über ihre Website www.stephanie-huster.de erreichbar.
Über den Autor
Redaktion Selm
Jahrgang 1985, fasziniert von digitalen, technischen und lokalen Themen.
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Karim Laouari

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